Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1866)
- Date
- 1866-08-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447272--04411-2459865- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
540 und Frommen der Gesammtheit seine Thätigkeit aufs neue zu beginnen und mit verdoppeltem Eifer fortzusetzen. — Za, mit verdoppeltem Eifer, mit unermüdeter Thatkraft, mit rastloser Anstrengung mutz namentlich an der „sittlichen Erhebung" der Menschheit gearbeitet werden, — nachdem die neuaufgeworfenen, grauenerregenden Leichenhügel bei Königgrätz mit unheimlichem Zurufen uns ernstlich daran mahnen, wie wenig leider bisher auf diesem Gebiete geleistet wurde. — Das grauenvolle Schauspiel eines verheerenden Bruderkrieges, das wir in jüngster Zeit erlebt, erduldet haben, liefert uns den traurigen Beweis, daß es mit der vielfach ausposaunten Intelligenz und Humanität unsers Jahrhunderts denn doch nicht so weit her sein müsse. Doch wenden wir uns ab von den blutgedüngten Schlachtfeldern; entfernen wir unfern Blick von diesen ewigen Schmachstätten der civilisirten Menschheit. — Kehren wir zu unserem friedlichen Berufe zurück, wo so manche brennende Frage auch ohne Schwertstreich eine befriedigende Lösung finden dürfte. Daß das prov. Comitö des zu gründenden ungarischen jüdischen LandeZlehrervereines in Pesth die vorläufigen Statuten bereits an sämmtliche hierländische Gemeinden und Schulen versendet, dürfte Ihnen bereits bekannt sein. — Leider geschah dies in einem Augenblicke, in dem die traurigen Kriegsereignisse Alles absorbirten.— Wir glauben denn auch nicht, daß von Seiten der Gemeinden eine namhafte Betheiligung sich rundgegeben hat. — Trotzdem ist das Zustandekommen deS Vereins um so weniger zu bezweifeln, als laut deS in Rede stehenden Statutenentwurfes bei einer Beitrittserklärung von hundert Mitgliedern der Verein als konstitnirt sich erklärt. — Der Umstand, daß Hr. vr. Meisel an der Spitze des Cornitö's steht, flößt in den Lehrerkreisen Vertrauen ein, wonach von dieser Seite die Betheiligung eine lebhaftere sein dürfte, als sich Angesichts der sonstigen Verhältnisse erwarten ließe. Während der Herbstferien wird in Pesth eine Konferenz stattfindeu, um die vorläufigen Statuten allseitig zu berathen und nach Vornahme der nöthigen Modifikationen endgiltig sestzustellen. — Unser Schulwesen leidet indeß an Uebeln so mannigfacher Art, daß die Lehrerkonferenz sich nicht erwehren können wird, auch dieses in den Kreis der Berathung zu ziehen. — Wir unsrerseits würden der Konferenz die endgiltige Erledigung der „Schuldirektoren-Frage" aufs Nachdrücklichste empfehlen. — Vor einigen Jahren bildete diese Frage bekanntermaßen eine stehende Rubrik in der jüdischen Journalistik. — Der Aumuthung, daß die Rabbinen mit der Aufsicht der Schulen betraut würden, wurde namentlich von Seiten der Lehrer mit vieler Energie entgegengetreten. Die gegen diese Maßnahme vorgebrachten Einwände waren nur zum Theile gegründeter Natur. Am stichhaltigsten war jedoch der Einwand, wonach die Rabbinen sich bei Weitem noch nicht jener festen Stellung im Schovße ihrer Gemeinden erfreuen, um eine Lehranstalt in kraftvoller unabhängiger Weise mit Erfolg leiten zu können. — Nachdem diese Frage bisher ungelöst geblieben, so sind es Kaufleute, Aerzte und Lehrer, die sich in unfern Gemeinden für kurze Zeit der Leitung der Schule bemächtigen. — Leider merken die Kaufleute gar bald, daß im Schulwesen sich nicht viel „machen" läßt, während die Herren Aerzte ebenfalls bald inne werden, wie wenig ihre arzneikundlichen Wissenschaften die Gebrechen der Schule zu heilen vermögen. — Am trostlosesten gestalten sich die Verhältnisse dort, wo ein Lehrer mit der Aufsicht betraut wird. Die Regierung wünscht es wohl, dies Amt in die Hände der Lehrer zu spielen, indem sie hierdurch der Schule einige Selbstständigkeit vis-a-vis der Gemeinde zu verschaffen glaubt. Welche gründliche Täuschung! Welch' ein Verkennen jüdischer Zustände! Wie soll der Lehrer, dem der Boden unter den Füßen schwankt, die Schule in selbstständiger Weise vertreten! — — Und dann durchschauen ja die Gemeinden die Absicht der Regierung und verstehen, diese wirksam zu paralysieren. — Sie bringen sohin in der Regel ein solches Lehrerindividuum als Direktor in Vorschlag, bei dem sie am wenigsten ein selbstständiges, männliches, von innerer Ueberzeugung getragenes Wirken zu befürchten haben. Den Preis dieses hohlen Titels erhält mithin oft jener Lehrer, der im Anschmiegen und Anempfinden (um uns eines gelinden Göthe'scheu Ausdruckes zu bedienen) die schönsten Proben seines Talentes erwiesen. — Daß ein solcher sogenannter Schuldirector für sein Gebühren nach Außen durch ein unwürdiges Auftreten gegen seine Kollegen sich schadlos zu halten sucht, ist um so bedauernswerter, als die Lehrer ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind. Wer es nicht mit eignen Augen gesehen, kann sich kaum eine schwache Vorstellung machen von der tragt-komischen Figur eines solchen Fibelmonarchen. Da gibts ein ewiges Bewegen, ein unaufhörliches Rennen, ein Stoßen nach unten, ein Kriechen nach oben. Wahrlich, es läßt sich nicht bestimmen, ob diese Erscheinung mehr Lächerliches oder mehr Trauriges an sich hat; in jedem Falle ist selbe höchst unerquicklich. — Unseres Erachtens sollte die Lehrerkonserenz den Beschluß fasten, bei der Regierung den Antrag zu unterbreiten: Daß mit der Leitung der jüdischen Schule die an derselben wirkenden Lehrer alternirend betraut würden. — Ern solcher Turnus dürfte unter vielen Uebeln das kleinste sein. LI Prag, 3 k. Juli. Der hiesige Banqrrier Leopold Edler von Larnel hat gleich «ach Ausbruch des Krie-