Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1866)
- Date
- 1866-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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538 einen bedeutenden Beitrag spendete, sondern auch eine Sammlung veranstaltete, die bei dem guten Klang seines Namens einen glänzenden Erfolg hatte. Die nunmehr erbaute prachtvolle Synagoge wurde für mehr als 1500 Pfund hergestellt und wird fleißig an Sabbat- und Festtagen besucht. Leider sollte dieser würdige Mann die Freude daran nicht lange genießen, denn er hat in diesem Jahre das Zeitliche gesegnet. Welch' ein edler Mensch und Jude er war, dafür zeugt das freundschaftliche Verhältniß, in welchem er zu dem ehrwürdigen Sir Moses Montefiore stand, der niemals durch Dover reiste, ohne Mr. Cohen zu besuchen. Auch für die Erwerbung eines eignen pvdp, welches die Gemeinde bis jetzt nicht besitzt, war der selige Cohen ernstlichst bemüht, und setzt diese Bemühung die Tochter des Verewigten, Miß Therese Cohen, fort, wie sie überhaupt ganz im Geist ihres» Vaters lebt und wirkt. Hoffentlich wird auch dieses Streben den erwünschten Erfolg haben. Auch Miß Cohen ist Vorsteherin eines Damen-Jnstitutes, welches von der Noblesse Englands, von Amerikanerinnen, Portugiesinnen rc. besucht wird, und höchst comfortable eingerichtet ist. Dasselbe befindet sich in einem unbeschreiblich reizend gelegenen Gartenhaus am Gestade des Oceans, und wirken unter ihrer Aufsicht 4 Lehrer und 4 Lehrerinnen. Sehr erfreulich wird es für die Leser und Leserinnen Ihrer geehrten Zeitung sein, zu erfahren, daß auch dieses Institut einen streng religiösen Charakter hat, und von dem Herrn Oberrabbiner in London, Herrn vr. Adler, darum empfohlen und begünstigt wird. Was die übrigen Anstalten von Dover betrifft, io erlaube ich mir, um Ihre Leser nicht zu ermüden, in einem nächsten Artikel darauf zurückzukommen. v. Amerika. Iowa, 5. April. Am letzten Dienstag passirte hier ein trauriger Vorfall, indem ein achtbarer junger Mann sein Leben verlor. Zn Lyons schiffte sich ein Passagier, Namens Henry Oppenheimer auf der Reise hierher, auf dem Dampfer Canada ein. Er ist ein Bruder von einem der Chefs der Firma Hirsch und Oppenheimer, Juweliere, Nr. 14 und 16 Maiden Lane, New-Aork, und war für diese Firma als Geschäftsreisender thätig. Auf dem Canada nahm er eine State Room und ging früh zu Bett. Etwa um 3 Uhr gestern Morgen sah ihn der Assistent-Ingenieur in der Nähe der Küche die Treppe Herabkommen. Er war nur mit einer Hose bekleidet und trug ein Kissen unter dem Arm. Der Ingenieur versuchte ihn zn halten, allein zu spät, er fiel in demselben Augenblicke von dem Radkasten ins Wasser und wurde bis jetzt nicht wiedergesehen. Es ist kein Zweifel darüber, daß der junge Mann in einem Zustande von Somnambulismus war, denn er hatte nicht die entfernteste Ursache, sich freiwillig das Leben zu nehmen. Das Boot wurde angehalten, und man versuchte ihn zu retten, allein vergebens. Seine Effecten wurden seinen hiesigen Verwandten übergeben, zwei seiner Koffer sollen allein für 15,000 Dol. Goldwaaren enthalten. Der bedauernswürdige junge Mann war erst 22 Jahre alt und genoß überall, wo er bekannt war, die größte Achtung. Seine Brüder in New-Aork uud Davenport wurden sofort telegraphisch benachrichtigt. Eine Antwort sagte, man solle kein Geld scheuen, um den Leichnam aufzusinden. M. A. Greenwald hat deshalb eine Belohnung von 50 Doll, für die Auffindung derselben ausgesetzt, und werden voraussichtlich die Zeitungen von Lyons, Clinton und Davenport Näheres darüber bringen, da wahrscheinlich der Leichnam in der Nähe einer dieser Städte aufgefunden werden wird. Afrika. Das „Jew. Chronicle" enthält einen Bericht über die Synagogen in Teluan; wir entnehmen daraus, daß deren 17 exiftiren, die sämmtlich bis auf eine Privatsynagcgen sind; die Einnahmen von dreien sind zur Bestreitung des Gehalts der schlechtbesoldeten Dajanim bestimmt; die dreizehn anderen gehören den Nachkommen früherer Dajanim. In neuester Zeit wurde in Tetuan noch eine Talmudschule (Jeschibah) gegründet, dadurch daß das Ehepaar Joseph de Juda Levy sein.ganzes Vermögen zu diesem Zwecke testirte. Die jährlichen Einnahmen aus diesem Fond belaufen sich aus 500 Livre's, eine für Tetuan ziemlich bedeutende Summe. Die gelehrten Rabbinen Tetuans sind so schlecht besoldet, daß viele von ihnen als Juweliere, Landbebauer, Weber und Lohgerber arbeiten, um ihre Familien nothdürftig zu ernähren. Vor dreißig Jahren war der Zustand Tetuan's ein blühender und die Bevölkerung wohlhabend; seitdem jedoch Tanger und die anderen Hafenstädte, welche regelmäßige Verbindung mit Gibraltar, Lissabon, Marseille und London unterhalten, den ganzen Handel absorbnt haben, und das Geschäft in Tetuan sich lediglich auf die Stadt und die umliegenden Ortschaften beschränkt, sind die wohlhabenden Israeliten nach dem Handel günstigerem Plätzen gezogen; nur die Armen und unter ihnen die Rabbinen sind in der gänzlich heruntergekommenen Stadt zurückgeblieben. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.