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Der Israelit · 1866-08-01 · Heft 31 (1.8.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 31 (1.8.1866)
Date
1866-08-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 31 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 29. Juni. Eine große Anzahl Exemplare der Nr. 30 d. Bl. wurde am vorigen Mittwoch von der Post uns zurückgesandt, da sie nicht befördert werden konnte; es waren dies alle nach Preußen und den von Preußen occupirten Ländern adressirten Blätter; heute jedoch gingen dieselben sämmtlich bis auf die nach Frankfurt a. M. bestimmten Paquete ihren Bestimmungsorten zu. Herr Freiherr Mayer Carl von Rothschild in Frankfurt a. M. hat sich durch sein patriotisches Benehmen bei Gelegenheit der seiner Vaterstadt aufgelegten Contribution von 2Z Millionen Gulden allgemeine Anerkennung erworben. Wie wir vernehmen, ist erwähnte Contribution von Seiner Majestät dem Könige von Preußen huldreichst nachgelassen worden. Wir möchten den für das Vaterland gefallenen und verwlindeten jüdischen Soldaten, gleichviel auf welcher Seite, in diesen Blattern dadurch ein Denkmal setzen, daß wir ihre Namen veröffentlichen; wir ersuchen daher unsere geehrten Leser, uns von denen, die zu ihrer Kunde gelangen, gefälligst Mitthcilung zu machen. Es liegen auch noch andere Gründe vor, die es rathsam erscheinen lassen, eine derartige Ueberstcht zu besitzen. München. Mit diesem Jahre wird eine schöne Stiftung in's Leben treten; es hat nämlich der Freiherr Ferdinand v. Rast, Gutsbesitzer zu Saal in Steyermart, in der hochherzigen Absicht, zur Verminderung des Proletariats das Seinige beizutragen, im Wege testamentarischer Verfügung eine Stiftung von 477,500 fl. unter der Bestimmung gegründet, daß die Renten des erwähnten Capitals zu dem Zwecke verwendet werden, daß Lehrlinge christlicher wie israelitischer Confession, ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, sofern sie nur Deutsche find, ausgebildet werden sollen. Mit dem Sitze der Stiftungsverwaltung ist München betraut. Ludwigshafen a. Nkh Wir glauben, Ihren geehrten Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir ihre Aufmerksamkeit auf den Gegenstand der Beheizung der Synagoge lenken. Derselbe gewinnt immer mehr und mehr an Interesse durch neu ausgeführte Heizeinrichtungen in Synagogen, deren Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit sowohl in Bezug auf die Annehmlichkeit der Besucher, als aus die Förderung der Frequenz außer Frage steht. Die Herren Boger und Consorten an hiesigem Orte, welche sich ganz speciell mit Luft heizungs Einrichtungen nach patentirtem Systeme befassen, haben hierüber eine besondere Broschüre herausgegeben. Es hat diese Firma bereits eine Anzahl von Synagogen von den verschiedensten Größen mit Heizeinrichtungen versehen, und es sollen ihre Leistungen sowohl hinsichtlich der gleichmäßigen Erwärmung des Gebäudes als auch des billigen Brandes sehr zufriedenstellend sein. Aus Lübeck geht uns ein Schreiben voll unfern: ehemaligen Kopenhagens Correspondenten zu, iu welchem derselbe, mit Zeugnissen belegt, gegen ihn gerichtete Angriffe von Seiten der „Mg. Ztg. des Judenth." resp. von vr. Levisohn in Stockholm und von L. L. in Homburg vor der Höhe, zurückweist; da aber seit der Angelegenheit, um die es sich hier handelt, bereits eine geraume Zeck verflossen und überdies derartige Debatten höchst unerquicklich sind, so wollen wir unsere Leser nicht weiter damit behelligen und hiemit nur constatiren, daß vb renrr die ihm gemachten Vorwürfe überhaupt widerlegt und sich gerechtfertigt hat. Preußen. Nerlirr. Erst in der neuesten Zeit ist Oesterreich der auch in diesen Blättern erwähnten „Genfer Convention," die von Herrn Henri Dunant in Paris (siehe Nr. 25 des Jsr.) gegründet worden, undAerzte und Verwundete für neutral erklärt, beigetreten. Daher kam es denn, daß in einer der böhmischen Schlachten ein preußischer Regimentsarzt, vr. Friedländer, von den Oesterreichern in dein Augenblicke gefangen genommen wurde, da er einem verwundeten Ocsterreicher den Verband anlegte. Einem gefangenen und nach Posen verbrachten österr. Offizier, dem Grafen von der Lippe, einem Neffen des preußischen Justizministers gleichen Namens, wurde das Anerbieten gemacht, gegen den erwähnten vr. Friedländer ausgetauscht zu werden. Wie die zu Berlin erscheinende „Volkszeitung" berichtet, weigerte sich derselbe jedoch, durch Austausch gegen einen „Juden" seine Freiheit zu erlangen, worauf der Commandant der Festung Posen, dem diese Aeußerung im höchsten Grade mißfiel, dem hochgeborenen Herren Grafen die Gefangenschaft zu erschweren befahl. — Uebrigens hat gerade die Affaire mit dem vr. Friedländer, die in Oesterreich verdientes Aufsehen erregte, die nächste Veranlassung dazu gegeben, daß auch der österr. Kaiserstaat der segensvollen Genfer Convention beigetreten ist.

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