Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1866)
- Date
- 1866-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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513 1er von abendwärts zur Stadt Davids zu leiten (s. a. a. O-), von den angesehensten Jerusalems-Topographen, wie E. Robinson, E. G. Schultz, T. Tobler. im Westen der Stadt, in der Gegend des sogenannten Mamilla-Teiches, also ungefähr an der von mir bezeichneten Stelle gesucht wird, fand ich mich veranlaßt, zu weiteren Forschungen anzuregen. Nach manchen vergeblichen Bemühungen gelang es mir. den englischen Jngenieur-Capitän Wilson ins Interesse zu ziehen. Derselbe, mit manichfaltigen Untersuchungen inner- und außerhalb Jerusalems beschäftigt, übertrug mir die Leitung des Grabgeschäftes, indem er mir eine für den Anfang entsprechende Summe zu diesem Behuf zur Verfügung stellte. Ich ließ zuerst nun oben die großen Steine durchbrechen, um ein Loch zum Heineinkriechen zu gewinnen. Als wir hineinkriechen konnten, fanden wir aber nicht etwa, wie ich vermuthet hatte, alsobald die Oeffnung einer großen und Liefen Höhle, sondern nichts als Steine in der Größe eines Mannskopfes. Nachdem wir den Eingang erweitert und viele jener Steine hergeschafft hatten, trafen wir den lebendigen Felsen; wir bemerkten in demselben eine ovale, 7 Fuß im Durchmesser hallende, nicht eingehauene Grube, welche immer tiefer wurde, je mehr "man Steine herausschaffte, und welche sich dann canalähnlich gegen die Stadt zu unter dem Felsen hin verlängerte. Wochenlang wurde das Grab- und Ausleerungsgeschäst fortgesetzt, bis die gereichten Mittel erschöpft waren. Bei seinem Abschied gestattete mir Hr. Capitän Wilson in freundlichster Weise, um von Seiten der türkischen Behörde keinen Schwierigkeiten zu begegenen. in seinem Namen, da nur er die Erlaubniß zum Nachgraben hatte, mit der Arbeit fortzufahren, wenn ich die weiter nöthigen Geldmittel dazu finden könnte. Ich veranstaltete daher zu diesem Zweck in Jerusalem eine Sammlung, und es wurde so ermöglicht, einige weitere Wochen graben zu lassen. Ein stetiger Zuschauer bei unfern Arbeiten war ein Kawaß (Amtsdiener) des Pascha; er sollte, wenn sich Schätze fänden, dieselben für den Sultan in Empfang nehmen. Da, je weiter wir hinunterkamen, die Brunnenhöhle immer breiter wurde, ging das Ausleeren immer langsamer von statten, und das ersammelte Geld ging zu Ende. Die Kosten des Ausgrabens haben sich bis auf 2222 Piaster belaufen; fast zwei Drittel dieser Summe haben hiesige Deutsche beigesteuert. Wäre es nun nicht jammerschade, wenn wegen Geldmangels die angefangene und schon ziemlich weit geförderte Arbeit auf immer eingestellt bleiben müßte? Denn jetzt schon kann mit Bestimmtheit erklärt werden, daß es sich hier nicht etwa bloß um eine verschüttete Cisterne, oder um irgendein Magazin, oder um eine Zufluchtsstätte, welche gedeckt worden wären, oder um eine verborgene Grabstätte handle, sondern daß hier nur ein Brunnen sein könne, ähnlich dem Brunnen Rogel, dem Hiobsbrunnen. Wir haben eine Tiefe von 70 Fuß erreicht; der Rogelbrunnen ist 122 Fuß tief. An verschiedenen Stellen fand man tröpfelndes Wasser oder mit Tropfstein überzogene Wände. Nirgends war menschliche Arbeit, wie etwa Meißelhiebe, wahrzunehmen, wohl aber ist sichtbar, daß nicht bloß von oben durch Menschen Steine hineingeworfen, sondern daß auch unten alle Löcher und Nischen durch Menschenhand sorgfältig ausgesüllt worden sind. Werter nach unten zu zeigte sich zwischen den Steinen etwas Schlamm oder nasse rothe Erde, welche bloß durch das Regenwasser als Niederschlag im Laufe der Jahrhunderte hereingekommen sein kann. Schutterde fand sich nirgends vor, von Scherben wurden nur wenige, ganz erweichte Stücke zu Tag gefördert. Ich füge noch bei, daß die Bewohner Jerusalems haufenweise herausgekommen sind, um unfern Arbeiten zuzusehen, und daß alle die frohe Nachricht zu Horen wünschten: „Wir haben Wasser gefunden" (vgl. 1 Mos. 26, 32), sowie daß sich ungefähr achtzig Schritt nördlich von unserer Stelle eine Ruine befindet, welche die Araber Mechkeme, d. h. Gerichtsstätte, nennen. Gerichtsplätze waren aber in den alten Zeiten der Israeliten gerne bei Brunnen und an den Thoren. (Ausland). Des Weibes Lleinod*) In Sidon lebte einst ein Ehepaar In Lieb' und Frieden schon im zehnten Jahr, Doch war die Ehe kinderlos geblieben. Da trug der fromme, gottesfürcht'ge Mann Vor Rabbi Simeon auf Scheidung an, So wie der Väter Satzung vorgeschrieben. „Das Beste," sprach er, „was ich Hab im Haus, Das such', mein Weib, Dir nach Belieben aus Und kehr' zu Deinem Vater heim in Frieden.!" „Ihr habt," sprach Jochai's Sohn, in heitrer Stund' Geschlossen einst beim Mahl den heil'gen Bund, So werdet auch beim Freudenmahl geschieden. —" Hierauf begaben Beide sich nach Haus; Das Weib bereitet einen Schmaus Und scheint, der Freude ganz sich hinzugeben. Sie füllt dem Gatten öfters den Pokal, Er trinkt, es ist ja heut' zum letzten mal, Er trinkt, bis alle Sinne ihm entschweben. Da winkt sie leis' der treuen Dienerschaar Und läßt den Mann, so wie er war, *) Aus „Buch der Segen und Legenden jüdischer Vorzeit" von Abraham Tendlau. Nach Midrasch Jalkut E. 17. V- 5.