Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-07-18 · Heft 29 (18.7.1866) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 29 (18.7.1866)
Date
1866-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447268--04357-2459807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

490 Gabe, veranlaßt zur Zeichnung von wöchentlichen Beiträgen auf die Dauer von drei Monaten! Gott wird Euch darob belohnen und da- Bewußtsein, Tausende unserer Glaubensbrüder vom schrecklichen Hungertode errettet zu haben, wird Euch für alle Zeiten ein unschätzbares Kleinod bleiben! Wir wollen jetzt den Nothruf aus Jerusalem in deutscher Uebertragung auszüglich hier wiedergeben: Jerusalem, den 20. Siwan 5626. „All ihr Volk seufzet, suchet nach Brod; sie geben „ihre Kostbarkeiten um Speise, die Seele zu erquicken. Siehe, Ewiger, und schaue herab, wie „ich so erniedrigt bin. (Klagelieder C. I, V- 5.) „Wo bist Du, Jirmijah? wo weilst Du, Sohn „Chilkijah's? K-mme doch und erhebe Dein Klagelied „und Deinen Wehegesang um Deine Brüder, um das „Volk des Herrn, um die Stadt des Herrn, die bereits „so viel Unglück erduldet! War es nicht genug an „der Hungersnoth im vorigen Jahre, nicht genug an „der Cholera? — Ach, auch in diesem Jahre hat Gott „die Heuschrecke in unser Land geschickt! Anfangs wa- „ren die Ernteaussichten sehr günstig, so daß wir hofften, für die Noth des vergangenen Jahres Ersatz zu „finden — aber die vollen Aehren wurden von der „Heuschrecke verzehrt, die fünf Tage lang alle Felder „bedeckte; die Schaaren derselben zogen herbei wie „dichtes Gewölk, das die Sonne verfinstert, und ließen „nichts übrig, denn nur wenigen Waizen, der bereits „zu hart für sie geworden war. Es gewährt einen „äußerst betrübenden Anblick, die Felder, welche noch „vor wenigen Tagen im reichsten Schmucke prangten, „völlig kahl gefressen zu sehen! „Was wird aus uns werden? Der schrecklichsten „Hungersnoth sehen wir entgegen, und bereits ist die „Theuerung auf einen hohen Grad gestiegen. „Deßhalb rufe ich Euch an, Ihr theuren Brüder, „Ihr Vorsteher und Nabbinen der israel. Gemeinden „des Auslandes, vernehmt unfern Nothruf und er- „barmt Euch der unglücklichen Bewohner des heiligen „Landes, die sämmtlich der bittersten Hungersnoth „preisgegeben sind. „Wohl wissen wir, theure Brüder, daß auch Ihr „jetzt traurige Zeiten verlebt — allein, vielleicht will „Gott Euch gerade dadurch prüfen! Hat Er doch gesprochen: „Prüfet mich mit diesem (mit Wohlthun, „Almosen) und Ich werde Euch öffnen die Schleusen „des Himmels und Meinen Segen in Ueberfülle Euch „spenden". — Das Gute, daß Ihr an Zion vollbringen werdet, wird Gott Euch in reichem Maße vergelten, bis daß Ihr schauet das Heil und den Wiederaufbau Jerusalems!" — Joseph Ryblin, israel. Gemeindesekretär zu Jerusalem. Die Pekidim und Amarkelim (Centralcomitö) zu Amsterdam fügen noch in einer Nachschrift bei, daß die übrigen Städte Palästina's in gleicher Noth wie Jerusalem sich befinden, und daß in Liberias die Cholera ausgebrochen; an einem Tage kamen 20 Erkrankungen daselbst vor, von d^nen 14 mit dem Tode endeten. Der Allgütige erbarme Sich Seines Volkes! Aettrrttgsrra<HrLchterr und Correfpondenzen. Deutschland. NW" Mainz, den 11. Juli. Soeben erhalten wir eine Menge der heute expedirten Paquete, die Nr. 28 enthaltend, zurück, da der Postverkehr nach vielen Seiten hin unterbrochen ist; aus diesem Grunde kommen uns auch Correspondenzen und Bestellungen nur spärlich zu. Möge der Allgütige die Herzen der Monarchen lenken, daß sie bald Frieden schließen; wir werden dann sofort die restirenden Paquete ihren Bestimmungsorten zusenden. (Nachbemerkung beim Schluffe des Blattes: Ist in Folge des wiedereröffneten Postverkehrs unterdeß geschehen.) Unter diesen Umständen halten wir es für angemessen, den Umfang dieser Zeitung vorläufig auf einen Bogen zu reduciren. Das Ausfallende wird später n"'"-r durch besondere Beilagen nachgeholt werden. Mainz. Aus dem Hauptquartier der kurhessischen Division*) theilt uns einer unserer Glaubensgenossen in der kurhessischen Armee mit: Bei meinem, dem dritten Infanterieregiment, befinden sich einige 50 Glaubensgenossen. Wir befinden uns nun schon seit einigen Wochen im Felde. Wie schwer es bei solchen Umständen ist, als Jehudi zu leben, wenn man täglich von einem Orte zum andern aus quartiert wird, wissen Sie gewiß. Trotzdem hat der größte Theil unter uns bis jetzt noch kein gegessen; wir sind vielmehr fest entschlossen, komme es wie es wolle, und wenn wir von Wasser und Brod leben sollten, auszuhalten und es wird uns gelingen. In der That ging es uns hierin bis jetzt ganz gut. Wir sahen darin so recht den Ausspruch unserer Weisen bestätigt, nn.i da gerade diejenigen von uns, die schon in der Kaserne in dieser Beziehung leichtsinnig waren, fast immer bei Christen in Quartier waren. Fürth (Bayern), im Juli. In Fortsetzung meines jüngsten Berichtes über hiesige Angelegenheiten will ich heute über das jüdische Waisenhaus für Kna- *) Die nähere Bezeichnung des Ortes, von wo aus uns dieses Schreiben gekommen, dürfen wir aus leicht zu erklärenden Ursachen nicht anführen. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.