Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1866)
- Date
- 1866-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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VH. Jahrg 28. r Israelit. Ein Central Organ für das orthodoxe Zndenthun». Herausgegeben von Vir. Lehmann in Mainz. Mainz, den 11. Juli 5626 (1866). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 3 Thlr. pr. C. oder ft. b. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichii'che Banknoten laut Cours. Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franco einzusenden. Anhalt: Leiteader Artikel: Noch ein Mahnwort in ernster Zeit. — Zeitungsnachrichten «ad Korrespondenzen: Deutschland: Kassel. Worms. Hamburg. — Preußen: Thorn. — England: Portsmouth.— Krailletou: Krieg. Anhalt der Beilage: Leitender Artikel: Erwiderungen aus verschiedene das Religionsgesetzliche oder die Tradition überhaupt betreffende reformistische Gutachten. AritnngSrrachrichten and Korrespondenzen: Deutschland: München. — Oesterr. Kaiserst.: Aus Ungarn. — HokM land: Gravenhage. — Rußland: Warschau. — Spanien: Madrid. — Kenilleto»: Wer ist der Dieb? LeiteVder Artikel. Noch rin Mahnursrt in ernster Zeit.*) Geliebte Glaubensbrüder und Glaubensschwestern! Zu den Fundammtallehren unserer heüigen Religion zählm folgende: 1) Gott beglückte dm Menschen mit dem kostbarsten Geschenke der Willensfreiheit; in des Menschen Willen legte er es, das Gute zu wählen, das Böse zu verabscheuen; in des Menschen Macht liegt eS daher, auf dm erhabensten Höhepunkt der *) Die hier folgende Ansprache ist uns von mehreren Rabbme» zur Veröffentlichung übersandt worden. — Red. Frömmigkeit sich empor zu schwingen, sowie er anderseits nur sich es zu zuschreiben hat, wenn Sündenlast ihn beugt und erniedrigt. Sein Wirken vermag ihn des höchsten himmlischen Wohlwollens und Heils theilhastig werden zu lassen, sein Wirken vermag ihn den schwersten himmlischen Strafen zu überliefern. 2) Was aber gut und daher zu wählen, was böse und daher zu meiden, dies zu bestimmen, ist nicht unserer menschlichen schwachen, unzulänglichen, leicht zu täuschenden Kurzsichtigkeit überlassen, sondern Gott selbst hat dies in seiner Gnade uns kund gethan, klar und deutlich vorgelegt in seinem geoffenbarten Thora- Gesetze. 3) Es gibt keinen Zufall in der Welt, sondern alle Ereignisse, die angenehmen wie die unliebsamen, die kleinsten wie die größten, dis den Einzelnen, wie die Gesammtheit betreffen, alle, alle sind sie Bestimmungen und Fügungen Gottes, Wirkungen seiner unbegrenzten Weisheit, seiner unbestechlichen Gerechtigkeit, seiner unwandelbaren Liebe. Aus diesen heiligen Lehren geht nun klar und deutlich für jeden Israeliten die heilige Verpflichtung hervor, stets und unter allen Lebensverhältniffen und Umständen seinen Wandel unparteiisch zu prüfen, ob und inwiefern er dem von Gott in seiner hl. Thora vorgezeichneten Wandel entspricht, oder davon abweicht, ob er alle darin zur Ausübung vorgeschriedenen Gebote treulich erfüllt, alle darin ausgesprochen Verbote sorgfältigst meidet. Ja, unter allen Lebensverhältmffen und Umständen, denn, auch die erwünschtesten persönlichen Zustände, auch die glänzendsten materiellen Verhältnisse könnm nur dann Zufriedenheit und Genuß gewähren, wenn das wohlthuende Bewußtsein uns innewohnt, den göttlichen Vorschriften den