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Der Israelit · 1866-06-27 · Heft 26 (27.6.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 26 (27.6.1866)
Date
1866-06-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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4SI Salamon Lear Steinkeim, geboren zu Bruchhausen, im Umfang der alten Abtei von Corvey, den 6. August 1789, uns unbekannt, durch welche Schicksale «ach Holstein verschlagen, wo er auf der Universität Kiel promovirte, vermuthlich im Jahre 1811, da seine gedruckte Inauguraldissertation (<ts caasis mordorum) die genannte Jahreszahl führt. In Altona sich niederlassend hatte und benutzte er eifrig die Gelegenheit, mit den dortigen Collegen einen aufopfernden heldenmütigen Kampf gegen das pestartige Fieber zu kämpfen, das im Jahre 1814 unter den Tausenden vom französischen Marschal Davoust aus Hamburg ausgestoßenen, in Altona gastlich uutergebrachten Unglücklichen ausbrach und die ganze Stadt zu inficiren drohete, ein rühmlicher und in höchstem und besten Sinn heldenhafter Kampf, dem leider mehre der geschicktesten damaligen Aerzte, wie Unzer, van der Smissen «. s. «. zum Ofer fielen. Bereits während und gegen den Ablauf der furchthären Epidemie ließ sich der junge Steinheim in dem damaligen Haupt-Organ der Attonaer Publicistik, den Mreß - Comloir - Nachrichten, neben anderen ärztlichen die Ursachen und die Behandlung des typhischen Uebels betreffenden Gutachten, wobei namentlich die auch bei der Cholera später wiederkehrende Frage: ob ansteckend oder nicht, hauptsächlich in den Vordergrund trat, in einer hervorragenden scharfsinnigen Weise vernehmen. Eine umfangreiche Darstellung des unter allen persönlichen Gefahren Erlebte» und Beobachteten erschien von ihm bald darauf in der Schrift: „Ueber den Typhus im Jahre 1814 in Altona." Im Jahre 1818 zeigte sein „ Versuch über die ernsthafte Gattung der Schwärmerei" (Ln Commission bei Hammerich in Altona), daß er sich seitdem nicht nur in der gewöhnlichen ärztlichen Praxis bewegt, sondern mit wichtigen philosophischen und religiösen Problemen beschäftigt hatte. Wie sehr ihm aber dem ungeachtet das eingehendste Naturstudium am Herzen lag, bewies er durch die etwas spätere Schrift: „Die Entwickelung der Frösche. Ein BeÜrag zur Lehre der Epigeusie. Mit 3 Kupfertafeln. Hamburg, bei Perthes und Besser." Im Jahre 1823 veröffentlichte er ein religiöses Gedicht, genannt „Sinai, Gesänge von Obadiah, dem. Sahne Amos," eine freie dichterische Versenkung in den altbiblrschen Gedenkkreis, wie sie wohl selten in der Literatur vorkommt. Dennoch beherrschten ihn später noch längere Zeit dis so wichtigen, vielverzweigten praktischen Probleme seines eigentlichen Berufes. Die medicinische Wett erhielt von ihm. im Jahre 1826 ein Werk, betitelt: „Die Humoralpathologir. Ein kritisch-didaktischer Versuch," im Jahre 183L: „Die Hunrcralpathologie. Nach Ov. W. Stevens Schrift: Observation« vv tks bealtlr^ auä äesissvt. «tato ol tkv bloocl. London 1832. Dargestellt von vr. SLeinheim. Hamburg 1633. Das letzte uns bekannt gewordene Auftreten Steinheim's in der naturwissenschaftlichen Region, die ihn zu ihren feinsten Beobachtern zählte, war der Druck eines von ihm in der zoologischen Sektion des naturhistorischen Vereins in Hamburg am 9. Mürz 1842 gehaltenen Vortrages „über den Instinkt der Thiere" (Hamburg, bei Perthes und Besser): bekanntlich eine oer bedeutungsvollsten, schwierigsten Fragen, welche sich auf dem Grenzgebiete der Naturforschung und Philosophie den denkenden Köpfen aufdringen und nach den bisherigen wichtigen Vorn: beiten zur mehr und mehr annähernden Lösung einen Mann erfordern, der auf beiden Gebieten bewandert, sich der Schwierigkeit der Aufgabe vollkommen bewußt ist. Wir nehmen «an, daß Steinheim ein solcher Mann war, obwohl uns die betreffende Schrift nicht zu Gesicht gekommen. Späterhin scheint der hochbegabte Mann sich dem Felde, auf dem er sowohl als ausübender Arzt wie als Schriftsteller sich Anerkennung errungen, mehr und mehr abgewandt und in die sittlich-religiösen Aufgaben der Menschheit mit nächsten! Bezug auf ihre staatliche Organisation sich vertieft zu haben. Räumen wir willig ein, daß es keinen würdigere» Abschluß für ein zwischen anstrengender Berufsarbeit und freien Denkoperatrvnen getheiltes Leben geben kann, als die hingebende Beschäftigung mit den höchsten Lebensmaximcn, von denen das Wohl und Wehe der Menschen aller Glaubensbekenntnisse mehr oder minder abhängt, räumen wir solchem Entschluß, solcher unwiderstehlichen Neigung eines Mannes wie Steinheim, die gebührende Ehre ein. Er verzichtete auf seine eindringliche ärztli-ie Thätigkeit hierorts, um ganz sich selbst und der Propaganda seiner, auf obige hphs Ziele Hingerichteten Ideen zu leben. Erleichtert wurde ihm dieser Vorsatz durch Glücksumftände und Familienverhältniffe. Die ersteren erlaubten ihm, seine Existenz nicht in dem ärztlichen Geschäftsbetriebe zu suchen, die letzteren gewährten ihm, zur Genugthuung, keinen Erben zu. besitzen in seiner (ihn überlebenden) Gattin ein Doppelwesen seines Jchs, das nicht nur sein Schatten, sondern gemeinschaftliche Sonne und Seele seines häuslichen Glückes war, so daß er in dieser Hinsicht den glücklichsten Sterblichen beizuzählen war. Das Resultat seiner Forschungen war, daß er erkannte, daß die hebräische Religion einzig und allein die Quelle unmittelbarer göttlicher Offenbarung ist. Nur vom MosaismuS erwartete er in dieser seinem letzten, meist im Auslände, großenteils in Italien zugebrachten Lebensperiode dir religiöse Wiedergeburt der. sittlich verderbten Wett. Im Jahre 184S erschien von ihm in diHenr Sinne: „Die Politik nach dem Begriffs der Offen-

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