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Der Israelit · 1866-05-30 · Heft 22 (30.5.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 22 (30.5.1866)
Date
1866-05-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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»Aber," erwiederte der Alte, »ich habe Dir schon dreimal gesagt, Da hast, nur zu «ähl«r, daß sS Dir Mt gehe- «nd ich verlange gar keine« Lahn von Dir." — Att der Taglöhuer sah, daß der Alte eL ernst meinte, sprach er: „So gib mir Zeit, daß ich «ich zuvor mit meiner Frau berathe; morgen werde ich Dir eine bestimmte Antwort geben." — ,,ES sei so," sagte der Alte, „ich will Dir warten bis morgen." — Als der Taglöhner nach Hause kam, theilte er seiner Frau, die ein sehr frommes und verständiges Weib war, die Sache mit und frug sie um ihre Meinung. Da sagte die Frau: „Das Nahe ist bester als das Ferne. — Ich denke, Du wählst jetzt die sieben guten Jahre." — „Aber," sagte der Mann, „ich meine doch, wir sollten sie für das Mer aufsparen, wo wir nicht mehr arbeiten und schaffen können." — „Folge meinem Rathe," versetzte die Frau, „und wähle jetzt das Gute und verschiebe es nicht. Gott hat es Dir zugeschickt, nimm eS dankbar und mit Vertrauen an. Es wird auch für Dein Mer es zu fügen wissen, daß Du keinen Mangel hast." — Der Man» beschloß, seiner Frau zu folgen, und als den anderen Tag der Greis wieder zu ihm aufs Feld kam und ihn um seinen Entschluß fragte, antwortete er: „Bester das Nahe, als das Ferne!" — „So laß Deine Arbeit," sagte der Alte, „und geh nach Haus; bis Du nach Hause kommst, hat Dich Gott mit großem Reichthum gesegnet." Sogleich ging der Taglöhner vom Felde nach Haus, indem er auf dem Wege sich selbst Vorwürfe machte und zu sich sagte: „Ich verloste da meine Arbeit und gehe so geradezu nach Hause! Wer gibt mir die Versicherung, daß der Alte die Wahrheit gesprochen?" — Als er aber seinem Hause sich näherte, kam ihm seine Frau schon freudig entgegen und sagte: „Komm und sieh, was unser guter Gott uns bescheert Hat!" — Die Kinder hatten kurz vorher im Hofe iu dem dort aufgeschichteten Dünger gespielt und aufgewühlt und von ungefähr einen Beutel mit Gold gefunden und denselben der Mutter gebracht. — Der Mann ward freudig bewegt, als erden großen Reichthum sah und pries Gott für die große Gnade, die er ihnen erwiesen. Das fromme und verständige Weib aber sagte: „Gott hat uns einen Reichthum gegeben, daß wir sieben Jahre freudig und sorglos davon leben können. So laß uns denn das Geld als ein nur auf sieben Jahre anvertrautes Gut betrachten und es wohl verwalten, vielleicht finden wir dann Gnade vor dem Herrn, der es uns anvertraut, daß er uns abermals Vertrauen schenkt. — Vor Allem sollen die Atmen und Nothleidendm unsere» Reichthum mit uuS genießen; wir wisse» ja, wie dem Bedrängten zn Muthe ist, wissen, daß der liebe Gott dsßhalb gute Menschen arm sein läßt, damit die Reichen Gelegenheit haben, ihren Reichthum wohl auzuwenden und Gutes zu thun." — Anstatt mm, wie vielleicht Andere gethan hätten, die sieben Jahrs leichtsinnig in Lust nwd Vergnügungen zu verbringen, fing sich der Mann «in Geschäft an und führte ein thätiges, fleißiges Leben, und was er unternahm, glückte ihm, so daß fein Reichthum sich täglich vermehrte. Die Frau aber verwendete den Verdienst des Mannes nicht nur auf ei» bequemes und behagliches Leben, sondern auch zu wohltätigen Zwecken aller Art, und kein Armer, kein Bedrängter verließ ihr Haus ohne Trost und Unterstützung. Zugleich hatte sie ihren jüngsten Sohn beauftragt, täglich mit Sorgfalt und Genauigkeit jede Ausgabe aufzuschreiben, sowohl die, welche für die Familie selbst, als die, welche für wohlthätige Zwecke gemacht wurden. An demselben Tage, an welchem die sieben Jahre zu Ende gingen, erschien in der Frühe der Alte dem Manne wieder und sprach: „Mein Freund! die Zeit ist gekommen, daß Dir wieder genommen werde, was Dir auf sieben Jahre gegeben worden ist." — Da sprach der Mann: „Ich habe das Geld nur mit der Zustimmung meiner Frau angenommen, und so will ich es auch nur mit ihrer Zustimmung zurückgeben." — Er ging zu seiner Frau und sagte: „Liebe Frau! Der Alte ist wieder da, um das Geld, das er uns vor sieben Jahren bescheert hat, zurückzufordern. Habe ich Dir nicht im Voraus gesagt, wir würden bester thun, uns die guten Jahre auf unser Alter aufzuheben. Was sollen wir nun anfangen? Die Leute halten uns für reich, und ich, ich bin nicht mehr so kräftig und nicht mehr so gewöhnt an schwere Arbeit, als vor sieben Jahren." — „Sei ruhig," antwortete das fromme und verständige Weib, „und thne, was ich Dir sage." Sie holte das Buch herbei, worin ihr jüngster Sohn alle Ausgaben bisher täglich ausgeschrieben, und sagte zu ihrem Manne: „Nimm dieses Buch und gehe hin und zeige es dem Alten und sprich: „Sieh in diesem Buche nach, wie wir bis jetzt das uns von Gott anvertraute Gut verwaltet haben. Wenn Du Leute finden kannst, die bester mit demselben umzugehen wissen, so nimm es uns und gib es ihnen. Betrachte aber auch die Summen, die wir in den sieben Jahren den Armen gegeben haben, und bedenke die Worte der Schrift: „„Wer gegen den Armen barmherzig ist, der leihet Gott. Er wird die Wohlthat ihm vergelten."" — Der Mann that, wie seine Frau ihm gerathen. —. Da lächelte der Alte und sprach freundlich: „Du wirst auf die Worte Deines frommen Weibes Antwort erhalten." — Und noch in derselben Nacht er-

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