Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1866)
- Date
- 1866-05-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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336 Dies war eine allgemeine Meinung und eine boshafte in Men'kaH olischen Ländern verbreitete Lehre, die ihren Ursprung in Italien, Spanien und Portugal hatte, vor der Verbannung der Juden aus diesen Königreichen; und welche noch von manchen Menschen aus der Klasse des Pöbels für wahr auSgegeben wird. Dies war die Anklage, die man mit hinterlistiger Grausamkeit gegen sie vorbrachte, und die auch mittelst der Erpressung der Kirche und ihren Oberaussehcrn zu großem Portheil gereichte; aber der letzte König von Polen hat mit seinen Ministern rw't einem bidschwur bei dem Heiligthum des Thrones, jene Anklagen für falsch erklärt, und seinen Willen dahin ausgesprochen, daß alle solche und ähnliche Anklagen verworfen und die Urheber bestraft werden sollten, und in allen polnischen Ländern wurde allgemeine Freiheit und Duldung bewilligt. In Bezug auf Civilifation und Verhalten der Juden in Polen ist zu bemerken, daß sie sich hauptsächlich durch ibre Kleidung auszerchnen, und durch den Fleiß, den sie auf die hebräisch-theologischen Studien verwenden, als auf das Studium des Talmud, der Ritual- und Rechtsgesetze; sie sind auch Leute von Scharfsinn, haben viele Neigung zu philosophischen und wissenschaftlichen Studien, obgleich das Land für solche erhabene Kenntnisse noch nicht den gehörigen Grad der Bildung hat; sie liefern geschickte Aerzte, Wundärzte, Rhetoriker u. s. w. Was ihre häuslichen Beschäftigungen betrifft, so treiben die Reichen einen ausgebreiteten Groß- und Kleinhandel; manche haben Bräuereien und Brennereien von allen Arten; manche sind Zöllner und Gastwirthe; die ärmere Klaffe treibt alle Arten mechanischer Gewerbe, vom Hufschmied bis zum Juwelier, kurz sie zeigen sich in allen ihren Beschäftigungen thätig, sind züchtig, bescheiden und mäßig in ihrem häuslichen Leben, pünktlich in Religionssachen, gesellig, gastfreundlich und artig, besonders gegen Fremde jedes Glaubens. m. Katharina II. und die Juden von Polen. Als im Jahre 1775 die erste Theilung Polens .stattfand, kam ein großer "Theil dieses Landes unter russische Herrschaft, unter das Scepter der mächtigen und weisen Kaiserin Katharina II. Dieses neuerbeutete Gebiet (welches mein Vaterland ist) wurde in zwei Departements getheilt, uämlichlpolotzk und Mehl lösch. Die langst ansässigen Juden in diesen zwei. Departements wurden nach der ^BevölkerrmgÄiste der Regierung auf 40,000 steuerpflichtige Familien berechnet, außer der Geistlichkeit und den armen Familien, welche von Steuern befreit sind. Nachdem die Besitzergreifung stattgefunden chatte, wurde den Unterthanen jedes IGlaubenSbeksnntniffes eine allgemeine und gleichmäßige Freiheit bewilligt. Aber im Jahre 1786 wurden in diesem Land?, Minen gelegt unter das Haus Jakob's; die alte Feindseligkeit der Katholiken gegen die Juden war noch -nicht vergessen; Verschwörungen wurden angespounen zwischen den polnischen Adeligen und Vornehmen, dem ruffischen General, den Gouverneuren und Oberintendanten, um die Juden ihrer Freiheiten zu berauben, unter dem Vorwände der großen Vortheile, welche dadurch dem Adel, den Vornehmen und sogar der Krone selbst,Zuwachsen würden. Bei dem ersten Angriff, wurden sie ihrer Bräuereien, Brennereien, Zoll- und Gasthäuser u. s. w. beraubt, was einen großen Theil ihrer Geschäfte nusmachte; (ich selbst war unter Jenen, welche durch diese Neuerungen litten.) Tausende von Familien wurden in Armuth gestürzt, weil man ihn n ihr gewöhnliches Geschäft genommen hatte; außerdem fanden noch andere Neuerungen statt, in Bezug auf Handel, Handwerke, u. s. w. Aber der Sturm, den man auf ihre Religion, ihre Sitten und ihr gutes Gewissen unternahm, war ihnen schrecklicher als der frühere Angriff; es wurde beschlossen, fortan weder Zeugniß eines Juden anzunehmen, noch einen solchen zum Eibe hei irgend einem Gerichtshöfe znzulaffen. Was war da noch zu erwarten, als eine allgemeine Vernichtung? Die Folge war, daß eine Provinzialversammlung der Juden beider Departements gehalten, eine Subskription eröffnet und eine verhältnismäßige Beisteuer, zur Unterstützung des Planes auferlegt wurde; vier Deputirte und zwei Sekretäre erwählten sie aus ihrer Mitte, um sie zur Verfechtung ihrer Säche an den Obergerichtsbof und das Kabinet zu Petersburg zu senden. Die Deputaten machten dem Hofe Vorstellungen und bewiesen, daß der größte Theil der Steuern, die Einkünfte von den Zollhäusern beider Departements hauptsächlich von dem auSgebreiteten Handel der Juden im In- und Auslande herrührten, daß das Einkommen der Städte auch von den Bräuereien u. s. w. käme, die in den Händen der Bürger, und zwar größtentheils der Juden sich befanden; dies würde aber durch die Neuerung "vernichtet und somit der öffentliche Schatz verringert werden. '.Kurz die Gewandtheit der.Deputirten, wußte die geneigte Aufmerksamkeit der 'Minister dieses Hdfes zu-gervinULN und die Sache ward In Erwägung gezogen. s,Ur»iyttsslbar darauf erging ein Befehl an den General-Gouverneur (damals Peter Bagdanowitsch Paffikoff) und an mehrere"Dbttintendanten. vor dem