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Der Israelit · 1866-05-09 · Heft 19 (9.5.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 19 (9.5.1866)
Date
1866-05-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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334 noch am Abend desselben Tages vor sich gehen sollen. Bon den beiden Familien ist die eine reformirt, die andere katholisch. — (Bemerkung der Redaction des „Jsr.": Diese von einem protestantischen Missionär erzählte Geschichte beruht sicher nicht auf Wahrheit. Jeder, der mit den religionsgesetzlichen Vorschriften des Judenthums vertraut ist, weiß, daß es uns verboten ist, Bekenner anderer Religionen zur Annahme des Judenthums zu veranlassen, daß es vielmehr streng geboten ist, Proselyten ernstlichst solange und so oft zurückzuweisen, bis man die festeste Ueberzeugung von der Reinheit ihrer Motive erlangt hat. Herr Czelder scheint diese ersonnene Geschichte nur deßhalb in di- Welt zu senden, um die eigene Proselytenmacherei zu beschönigen.) Aus Böhmen. In der Gemeinde Ko letsch (Bez. Schlan) hatten, wie den „Rar. Listy" berichtet wird, mehrere christliche Insassen an ibren Häusern die Aufschrift: „Hier ist den Juden der Eintritt verboten" angebracht und zugleich verabredet, an die Juden weder etwas zu verkaufen, noch von ihnen Maaren abzunehmen. In Folge dessen hat das Bezirksamt dem Gemeindevorsteher von Koletsch aufgetragen, jene Inschriften entfernen zu lassen, und zugleich die Amtshandlung in dieser Angelegenheit eingeleitet. ArrS der NHlr, im April. Mit freudigem Bewußtsein komme ich dem in mein r vorigen Correspondenz gegebenen Versprechen bezüglich des dieser Tage erschienenen „Israelitischen Organs" (3-:raeIita XöLlö»^) von Moritz Kilenyi nach, da ich, wie jed er hierländische einsichtsvolleJude, diePrincipien des Herrn Kilönyi, die ihn bei der Herausgabe seines Blattes leiten, von Anfang bis zu Ende würdige und billige. Es sind dies Grundsätze, die hier, in Ungarn, in der Seele des gebildeten echten Israeliten, von altem Schrot und Korn, seit einem Jahrzehnt walten; und die dem jüdischen (?) Blatte dieses Landes diametral entgegenstehen. Herr K. proklamirt sich nämlich schon im „Leitworte" der ersten Nummer seines „Jsralitischen Organs" als Gegner der Reform auf dem Gebiete der Synagoge. Nachdem Herr K in dem soeben genannten Einleitungsartikel das unumgängliche Bedürfniß eines von gesinnungstüchtiger Tendenz geleiteten jüdischen Organes in Ungarn geschickt und gerecht interpretirt und die in dem ungarisch-jüdischen Gemeinoe- und Synagogenleben divergirenden Spaltungen und Reibungen ohne Umschweife den Helden der Neologie mit Recht zuschreibt, — sagt er: „auch er sei schon längst überzeugt, daß man mit den orthodoxen Principien ein ebenso eifriger Patriot sein kann, wie mit denen der Reform; und hinsichtlich der Nationalität gewinnen wir nichts und wieder nichts, wenn in unserem Gotteshause einige „Gesänge" in magyarischer Sprache verklingen! Herr K. meint es aufrichtig und sein Vorschlag ist zweckmäßig, wenn er wünscht, daß die Reform lieber in unsere an so vielen Gebrechen kränkelnden Volksschulen hinübergeleitet werde. Auf die letzteren gedenkt Herr K. sein Hauptaugenmerk zu richten. Wenn ich nun noch erwähne, daß unserer. Lvr-lön^" schon bei seinem ersten Erscheinen auch gegen eine, von „Ben Chananja" noch vor wenigen Jahren in günstige Aussicht gestellte Gründung eines ungarischen jüdischen Rabbiner-Seminars auf das (im B. Ch.'schen Sinne) Bestimmteste agitirt — da er die Subvention unseres Schulfondes lediglich für unsere Schulfrage in Anspruch nehmen möchte — so sind wir gewiß zu der Annahme berechtigt, daß der Lösl." die Grundsätze der echtrellgiösen Israeliten dieses Landes sich zum Leitsterne wählte. Ueber die übrigen recht interessanten Details der ersten Nummer des „Israel Org." (wie: „Der Begriff und Beruf des Judenthums;" „Das Mittel der Ungarnisirung;" „Schulfond und Seminar" u. a.) die noch in Fortsetzungen erscheinen werden, werde ich in diesem geschätzten Blatte ein anderes Mal sprechen. Alexy Knopfler. I t al i e n. Rom. Ein Professor an einem der Berliner Gymnasien hat um einen Urlaub von drei Jahren nachgesucht und diesen auch nebst der Auszahlung seines vollständigen Gehaltes erlangt. Derselbe beabsichtigt, sich nach Nom zu begeben, um über die Pentateuchübersetzung der Septuag nta Nachforschungen zu veranstalten. Auch Professor Tischendorf aus Leipzig hat sich nach Rom begeben u..d vom Papste die Ermächtigung erlangt, die Bücherschätze des Vatikans, unter denen sich diese Ueberietzung befindet, zu benutzen. (Hamagid.) Holland. Amsterdam. Bei der Blumen-Ausstellung in dem Palaste der National - Industrie ist einer unserer Religionsgenossen, Herr vr. Sarphati, Präsident. Sonntag den 15. April besuchte I. Maj. der König, die Königin und der Prinzregent (?) diese Ausstellung. Herr vr. Sarphati hatte die Ehre, die königl. Familie zu empfangen und sie durch den ganzen Palast zu führen. Die Königin besuchte die Ausstellung noch 2 Mal und wurde dabei stets von vr. Sarphati begleitet, mit dem sie sich in der freundlichsten Weise unterhielt. Auch beehrte die Regentin das jüdische Waisenhaus mit einem Besuche. Als sie diese Anstalt verließ, drückte sie dem Director des Hauses, Herrn B. I. Ries, ihre Zufriedenheit mit allem Dem, was sie gesehen hatte, in den huldvollsten Ausdrücken aus. (I. Chr.)

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