Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1866)
- Date
- 1866-05-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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324 Villa Touro, die in de» Weinbergen außerhalb der Ringmauern liegt. Schon Donnerstag den 13. Nissan ließ er 600 fl. an die Armen vertheilen, damit diese sich dafür Fleisch und Wein auf Peßach kaufen könnten. Auch beauftragte er die Vorsteher der verschiedenen jüdischen Gemeinde», sin Verzetchniß der jüdischen Anwohner Jerusalems zu machen und zwar diejenigen, die das dreizehnte Lebensjahr bereits überschritten haben, besonders auszuzählen und zugleich zu bemerken, welches Geschäft dieselben betreiben. Weil Montefiore noch sehr ermüdet von den Anstrengungen der Reise war, ließen die Soldaten und Bedienten des Paschas, die derselbe zur Bedienung des hohen Reisenden geschickt hatte, Niemanden eintreten. Or. Löwe jedoch ging in die Stadt und besuchte die verschiedenen Lehrhäuser und Synagogen und vertheilte viel Geld an die Armen der Aschkenasim. Am Rüsttage zum Peßachfeste ließ Sir Moses alle Familienväter von den Sephardim zu sich kommen und gab Jedem von ihnen eigenhändig für jedes Familienmitglied ungefähr 4 fl. Am zweiten der Halbfeiertage des Peßachfeftes kamen auf Einladung des hohen Reisenden alle Rabbinen und Vorsteher der verschiedenen Gemeinden in das Haus des großen Philanthropen, wo alle Eingeladenen freundlich empfangen wurden. Herr Selb ag, ein Verwandter Montefiore's, stand ihm zur Seite, und der berühmte Orientalist vr. Löwe diente als Dolmetscher. In hebräischer Sprache redete sie derselbe an: „Meine Herren, Sie nussen, daß Sie hier eingeladen worden sind, um Ihre Meinung darüber abzugeben, was wohl am Zweckmäßigsten zur Beförderung des Wohlergehens der jüdischen Bevölkerung der heiligen Stadt diene. Sprechen sie daher unumwunden." Hierauf ergriffen die Eingeladenen nach einander das Wort. DerOber-Rabbiner der Sephardim wünschte, daß Felder angekauft werden sollten und den Armen dort Häuser gebaut werden möchten, damit sie selbst den Boden cultiviren könnten. Die Rabbinen der Aschkenasim wollten es dem Gutdünken M/s anheimstellen, was das Beste sei, da sie sich nicht für competent hielten, diese Fragen zu beantworten. Die Vorsteher der sephardischen Gemeinden wünschten, daß Sir Moses Häuser kaufen möge, damit man den in ihren Forderungen stets anmaßender werdenden ismaelitischen Hausbesitzern nicht so hohen Miethzins zu zahlen brauche. Einige aschkenasische Vorsteher waren derselben Ansicht, fügten aber noch hinzu, man solle den durch die Cholera verwittweten oder verwaisten Armen Reisegeld geben, damit sie zu ihren Verwandten ins Ausland gehm könnten. Auch äußerten sie dm Wunsch, Sir MoseS möge der Regierung die Versicherung geben, daß die rüchkstphardischen (deutschen, Holländischen, ungarischen und russischen) Bekenner der Religion JsraelH eherffalls Juden seien. Ueber diesen Punkt sind wir unseren Lesern einige Aufklärungen schuldig, ehe wir weiter gehen. — Vor ungefähr 60 Jahren befanden sich in Jerusalem weder Aschkenasim noch Polen, sondern nur Sephardim. Als später einzelne Aschkenasim hinzogen, usurpirten die Sephardim die Vormundschaft über dieselben. Bis noch vor dreißig Jahren verfiel alles Vermögen eines Aschkenast, der keine Erben hatte, dem sephardischen Fiskus. Auch wurden die Begräbnißkosten von den Gemeindebeamten nicht immer billig veranschlagt. Bor ungefähr zehn Jahren kaufte 21.-, 'P8-N2 'V.-I1Q auf Rechnung der edlen Frau Deborah Pollack zu Königsberg i"'.i auf dem Oelbergs ein Stück Land, das seither den Aschkenasim zum Begräbnißplatz dient. Seitdem wird alles Vermögen eines Verstorbenen, der in b"li Verwandte hat, an dieselben geschickt und wird selbst für den Reichsten höchstens 14 fl. an Vegräbnißkosten gerechnet, während für Arme gar nichts bezahlt wird. In einer Beziehung jedoch, nämlich in Hinsicht auf die Schechitah, sind die Aschkenasim den Sephardim noch immer unterworfen. Es dürfen nur Sephardim religionsgesetzmäßiges Fleisch verkaufen, und die Steuer kommt auch nur den sephardischen Gemeinden zu Gute. Der erwähnte Rabbi hat sich keine Mühe verdrießen lasten, diesem Uebelstande abzuhelfen, da dieser Umstand noch das Unangenehme mit sich bringt, daß der vliin selbst ein Sephardi ist, und viele Aschkenasim höchst ungern von den Sephardim Fleisch kaufen, weil diese verschiedene riO'ivI mivin der Aschkenasim nicht beachten. Dem unermüdlichen Streben dieses Mannes gelang es endlich, die Erlaubniß zu erlangen, daß auch die Aschkenasim für sich schlachten dürfen. Doch als dieses wirklich geschah, weigerten sich die Moslemim, das Fleisch zu genießen, das für die Israeliten .1212 war. Ein Mufti warnte sogar seine Glaubensgenoffen vor dem Genüsse dieses Fleisches, da es nicht gewiß sei, daß die Aschkenasim Israeliten seien. — Die Anhänger MuhamedS dürfen nämlich nur solches Fleisch genießen, das von einem Anhänger derjenigen Religionen geschlachtet ist, die dm einzigen Gott anerkennen. Unsere Leser werden nun begreifen, daß auch diese Frage von großer Wichtigkeit ist. Wohl dürste es genügen, wenn man die Rabbiner der Sephardim veranlassen würde, öffentlich zu erklären, daß auch die Aschkenasim Juden seien, worauf auch durch die Geldsendungen der Aschkenasim aus Europa, das auch vielfach den Sephardim zu Gute kömmt, hingewirkt werden könnte.