Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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LOS Aber da ward ihnen zur Antwort: „Wohl geziemt es sich, daß die Lade dieses Tobten der Lade des göttliche« Bottes zdr^Seitze gehe; denn jener hielt, was in diesem geschrieben steht. Hier steht geschrieben: „„Ich bin der Herr, dein Gott!"" und jener hat gesprochen:*) „„Bin ich denn an Gottes Stelle?"" — Hier heißt es: „„Du sollst keine anderen Götter haben!"" und jener sagte: 5) „„Ich fürchte Gott!"" — Hier steht: „„Du sollst den Namen Deines Gottes nicht vergeblich aussprechen!"" und jener schwur nur bei dem Leben Pharao's, — und so hat er in Allem zu halten gesucht, was hier geschrieben steht: darum geziemt es sich wohl, daß seine Lade neben der Lade Gottes einhergehe, bis sie im Geleite derselben in's gelobte Land gekommen." — Lern und Schale. Eine Sage aus dem XII. Jahrhundert. Mitgetheilt von k. Vsrwvl^. (Fortsetzung.) IV. Der Stuhl Salomo's. Die Stadt Bordeaux, ein Gegenstand der Neugier und der Bewunderung für Einheimische und Fremde — rechtfertigt sie wohl das Interesse, das man für sie hegt, durch eine merkwürdige Größe, oder durch eine außerordentliche Pracht? Obadja reiste heiter, voll Hoffnung von Villejuif ab, und träumte von einer herrlichen Zukunft. Zn Bordeaux angelangt, suchte er sogleich nach einem Gegenstände, den er als nützliches Geschenk mitbringen und Sir Bongodas de Lunel darbieten könne. Allein er hatte eben so viele Schwierigkeiten in Bordeaux, den Zweck seiner Reise zu erreichen, wie sein Mitschüler Hillel in Metz. Der junge Gottesgelehrte wohnte in einem der belebtesten Quartiere der Stadt bei einem alten Arzte. Eines Abends, als er allein in einem Zimmer des Erdgeschosses saß, und den Doctor erwartete, da ereignete sich Etwas, was vielleicht hie und da Unglauben erregen dürfte. Die Ermüdung vom Herumstreichen während des Tages, so wie die Langeweile, die er hatte, versenkten ihn in eine lethargische Erschöpfung. Plötzlich vernahm er harmonische Töne, welche nicht der Erde anzugehören schienen. Er hörte halb schlafend zu und glaubte zu träumen. Endlich erhob er sich, um sich zu ermuntern, und vernahm nun deutlicher jene Töne aus seiner Wohnung kommen, die über dem Zimmer lag, in dem er sich befand. Es wurde Nacht. Die Musik, nach und nach 4) I. B. M. 50.!?. — 5) 1. B. M. 42, 18. — 6) 1. B. M. 42, 15. — schwächer, hörte gänzlich auf. Jetzt war Obadja vollkommen zu sich gekommen und begriff, daß hier etwas Uebernatürliches im Spiel sei; ein leichter Schauer durchrieselte ihn, der jedoch zum Entsetzen ward, als er Tritte auf der Treppe vernahm, die sich ihm näherten, und ein leises Geräusch an der Thür ihm zu erkennen gab, daß etwas im Begriff stehe, in das Zimmer zu treten. Ganz außer sich, lies er an's Fenster, allein die Thüre öffnete sich, und Obadja stürzte ohnmächtig, einen durchdringenden Schrei ausstoßend, zu Boden. Der Arzt, der etwas später nach Hause kam, fand ihn noch besinnungslos und mit kaltem Schweiß, bedeckt; es dauerte länger als eine Viertel Stunde ehe er seiner Sinne wieder mächtig wurde. Anfänglich wollte er die Ursache seines Schreckens nicht sagen: endlich aber, durch die Bitten des Doctors bestürmt, schilderte er ihm das Vergnügen, welches er empfunden hätte, als er die himmliche Musik vernommen, und das Entsetzen, das ihn ergriffen, als durch die geöffnete Thüre ein Geist im Zimmer erschien, dessen Ansehen ehrwürdig aber doch befremdend war. Dieser Geist streckte seine Hand aus und gab ihm ein Zeichen, ihm zu folgen. Der alte Arzt konnte seinen Spott nicht unterdrücken und schrieb das Ganze einer aufgeregten Phantasie zu. Um jedoch den jungen Mann zu beruhigen, versprach er ihm, den nächsten Abend mit ihm die Sache zu untersuchen. Der nächste Abend sah die zwei Männer in dem Zimmer des Erdgeschosses bei einer Flasche Wein sitzen. Der Alte, den einige Gläser Rebensaft in die rechte Stimmung versetzte, erließ eine spöttische Einladung an den ehrwürdigen Geist. Aber Plötzlich ließ sich die Melodie vernehmen und verscheuchte Spott und Lächeln von den Lippen unseres Doetors; die Töne verhallten und einige Minuten darauf erschien der Geist und gab das Zeichen, daß man ihm folgen solle. Der alte und der junge Mann gehorchten auf der Stelle; sie ergriffen jeder einen Leuchter und folgten dem Geiste. Kaum aber waren sie in die Wohnung Obadjas gelangt, so erlosch das Licht, und als sie es wieder anzündeten, war der Geist verschwunden. Nun stellten sie die sorgfältigste Nachforschung in der Wohnung an, ohne etwas zu finden. Erft als sich der Arzt zurückgezogen und Obadja sich zu Bette begeben hatte, da ertönte von Neuem die liebliche Musik aus einem Schrank, der gegenüber seinem Bette stand. Bald darauf erschien auch der Geist. Diesmal war er noch ehrwürdiger und hatte gar nichts Befremdendes mehr. Er überreichte dem jungen Gottesgelehrten eine Pergamentrolle und verschwand. Jetzt begannen abermals die harmonischen Töne, welche unfern Obadia sanft einschlafen ließen. Am anderen Morgen fand er die Pergamentrolle auf seinem Bette. Er entfaltete sie und las mit steigendem Interesse Folgendes: