Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1866)
- Date
- 1866-04-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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254 Am 21. Mürz d. I. fand die erste Versammlung statt; ihr präsidirte Herr Amödäe Thierry, Senator und Mitglied des JnMuts (der ersten wissenschaftlichen Behörde her Welt, deren Mitglieder die 42 Unsterblichen heißest). Unter den Gründern des Vereins bemerkte man sieben Israeliten, 15 katholische und 6 protestantische Geistliche, mehrere Mitglieder der ^.oaätziuitz trantzais« mst» des Instituts , rnehrere nusgezeichnete Gelehrte, mehrere Professoren des OoIlsKtz äo k'ranos und der ^aoults ätz I6ttrs8, mehrere hohe Staatsbeamte und Seine Hoheit, den Prinzen Hui8-I<ou6!6Q Bonapatts. Der Einladungsbrief zu dieser Versammlung lautete wie folgt: „Zweck des Vereins. Ein Mitglied des Instituts und Professor am Otters äs Graues machte unlängst folgende Bemerkung : „„Die französische Literatur hat eine bedeutende Lücke; man sucht vergebens eme befriedigende französische Uebersetzung der Bibel."" „Die im Gebrauch sich befindenden Übersetzungen sind ungenau, incorrect und ihr Styl ist ordinär. „Die Ehre Frankreichs und seiner Sprache, deren Aufgabe eine die Welt durchdringende ist, erfordert, daß die Gleichgiltigkeit in Bezug auf diese Lücke nicht länger währe. „Bon welchem Gesichtspunkt man auch ausgehe, so muß man anerkennen, daß der biblische Text das Recht auf eine neue Uebersetzung habe, zumal in unserer Zeit, da die sittlichen und religiösen Fragen alle Geister beschäftigen. „Es ist wahr, seit einigen Jahren hat man sich vom verschiedenen Seiten an dieses Werk gemacht; allein, müssen wir nicht, ohne die achtungswerthen, zu Lage getretenen Versuche verkleinern zu wollen, bedauern, daß so viele Anstrengungen, deren Vereinigung den Erfolg sichern würde, in ihrer Vereinzelung nur Ungenügendes leisten können? „Wir verlangen ein Zusammengehen aller wohlwollenden Männer, die sich auf dem gemeinsamen Boden der philologischen und literarischen Studien zusammenfinden mögen. „Mögen die gelehrten Hebräer und Hellenisten von Institut ätz Graues, von der Htzrbouutz, von der astatischen Gesellschaft sich zur Bildung eines neuen Vereines oder einer neuen Akademie vsreingen; mögen sich die gelchrtGen und kompetentesten Literaten mit ihnen verbinden. „Unter dem Schutze einer den wissenschaftlichen Forschungen günstigen Regierung werden sie gemeinsam em nationaler Denkmal aufrichten, das da würdig ist der schönen Sprache, die wir sprechen, würdig der philologischen Wissenschaft,"der wir so wichtige Fortschritte verdanken, würdig vor Allem der unsterblichen Wahrheiten, deren unerschöpflicher Schatz die heilige Schrift ist." — Zu den Gründern dieses hochwichtigen Vereins gehört auch unser durch seine edle Begeisterung für Juden und Judenthum ausgezeichneter Glaubensgenosse, der Banqrüer, Herr Le vy-Bing zu Paris; derselbe hielt eme begeisterte, mit großem Beifalle aufgenommene Ansprache. Er selbst, sagte er, sei noch jung; aber als Jude repräsentire er ein Alter von 4000 Jahren, und die Bedeutung und die Größe des Judenchums bestehe in jenem Buche der Bücher, dessen genaue und echt-fränzösische Übertragung den Zweck des Vereins bilde. Herr Levy-Bing sieht in der Gründung des Vereins ein Pfand der Eintracht und des Friedens der Religionen, die auf der Bibel fußen und aus ihr hervorgegangen sind Auch Herr Rabbiner Aron Astruc hielt eine mit Beifall ausgenommene Rede, die uns jedoch nicht vorliegt. Wird der Verein zum Ziele führen? Werden sich Rabbinen, katholische und protestantische Geistliche m Bezug auf eine gemeinsame Uebersetzung der Bibel einigen, einigen können? Das Ob und Wie wird die Zukunft lehren; daß der Versuch gemacht wird, daß er in Paris, in dem Mittelpunkte der europäischen Civilisation gemacht wird, daß die Großen der Rationen das competente Urtheil, das maßgebende Wissen der Söhne Israels zu Rathe ziehen — das erscheint uns als ein Anzeichen des Herannahens der mefsianischen Zeit, von der es heißt: „Und es wird sein am selbigen Tage, da wird sein Gott einzig und Sein Name einzig!" — Die Illde» M Mains im Mittelalter- (Fortsetzung.) Nachdem das, was R. Me'i'c für die jüdische Gemeinde in Mainz fürchtete, wirklich 1283 eingetroffen war und vom Kaiser Rudolph nicht nur unbestraft, sondern sogar gebilligt wurde, da ertönte von einer Stadt zur anderen Ermordungs- und Ausrottungsgeschrei. Die Inden iu der Rheingegend und der Wettermr zitterten für ihr Leben und wandten sich an R. Meir, welcher wie ein Heiliger von ihnen verehrt wurde. R. Meir rieth ihnen «ach dem Orient auszuwandern, und stellte sich an ihre Spitze. Ec war bereits mit seiner Familie in Italien augelangt und erwartete in einer Stadt der Lombardei nnr noch andere Ausgewanderte, um sich mit ihnen m einem -italienischen Hafen einzuschiffen. Unglücklicherweise aber wurde R. Meir von einem getauften Ja-