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Der Israelit · 1866-03-28 · Heft 13-14 (28.3.1866) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 13-14 (28.3.1866)
Date
1866-03-28
Page
– (sequence 28)
Language
German
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252 brannten Argumenten eines Rabbmen («it venia verbo) Herzfkld^), immer und allüberall sind diese Geisteeprodukte Kinder der Zeit, Spiegel d.s Jahrhunderts und historische Monumente des rel. Wollens und — NichtrvoÜens ^). Wir können diesem sehr interessanten, sich auf jedem Schritte der jüdischen Culturgeichichte bestätigenden Erfahrungssotze hier nicht die volle Aufmerksamkeit schenken; zu fesselnder Natur, würde er uns so bald nicht aus seinen Banden lasten; wir reißen uns daher von ihm los und constatiren nur, daß der Omnipotcnz solcher „Freisinnigkeit" von einem Werke ein Ende gesetzt wurde, welches nicht nur seinem Verfasser, sondern auch der Zeit, in der es erschien, ein Denkmal gefetzt hat. Ich meine das Werk '22 ->i"7v2 p'i27n ^.12-17,2 7i^2p7ii UM >21 )-!i2^pp2. Die moralische Pression, welche seit einem halben Jahrhundert von der Eichhorn-Michaelisschen Schule und den Pr ogrl stiften derselben geübt wurde, die Nonchalance bei Beurtheilung der heiligen Schrift, wie sie seit 5 Dezennien und darüber zum guten Tone gehörte, hatte nachgerade ihre Zugkraft verloren. Das Secirmester auf der Klinik der christlich-theologischen Schuh und Roccatanzky fing schon an stumpf zu werden; wohl schwärmten und schwärmen noch jetzt die jungen jüdischen Theologen (?), um doch ihre Collegienhefte einigermaßen verwerthen zu können, vom Pseudo-Jesajas, Pseudo-David, Pfeudo-Salomon, ja bekanntlich auch von einem Pseudo-Moses, und wie die Pseudos noch alle heißen. Allein die Hauptsache fehlte — der Reiz der Neuheit und der Nimbus der Hoch- 4) Geschichte des Volkes Jisrael: „Freilich muß auch der Pentateuch nicht stark darauf gerechnet haben, daß sein Verbot 2. B. M. 22, 3, zerrissenes Vieh zu genießen, werde befolgt werden (hat wohl jemals Jemand so wegwerfend von 7IVNP71 geschrieben?), denn 3. B. M. 11, 40 und 17, 15 ertheilt er fernere Vorschriften für die, welche solches oder gefallenes Vreh genießen rc. Ganz abgesehen davon, daß hier ein sogenannter Rabbiner (wie aber auch an tausend andern Stellen seines Machwerkes) mit einer cynischen Wegwersung von 7UV-IP7I 1^7,-117, spricht, wie-etwa über einen Roman, und mit einer Nonchalance, wie über einen Zeitungsartikel, abgesehen davon, muß es jeden seiner fünf Sinne Mächtigen auf's Höchste wundern, daß man solche Leute nicht in die bekannten für solche Geistesverfassung bestimmten Häuser bringt. Nach dieser tollhäuslerischen Argumentation würden alle davon zeugen, daß die TN-iTIIX — Doch was sollen wir uns mit solchen Verrücktheiten abgeben! Deß bin ich jedoch sicher, daß unsere Enkel einmal nicht glauben werden, daß solche 2')'2 O'O-ilp'L-ri em Rabbinat haben occupiren dürfen. b) Vergl. auch Abn-Esra, Vorrede zum Pentateuch "?°N7l st21 "271. gelehrtheit, und das ganze Blendwerk zerstob wie die Fata Morgona vor dem klaren, Hellen, lichten Tage. Die Zeit fing an, wieder ernüchtert zu werden; es war schon die Zeit gekommen — nicht etwa einen .-^2P711 22271 zu schreiben, denn das hätten unbeugsame Charaktere wie ^"2l -127,271 pwTi auch iu solchen Zeiten gethan, wo die von 7ip"->2 Exod 17, 4 ausgesprochene Besorgnsß allen Denjenigen galt, welche keine Conjecturalhermeneutik zu üben gesonnen waren, sondern daß das Werk — erscheinen konnte, Sympathien, allgemeine Sympathien fand und — bereits mehrere Auflagen erlebte, das war ein ehrendes Zeugniß für die wieder ernüchterte Zeit. Auch den größten Feinden des von 7,72p7,i 2227, M->'O vertretenen Princips zwang dessen Genialität Achtung und Anerkennung ab. Wie nun erst jauchzen seine Gesinnungsgenossen zu ihm hinauf, und selbst Diejenigen, welche nicht wie des Verfassers wackere Schüler Alles für die Ueb ersetz ung paffend finden, was als Exegese ganz plausibel, vielleicht sogar grandios ist. Diesem großartigen Monumente nun weiß ich, soweit meine Kenntniß des Büchermarktes reicht, nur ein einziges, ebenso epochemachendes, mutatls mutanäis dieselbe Tendenz erstrebendes und seine Aufgabe ebenso genial lösendes Werk an die Seite zu setzen, nämlich die mit vollstem Rechte gleich beim Erscheinen das größte Aufsehen erregende Interpretation des 2^22 2212 vom '"r 2'222 p-u.-i; derselbe eröffnete ebenso wie.-^2p7ii 2712 ->27,27, p-u.-, tausende von neuen grammatischen 2^2 und einfachen, soliden Jnterpretationsweisen unserer Gesetzeslehrer ^"1 6). (Fortsetzung folgt.) 6) Wer sich einen seltenen Genuß bereiten will, der möge die im unübertrefflichen elastischen Hebräisch geschriebene Vorrede dieses Meisters in unserer Sprache lesen, wo der greise und doch so feurige Verfasser uns erzählt, wie der Gedanke, diese linguistische Apologie unserer Weisen zu schreiben, im Jahre 1644 in ihm aufgestiegen, als die Helden der Braunschweiger Rabbinerversammlung die Stirne hatten, zu behaupten, unsere Weisen hätten kein Verständniß der hebr. Grammatik gehabt; da sei das Herz in ihm wach gerufen worden, den Leuten dort zu zeigen, wie elend es mit ihnm und wie grandios es mit unfern Alten hierin stände rc. Dies Alles muß aber im Original gelesen werden. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le R oux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. Gottsle^en in Mainz.

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