Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1866)
- Date
- 1866-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447252--04054-2459488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VII. Jahrgang. « Der Israelit. Ein Central - ^xgan Lur das orthodoxe Jndenthnm 8^7'^ Herausgegeben von Lehmann in Mainz. en 7. Februar 5626 (1866). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 3 Thlr. pr. C. oder fl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Moderne Religionsstifter. — Der Zustand -er Juden in Ungarn während der zweiten Hälfte des Mittelalters. — Noch einmal über die Jeschiba - Angelegenheit. — Zei.ungSnachrichten und Corrrspondevzen: Deutschland: Frankfurt«. M. Offenbach. Wailersbach. Hannover. — Preußen: Berlin. Köln. — Oesterr. Ka iserst.: Prag. Aus Ungarn. — Feuilleton: Dichtungen. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespaudcvzeu: Deutschland. Darmstadt. — Oesterr. Kai ferst.: Wien. Wien. Preßburg. — Italien: Florenz. — England: London. — Dänemark: Kopenhagen. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Der Tanz zum Tode. Leitende Artikel. Moderne NrligisnsMer. Die Zeitungen berichteten unlängst von der beabsichtigten Stiftung einer neuen Religion. Ein gewisser Dr. Eduard Löwenthal zu Berlin (wenn wir nicht irren, ein getaufter Jude) will ein neues Bekenntmß gründen, dessen Anhänger „die Cogitanten" heißen sollen. Herr Dr. Löwenthal hat sich bereits durch viele neue Erfindungen ausgezeichnet, von denen jedoch die Welt leider keine Notiz genommen hat; er hat eine neue Philosophie erfunden, deren einziger Anhänger er selbst geblieben; er hat eine neue Naturwissenschaft erfunden, von der kein vernünftiger Mensch Etwas hat wissen wollen; jetzt versucht er's mit einer neuen Religion, die in sich so widersinnig ist, daß man nur der Curiosität halber darüber berichtet. Das Programm dieser neuen Lehre ist: „Eine wohldisciplinirte Bekenntnißlosigkeit mit einheitlichem Cultus und einheitlicher naturalistischer Grundlage"; d. h. die Cogitanten sollen an Nichts glauben, keinen Gott und keine Religion haben, und dennoch sollen sie einen CultuS und eine „Andachtshalle" und Priester mit langen, schwarzen Camelotröcken und goldgestickten Kragen und blauen, goldgestickten Sammetbaretten besitzen!!! Ueberlassen wir Herrn vr. Löwenthal seinen Phantasien und seinem blauen Sammetbarette mit den zwei Reihen goldener Sterne — viel weniger unschädlich sind andere neue Religionsstifter, die, weil noch nicht getauft, Juden und Judenthum zum Felde ihrer Thätigkeit ausersehen haben. Da ist vor Allen ein gewisser Löw in Szegedin, der sich Oberrabbiner nennen läßt und unlängst sein Bedauern darüber auSsprach, daß eine jüdische Gemeinde nicht ohne Schochet existtren könne, Ehrend ihr ein Reform-Rabbiner (in dem Jargon des BenVhannajah „ein predigender Rabbiner") ein Luxusartikel sei; da lebt in Bonn ein abgedankler Rabbiner, de;; »m Alles in der Welt von sich reden machen will, Ino sollte er auch eine neue Religion machen müssey< in Nr. 3 seiner Zeitschrift ermahnt er die Gemeinden, doch ja die Reformrabbinen „wegen Hintansetzung einer religiösm Satzung" nicht zur Verantwortung zu ziehen; in Nr. 4 der erwähnten Zeitschrift tritt er mit „bescheidenen Vorschlägen" zur völligen Umgestaltung des jüdischen Gottesdienstes auf: alle Gebete, die sich auf den Opferdienst