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Der Israelit · 1866-01-24 · Heft 4 (24.1.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 4 (24.1.1866)
Date
1866-01-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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ihE Etzperi, sie Mnicht Mehr^.: Mftz' srzHltvn-er DhrWen ^da- Mägdlein. tkrifätdefsen war die- ZD des GdtteSdienstSA herangenaht^' Der Bor- < stehlt und die AettWir der Gemeinde kamen, den GsstHeslehrer yon Ehinon zur Synagoge adzuhölen. RMi Jakob und sein Sohn Rabbi Meir, begleiteten ebe«Ms de« frommen Greis nach dem Gatteshause. Nachdem ME das Abendgebet beim Eingangs des Sabbc^- vollendet hatte, bestieg der blinde Greis, den - Vorplstz der heilige« Lade, und begann, mit ergreifender Stimme folgende Verkündigung: „Und ihr werdet umkommen unter den Völkern; und verzehre« wird euch das Land eurer Feinde." So sprach der göttliche Lehrer Mofe, der Israels Schicksal im Herzen trug. Sem prophetisches Auge sah Israels unglückseliges Geschick voraus, das leider in unfern Tagen in Erfüllung zu gehen scheint. Meine verehrten Munde! Ich will keineswegs hier den nur zu berechtigten Ausdruck der Gefühle knndgeben, welche die kommenden, Israel verwüstenden Ereignisse in mir erregen:' Gestattet msv/Mr, die Größe unserer jetzigen Leiden Euch'vorzuführen. An wen könnte ich mich lieber wenden, als an Euch, meine verehrten Freunde, die Ihr mich so liebevoll ausgenommen und mir erlaubtet, meine Sache Euch ungesäumt vorzutragen? Vielleicht möchte auch mein Persönliches Leiden zur Berücksichtigung Meiner Mitteilung beitragen! „Ich, Cresselin von Ehinon, bin der Mann, der daS Elend seines Volkes geschauet unter der schrecklichen Zornes-Geißel. Diese weißen Haare haben nicht die Jahre gebleicht, diese blinden Augen hat nicht das Alter erlöschen lassen, denn ich bin kaum sechsunddreißig Jahre alt. 5080 (1320), da ich als Jüngling von 16Jahren die Hochschule vonGaillac besuchte, ereignete sich sene große Verfolgung der Israeliten, Hirtenverfolgung genannt. Eine ungeheure Anzahl von Hirten, Landleuten, Vagabunden und Straßenräubern traten plötzlich auf> durchzogen in geschlossenen Gliedern Aquitanien u«d nahmen ihren Weg von BourgeS durch dieGaöcogne, das Gebiet von Nlbi, nach Toulouse zu, um vorgeblich sich von da zur See zu begeben, und das gelobte Land zu erobern, aber in der That nur um zu morden und zu rauben. Ueberall wohin sie kamen, fielen sie über die Iuden^her, plünderten und tödteten sie. Hundertuydzehn jüdische Gemeinden wurden aus diese Weise zerstört. „In Verdun an derGaronne flüchteten sich fünfhundert? Personen in einen Thurm, den sie befestigten. Das Hirtenvolk belagerte sie und machte scharfe Angriffe. Die Israeliten verteidigten sich tapfer, warfen Steine und Balken auf die Belagerer und behaupteten best Platz. Als die'Feinde sahen, daß sie bei de« häufiger Angriffen vrefe Menschen verloren, sv zündeten 7^ sie? did Pstrte des ThurmeS" an und legten ei« stärke-': Fnitt' rund,'um, 'denselhttt, däst dre Belagerten keine Möglichkeit mehr sahen, dem Tode zu entgehen. UM dennoch nicht dem Gesindel in die Hände zu fallen^ wählte« sie einen der stärksten Männer aus ihrer- Mitte, der sie nach und nach , alle tödten mußte. Nach dieser schauderhaften That «ahm aber dieser Schlächter Geld und Gut der Verstorbenen und ging ms Lager der Feinde, erzählte, was er gethan als ein Werk des Gerichts an seinen Brüdern und erbat für sich die Taufe und^das Leben. Aber die schwere Last, die er vom geraubten Güte bei sich trug, erregte die Habsucht dieses Gesindels, sie hieben den Bösewicht in Stücke und theilten sich in defft« Beute. „In Gaillac sah ich mit eigenen. UugM meinerr frommen Lehrer und die ganze Gemeinde ermorden, die Synagoge und die Judengasse in einm Steinhaufen verwandeln, nachdem sie vollständig ausgeplündert waren. Das Entsetzen und der Schauder über diese schreckliche Scene verwandelten meine rabenschwarzen Locken in schneeweiße Haare. Aber diese Frevelthat war nur der Vorbote der noch größeren Gräuel, die im folgenden Jahre 5031 (1321) an Israel verübt worden. Äch! als wenn die lügenhaften Beschuldigungen der Hostienschändungen, oder Kinderkreuzigung, die Tausende und Tausende von Unschuldigen zum Feuer verdammt haben, noch nicht genug die Menschheit erniedrigt hätten, erfand man eine neue Beschuldigung, die Brunnenvergiftung! O menschliche Raserei! gleich der Furie schleppte man ganze Gemeinden von unschuldigen Opfern zum Scheiterhaufen! In Ehinon, meiner Vaterstadt, wurden Alt und Jung, Groß und Klein, an ihrer Spitze der fromme Rabbiner, mein Vater, meine Mutter, meine Geschwister, alle lebendig verbrannt! Nur ich, nachdem mich das Feuer bereits umschlungen und meine Augen verbrannt hatte, entkam durch den Heldenmuth einer Jungfrau, die mich liebte. „O Mitleid! o Jammer! Ein Mann, ein Gottesgelehrter, verkündigte in Ehinon lange vorher dieses Unglück, aber Niemand achtete seiner Worte, die er nach einem Traumgesichte verkündigt hatte. Auch ich, Cresselin, hatte eine solche Txaumerscheinung: „Siehe, die jüdische Gemeinde von Nordhausen, in Thüringen," hieß es, „soll vertilgt werden, und es geschieht an selbigem Tage, da werden durch Feuer, ihre Männer und Frauen, ihre Söhne und Töchter, ihre Greise und Jünglinge, alle schrecklich umkommen. Gehe hin und verkündige ihnen Dies und überrede: sie, diesen Ort zu verlassen." Und ich stand , auf, nahm Abschied vyn meiner Gemeinde, setzte eint« Schüler an meine Stell?; denn fix wird mich nicht miederzurückkomwen sehen. Dan« gk«g ich, gefijhtt von Meittem einzigen Kinde, auf VaS

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