Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1865)
- Date
- 1865-11-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Rr. 45 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Italien. Akom. Furcht vor der Cholera hat die römischen Beamten dazu bewogen, für den Sanitätszustand des Ghetto's zu sorgen. Man befürchtet nämlich, dieser Staditheil möge ein Heerd der Seuche für die ganze Stadt werden. In Folge dessen sind einige Verbesserungen zu Gunsten der Juden gemacht worden. Wollte Gott, daß al? die Maßregeln, die so drückend auf unfern armen Brüdern lasten, baldigst entfernt werden möchten. — Wtanlua. Unter den 214 Studenten, die die hiesige Hochschule besuchen, sind 40 Juden; 46 von ihnen figuriren unter den 48, die sich auszeichneten. Die Examina zu Venedig haben ein gleich günstiges Resultat für die Juden ergeben. (C. I.) Feuilleton. Simon, der Sohn Schetach's, und die achtzig Zauberinnen bei Äskalon. *) Von VenÄLsu. Simon, der Sohn Schetach's, der um das Jahr 80 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung gelebt, war ein streng rechtlicher Mann, der kein Unrecht dulden mochte, eben so wenig von sich selbst, als von Andern. Er war Lehrer des göttlichen Wortes und durch seine Weisheit berühmt, sah sich aber durch äußere Umstände genöthigt, sein Brod in einer Beschäftigung mit Flachs zu suchen. Da sprachen seine Schüler eines Tages zu ihm: „Meister! laß doch diese schwere Arbeit! Wir wollen Dir einen Esel kaufen, daß Du Dich nicht allzusehr abzumühen brauchst." — Sie thaten so und kauften für ihren verehrten Lehrer einen Esel von einem Araber. Nachdem sie den Esel untersucht, ei!ten sie freudig zu Simon und riefen: „Jetzt, Meister, hast Du gar nicht mehr nöthig, Dich abzumühen!" — „Und wie so?" srug Simon. — i) Nach Jerusch. Baba Mez. 8. — Chagig. 77. — Baba K. 23. — Sanbedr. 19 a. — Aboth 1, 9. — Debar. rab. par. 3. — Jalkut Misckvat. Nr. 340. — Ja'kut Tehil. Nr. 988 — Maarlck des Menachem dt Lonsano r Mäasioth Nr. 26, 34, 37. — — Reschith Chochmah S. 273 d. (dem wir auch in der Leseart folgten: „Erhebet Euere Augen zum Himmel!" Sanhedr. s. o. steht: bo, »gegen ihn!*) — „Der Segen Gottes hat Dich reich gemacht!" antworteten sie mit den Worten Salamo's?). „Wir haben Dir einen Esel gekauft und haben an dem Halse desselben einen Edelstein hängend gefunden." — „Und wußte der Araber davon?" srug Simon. — „Nein," antworteten die Schüler. — „Nun," sagte Simon, „so gehet hin und gebt ihm den Edelstein zurück! — Mögen auch Einige der Meinung sein, daß Das, was ein Heide verloren, zu behalten erlaubt sei; Simon, der Sohn Schetach's, trachtet nicht nach Reichthum. Simon, der Sohn Schetach's, will, daß der Araber spreche : „„Gelobt sei der Gott Israels!"" — „Das ist ihm lieber als aller Reichthum der Welt" — Als er später durch günstigere Umstände Vorsitzer des höchsten Gerichtes in Jerusalem geworden war und hier, als Vertreter des Fürsten, selbst den Titel Nasi, Fürst, erhielt, suchte er, bei dem noch herrschenden Kampfe der religiösen Parteien, einerseits die strenge Rechtspflege durch die sorgfältigste und vorsichtigste Erforschung der belastenden Zeugen zu mildern, so daß dadurch manche Anklage abgewiesen werden konnte; andererseits aber auch das Recht ohne Ansehen der Person zu handhaben. So hatte ein Knecht des Königs Jannai, aus dem Hause der Hasmonäer, einen Mord begangen. „Erhebet," sprach Simon zu den Mitgliedern des Gerichtes, „erhebet Euern Blick zum Himmel, und laßt uns den Mörder vor Gericht ziehen!" — Sie schickten zu dem König und ließen ihm sagen : „Dein Knecht hat einen Menschen erschlagen!" — Der König überlieferte den Knecht dem Gerichte. — Da ließ das Gericht dem König abermals sagen: „Komme Du selbst und höre die Aussagen der Zeugen an! Denn also steht geschrieben: 3) „„Und dasZeugniß ward vor seinem Herrn abgelegt."" — Der König kam und setzte sich vordem Gerichte nieder. — „König Jannai!" richtete Simon das Wort an denselben, „erhebe Dich und bleib stehen! Du stehst hier nicht vor uns, sondern vor Dem, der gesprochen : ES werde die Welt! Denn also heißt es: 4) „„Die beiden Männer, die eine Streitsache haben, sollen hintreten vor Gott."" — „Nicht, wie Du sprichst," antwortete Jannai und blieb sitzen, „sondern wie Deine Genoffen sprechen!" — Da wandte sich Simon zu dem Halbkreis der Richter rechts — sie blickten schweigend zur Erde; er wandte sich links — sie schwiegen und blickten zur Erde. — „Ihr seid Gedankenmenschen!" rief Simon -) Spr. Sal. 10, 22. — ->) 2. B. M. 21, 29. — <) 5. B. M. 19, 17. —