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Der Israelit · 1865-11-08 · Heft 45 (8.11.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 45 (8.11.1865)
Date
1865-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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665 Iss israälitss äs karis" vereinigten sich unter der Präsidentschaft der Madame James v. Rothschild eine Anzahl Damen, um höchstens 60 junge Mädchen, die aus der Schule entlasten, weiter auszubilden. Diejenigen Zöglinge, die sich auszeichnen, werden je nach den Mitteln des Vereins mit Preisen belohnt. Die Zahl der Mädchen, die zur Zeit die Wohlthaten des Vereins genießen, beläuft sich auf 400, während die der seit der Gründung des Vereins dotirten 50 zählt. Um die Mittel des Vereins, dessen Ausgaben sich immer mehr steigerten, zu vermehren, wußte man eine jährliche Lotterieziehung zu seinen Gunsten zu veranstalten, die nur einmal seither, im Jahre 1648, ausgesetzt wurde. Trotz des bescheidenen Anfangs dieses Vereines ließ derselbe seit seinem Bestehen unseren verschiedenen anderen Institutionen wenigstens die Summe von 500,000 Francs zu Gute kommen. Die Vereinigung dieser Damen hat nicht allein unserer Wohlthätigkeit einen bedeutenden Aufschwung verliehen, unsere ganze Kehilla wurde durch dieselbe in vielen Beziehungen zu einem Ganzen. Nichts war schwieriger zu bewerkstelligen, als gerade Dieses. Eine Kehilla, deren Mitglieder durch ihr sociales Leben, ihre Geschäfte, Verschiedenheit der Bildung und des Vermögens, und besonders durch die verschiedenen Heimathorte und Länder, denen sie entstammen, so ganz verschieden von einander sind, in einen Verband zu bringen, ist nichts Geringes. Dem Verdienste unserer edlen Frauen muß Vieles in dieser Beziehung zugeschrieben werden. Die Reichsten und Angesehensten unterzogen sich allen möglichen Liebespflichten. Sie besuchten Kranke, Wöchnerinnen, Gefangene, inspicirten die Schulen und Arbeitssäle und gingen also ihren Männern und Brüdern mit dem schönsten Beispiel voran. Die Standesvorurtheile verschwanden, der Eine gehörte dem Anderen Die empfangenden Gemeindemitglieder suchten sich durch Arbeit und Mäßigkeit der empfangenen Wohlthaten würdig zu zeigen, und so war nach allen Seiten hin Vieles und Gutes geschehen. (Zortsetzung folgt ) Süd-Amerika. Die Republik Chili hat unter dem Datum vom 27. Juli ein Gesetz der Toleranz erlaffen, von dem hauptsächlich folgende zwei Punkte hervorzuheben sind: 1. Art. Denjenigen, die sich nicht zu der katholischen Kirche bekennen, ist es ebenfalls gestaltet, ihren Cultus in besonderen Gebethäusern zu vollziehen. 2. Art. Auch ist ihnen gestattet, eigene Schulen zu errichten, um ihre Kinder in der Religion ihrer Väter zu unterrichten. (A. I.) Feuilleton. Ein Gesuch ans -em ölten jüdischen Friedhöfe zu Gerlin. Von llerinan .lueob^. (Aus dem „Hebrew".) (Schluß statt Fortsetzung.) Fanny Arnstein spielte längere Zeit die tonangebende Nolle unter den Schöngeistern Oesterreichs in gleicher Weise wie Rahel Leoin die hervorragendsten Männer Berlin's um sich versammelte; weniger bekannt dürfte sein, daß die Generäle von Wimpfen und von Gablenz, welcher Letztere das österreichische Heer im schleswig-holsteinischen Kriege befehligte, mütterlicher Seits von Daniel Jtzig abstammen. Ein unscheinbarer Stein bedeckt das Grab Elias Frankels, dessen Nachkommen wie leider noch Biele der hier Ruhenden), wegen des auf Israel hier noch vor kaum einem halben Jahrhunderte schwer lastenden Druckes den Glauben ihrer Väter verlassen haben. Unter ihnen hat sich der Professor Eduard Ganz als Jurist und Philosoph einen bedeutenden Ruf erworben; seine Vorlesungen an der Berliner Universität fanden eifrige Hörer bis hinauf in die höchsten Kreise. — Als begeisterter Schüler Hegel's, suchte er überall und vorzüglich in den Salons der Aristokratie für die Lehre seines Meisters Propaganda zu machen und seiner eminenten Rednergabe, unterstützt von einer durch eifriges Talmudstudium erworbenen seltenen Schlagfertigkeit gelang es in der That, eine große Zahl Proselyten für die Idee Hegel's zu erwerben. Der Jndifferentismus der letzten Decennien des vorigen und der ersten unseres Jahrhunderts hat manche Bresche in die Reihe der Berliner jüdischen Gemeinde gelegt; groß ist die Zahl der bedeutenden Männer, die aus ihr schieden, weil sie keinen anderen Weg sahen, ihre Kräfte nutzbar, ihre Talente geltend zu machen, als sich, wenn auch nur äußerlich, der Staatsreligion in die Arme zu werfen. So finden wir heute fast in jedem Zweige der Verwaltung, in den Ministerien wie in der Legislatur, Männer an der Spitze, deren Vorfahren vor höchstens zwei Generationen gedrückt und rechtlos, doch als treue Söhne Israels, kümmerlich ihr Leben fristeten. Im südöstlichen Winkel des Friedhofes fesselt unsere Aufmerksamkeit eine Reihe verwitterter Grabsteine, deren Inschriften kaum mehr lesbar erscheinen; sie bedecken die Gräber der im Jahre 1670 aus Oesterreich vertriebenen Israeliten, der Megurofchim aus

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