Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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656 Geschrieben ist sie auf ein großes PergamenLstück und zwar in verschiedenen Farben und mit den seltsamsten Schnörkeln versehen. — Die Erwerbung eines jeden Grundeigenthums ist den Juden gestattet. Die Zahl der polnischen Juden, die größtentheils in den oben erwähnten Städten leben, beläuft sich auf ungefähr 12,000 Familien. Auch die polnischen Juden haben mit den übrigen Einwohnern sammt und sonders ihre frühere Tracht mit der westeuropäischen vertauscht. Früher waren sie größtentheils Goldschläger, jetzt haben sie sich dem Handel in die Arme geworfen. Ehe der große Malbim Rumenien zu seinem Wirkungskreise auserlesen hatte, waren die österreichischen, polnischen und russischen und die Gemeinde der Rajah's, d. i. der eigentlichen Rumenier vollständig von einander getrennt. Den interessanten Vorträgen dieses Gelehrten strömten alle in Massen bei, so daß wir hoffen konnten, daß sich nach und nach alle Elemente zu einem ganzen Gemeindekörper verbänden. — Aber ach! unsere Freude sollte nicht lange währen. Plötzlich wurde der fromme und gelehrte Seelsorger aus unserer Mitte gerissen. — Vor ungefähr zwei Jahren gründeten mehrere gelehrte Männer, wie Herr Joseph Levy, Herr Michael Usiel, Nathanael Markus rc. einen Verein, der sich das schöne Ziel gesteckt hat, unsere herrliche und heilige Sprache immer mehr zu verbreiten und hauptsächlich die Kenntniß unserer heiligen Thora in weitere Kreise zu verpflanzen. Der Wallachei muß vor der Moldau der Vorzug zuerkannt «erden, daß sie, ehe noch sich die Civilisation Bahn in ihre Gauen brechen konnte, fast gar keinen Unterschied zwischen ihren jüdischen und sonstigen Staatsbürgern kannte. Der berühmte Gelehrte vr. Barasch, und noch andere tüchtige Aerzte practicirten als angestellte Staatsdiener schon seit geraumer Zeit. Als im Jahre 1848 von Frankreich aus, Freiheitsideen durch alle Länder Europa's verbreitet wurden, gingen die Rumenier schon längst mit den Juden Hand in Hand, selbst der Judenfeind Cäsar Balliak, der Redacteur der Zeitschrift „Butschmil," der zwar seither wieder seine ursprünglichen-Gesinnungen ausgestreut, mußte damals den Humanen spielen. Wie lange es nun schon ist, daß man den Juden die Aneignung jeden Grundeigentums untersagt, möchte ich nicht mit Gewißheit bestimmen; wahrscheinlich datirt dieses schändliche Ausnahmsgesetz seitdem Lokowari Minister ist. Es ist dieses nämlich derselbe, der einmal den Antrag stellte, daß kein Jude mehr in einem Dorfe wohnen sollte. — Die beiden Länder befinden sich in recht befriedigendem Zustande seit ihrer Vereinigung unter der Krone Alexander Johanns 1. Auch uns Juden, brachte seine Thronbesteigung bis jetzt nur Gutes. In der tolerantesten Weise machte er unseren Jünglingen die Gymnasien zugänglich. Viele unserer Religionsgenossen bekleideten Offiziersftellen in der Armee. Eine ganz beträchtliche Anzahl sonstiger Staatsstellen befindet sich in de» Händen der Israeliten. Bei der Rathsversammlung im vorigen Januar, in der unter anderem die Zustände der Juden zur Rede kamen, sprach sich der Aga folgendermaßen über diesen Punkt aus: „Als ich Polizei-Oberst war, strebte ich darnach, mir den Culturzustand der Juden unseres Landes klar zu machen. Meine angestellten Beobachtungen ergaben jedoch, daß unter den vielen Verbrechern, die mir vorkamen, höchst selten ein Jude war, und wenn ja, so war er sicher keines schweren Verbrechens beschuldigt." Wessen Herz wird von diesen Worten, die ein Abgeordneter vor dem ganzen Landtag ausgesprochen, nicht freudig gerührt! — Darum hegen wir dre zuversichtliche Hoffnung, daß diese Worte ihre Wirkung nicht verfehlen werden, und daß unsere einsichtsvolle Regierung die Juden vollständig emaneipire, damit alle Welt einsehe, daß der Jsraelite, der die Vorschriften seiner Religion streng beobachtet ein guter Bürger sein muß und seiner Religion sowie seinem Vaterlande zur steten Zierde gereicht. Frankfurt, 25. October. Verflossene Woche ist hier nach dem Willen des Ewigen und Allerhöchsten Frau Sara Benjamin, geborne Dann im jugendlichen Alter von 22 Jahren in ein besseres Jenseits abgerufen worden. Das ein-! zige Kind ihrer Eltern, war sie denselben das Ziel aller ihrer Wünsche, der Zweck ihres Strebens, der j Centralpunkt ihres ganzen Daseins. Ein Muster der j Häuslichkeit, der Freundlichkeit, der Liebenswürdigkeit! und Anmuth, war sie der Liebling Aller, die mit ihr! in Berührung gelangten; sie erfüllte den Spruch der! Weilen: 82 mr nu bp rvO' ->2V2. Mit welcher inniger Liebe wandelte sie mit ihrem Gatten, mit welchem sie nur 3 Jahre > in glücklichster Ehe verbringen sollte, wie ehrte sie ihre