Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1865)
- Date
- 1865-10-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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596 Vertrau' auf Gott und Ihn' das Gute.*) Von Ventil»». R. Chije und R. Jose befanden fick auf dem Wege. Da trafen sie in der Nähe eines Berges zwei Männer, die denselben Weg gingen. Bald darauf sahen sie einen Menschen sitzen, schwach und matt, der sprach zu den beiden Männern: „O, ich bitte Euch, gebt mir was zu essen! ein Stück Brod! Schon seit zwei Tagen irre ich in der Steppe umher und habe nicht das Mindeste gegessen! — Sogleich ging einer von den beiden Männern hin, holte Speise hervor, die er sich mit auf den Weg genommen, gab ihm zu essen und reichte ihm auch zu trinken. — „Wie gehst Du mit Deinem Vorrath um!" rief sein Reisegefährte; „ich habe den meint n fast schon aufgezehrt!" — „Habe ich denn im Vertrauen auf Deinen Vorrath die Reise unternommen?" erwieverte der Andre. — Er setzte sich zu dem Durstigen und blieb bei ihm sitzen, bis er gegessen und getrunken und sich so gekräftigt, daß er sich wieder auf den Weg machen konnte, und nun gab er ihm auch noch den Nest seiner Zehrung mit auf den Weg. — „Gott scheint nicht gewollt zu haben," sagte R. Chija jetzt zu R. Jose, „daß dieses durch uns geschah.« — „Vielleicht," erwiederte R. Jose, drohet jenem Manne ein böses Geschick, und Gott wollte ihm Gelegenheit geben, daß er durch besondere Wohlthat sich das Verdienst erwerbe, gerettet zu werden." — Sie gingen iäwmtlich weiter. — Bald indessen ermattete jener Mann, selbst auf dem Wege. — „Habe ich Dir nicht gesagt," sprach sein Gefährte, „Du sollst dem Andern Tein Brod nicht geben?" — „Wir haben ja noch Vorrath genug," sagte N. Chije zu N. Jose, „wir wollen ihm zu essen geben." — „Willst Du sein Verdienst ihm abnehmen?" antwortete N. Jose, „laß es uns abwarten! Schon ergreift sein Antlitz die Todeeflanirne, und sicher, nicht umsonst hat -hm Gott die Gelegenheit zu einem so verdienstvollen Werke gegeben!" — ') Ps. 37, 3. — N»ch Schar Behar Fol. 47, Col. 4. — Vergl. auch Schar Techuk. Fol. 49, Col. ». — Der Mann setzte sich matt und kraftlos unter einen Baum nieder und schlief ein; sein Gefährte aber setzte sich weit von ihm ab auf einem andern Wege nieder. — Da sprach N. Jose zu R. Chije: „Jetzt wollen auch wir uns niedersetzen und zuiehen, Gott wird sicher an dem Mann ein Wunder thun." — Sie setzten sich wieder und warteten. — Da sahen sie plötzlich einen giftigen Basilisken bei dem Manne sich erheben. , Wehe!" rief R. Chije, „der Mann ist verloren!" — „Der Mann," sagte ruhig R. Jose, „hat ein verdienstvolles Werk gethan, Gott wird ein Wunder an ihm thun. — In demselben Augenblicke kroch eine andere Schlange von dem Baume herab, unter welchem der Mann lag, um sich auf ihn zu stürzen; doch im Nu schoß der Basilisk auf die zweite Schlange und tödtete sie, umkreiste dann das Haupt des Mannes, leicht dasselbe streifend, und entfernte sich. — , Habe ich Dir nicht gesagt " sprach N. Jose, „der Heilige, gelobt sei sein Name! werde an dem Mann ein Wunder thun, und Du dürfest ihm sein Verdienst nicht abnehmen?" — Unterdessen war der Mann erwacht; er richtete sich auf und versuchte weiter zu gehen. Ta hielten N. Chije und N. Jose ihn zurück, gaben ihm zu essen und zeigten ihm, nachdem er gegessen und sich gestärkt, dos Wunder, das Gott an ihm gethan. — Und nun begann N. Jose und sprach: „Vertrau' auf Gott und Ihn' das Gute! — O, wie groß ist das Verdienst des Menschen, der mit dem Seinen Gutes thut! Er erweckt, wenn man so sagen darf, das Gute in Gott, und wit dem Almosen, das er uns gibt, gewinnt er ein Almosen von Gott! — Der Wohlthätige gleicht dem Armen gegenüber der Sonne. — Der Arme besitzt nichts von sich selbst; auch der Mond hat von sich selbst kein Licht, er hat nur dasjenige, das ihm die Sonne gibt. — Ach, dem Armen fehlt Licht und Leben! Sagen die Weisen doch: „Der Arme hat keine Stätte, er gilt für einen Tobten!" — „Wohlthätigkeit," sagt die Schrift/) „errettet vom Tode." Denn die Wohlthätigkeit ist der Baum des Lebens, der uns, über den Baum des Todes hinweg, zu sich aufhebt, und darum ward dieser Mann gerettet, denn die Wohlthätigkeit, die er geübt, hat er, wenn man so sagen darf, gegen Gott geübt. — Die Wohlthätigkeit ist es, welche die Gnade mit der Gerechtigkeit vereint; — sie ist es, welche den Namen Gottes alltäglich heiligt, — so wie es ja auch heißt:^) „Heib Dem, der Wohlthätigkeit übt zu jeder Zeit!^ — -) r-rvSD oder hier ist das grieck,. Brand, Hitze; mitunter, wie in der zweiten Stelle daselbst, hat es die B'derrtung von Sara'b, Nackiasck Saraph; daber die Ungewißheit bei den Worterklärnn. Vergl. auch Maarich. — Spr. Sal. 10, 2. 11, 4. «) Ps. 106, 3. »verantwortlich« Itevacuon: Or. Lehmann. — Verlag der Le R oux'jchen Hosbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von 2. Gottsleben in Maim.