Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1865)
- Date
- 1865-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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522 durch das Schofar verkündet wird. Er muß ein außergewöhnliches Characteristikon in sich bergen, daß mit ihm der gläubige Israelit genaue Nachsuchung hält in beiden Herzkammern, und auf Weg und Steg zu säubern und zu reinigen sucht. Ja, dieser Tischri muß der wichtigste, der erstgeborne unter seinen Brüdern sein, daß er den alten Kalender abrognt, einen neuen aufstellt, dessen chronometrisches Dessin von ihm ausgeht — Sieh' da! Eben hält er seinen Einzug. Habt Ihr gehört seinen Gruß? Er heißt: — Ein neues Jahr ist in seinem Gefolge. Gönnen wir ihm einige Betrachtungen. I. Das Neujahr war von jeher ein den Menschen wichtiger Tag. Bei den Persern war es ein großes Volksfest (XvvruL), welches jedesmal den eisten Tag, wo die Sonne in das Zeichen des Widders tritt (daher vruri-ltnmnl, Tag des Widders) gefeiert wurde. Diese Feier wurde auch bei Verbesserung des persischen Kalenders noch beibehalten durch Osoiralak eä-Oin LkalL trotz Islam und Annahme der arabischen Kalenderberechnung. Die Römer opferten am Nsujahrstage dem Janus einen weißen Stier. Im Janustempel und in der Stadt wurde Näucherwerk angezündet, der neuerwählte Magistrat mußte in Procession ins Kapitol ziehen und hier dem Jupiter opfern. Das Gelingen der Geschäfte an diesem Tage war ominös für's ganze Jahr, weshalb der Neujahrswunsch: „Barium vovuiri tLN8turn tslioomgars tibi" jedem Begegnenden zugerufen wurde. In der chr. Kirche war anfänglich der Neujahrstag kein Festtag. Später, um ihre Bekenner vom heidnischen Spektakel abzuziehen, fand an ihm eine Vußseier statt. Endlich fixlrte man den 2ä. Dezember als den Geburtstag, den l. Januar als den Beschneidungstag des Religionsstifters. Außerdem ward das Epiphaniasfest „hohes Neujahr" genannt. Anders das Judenthum. Ihm gilt nichts Willkürliches. Das Judenthum ist ein Sprosse des einigeinzigen Gottes. Es schmiegt sich in allen Phasen an Gottes Wort und Lehre. Es hat auch seine Geschichte aus Gottes Hand empfangen im Anschluß zur Menschengeschichte. Es tritt daher überall bestimmt auf. Faseln die verschiedenen Geschichtsforscher verschiedener Völker und Nationen von so und so viel Hunderttausend Jahren seit Entstehung der Welt und der einzelnen Reiche, so mäkeln und tadeln wieder Andere solche fade Deductionen, die theils der Eigenliebe, theils den Irrfahrten auf schlüpfrigem vorhistorischem Boden entsprungen sind. Das Judenthum dagegen schöpft aus dem Borne lebendigen Wassers, der da quillt oknp -ip Odipn. Von hier aus sprudelt das Ewig-Wahre dem Gläubigen zur Erkenntlich und zur Labung seiner nach Gott dürstenden Seele. Wo auch der Pentateuch in seinem siipernaturalistischen Lehrinhalt dem schwachen menschlichen Fassungsvermögen sich entzieht, springt d e göttliche Tradition erläuternd zur Hilfe, um kein Jota in irgendwelchem Zweifel zu lassen. Beide > Avein unserer göttlichen Heilesquelle verdankt der Tt chrc sem Kriterium. Darum beginnt mit ihm das n ue Jahr. — Darum ist uns Gewißheit, daß mit dem Ersten in Tischri das Menschengeschlecht entstanden-. — Darum zählen wir als Menschen unsere Jahre von jenem Anfänge. — Darum feiern wir diesen Tag so hehr und heilig. Mögen andere Nationen mit ihren singirten Jahresanfängen ihr Neujahr als Volksfest, in wild m Taumel unter Kanonendonner und Glockengeläute und Hörnerklang begehen. Mögen sie bei übel schäumenden Gläsern in tosendem Reinen und mit den foemgerechtesten Bachanalien ihr Jahr beginnen. Der glnubenstreue Israelit zieht an am sein Sterbegewand, geht fernab aller Sinnenlust bußfertigen Herzens in die Synagoge, versenkt sich in heilige Andacht, um in würdigem Angedenken vor seinem Gotte dazustehen, den ersten Jahrestag seinem Schöpfer, seinem Gotte, seinem Seelenheil zu widmen. Und so oft der Schofarrmin dieAndachr eingreist durch bebt an der Gläubige im Cbo us vchp „Heute ist der Welten Schöpiungstag Heute stehen zu Gericht alle Geschöpfe der Welt, ob als Kinder, ob als Knechte. — Als Kinder, — o, erbarme Dich unser, wie ein Vater sich sein r Kinder erbarmt! — Als Knechte — nnser Blick ist nach Dir gerecht t, daß Dn uns begnadigen und unser Urtheil ungetrübt ergehen lassen mögest! - Ehrfurchtbarer, Heiliger I" Die fortgesetzte Andacht gipfelt in der Bezeichnung des Tages als: rw, „Tag der Erinnerung". Sie, die Erinnerung, führt uns im Geiste zurück zum Anfang aller Zeitenansänge, zu Adam. Einen Erdenkloß bildete des Schöpfers Hand, es mar der hinfällige Menschenkörper. Ihm hauchte der göttliche Vater die Seele ein und mit ihr kehrte ein das lebendige Erkenutnißdas werthoolle Willens-, das unschätzbare Gefühlsoermög'tt. Dazu noch eine äußere Stütze in der Gehilfin Lustwandtlnd in den köstlichsten Wohlgerüch n unter schattigen und fruchtbeladenen Bäumen des Paradieses sollte dieser große, ewig denkwürdige Geburtstag der Prü-ungstag des jungen Menschenpaares sein. Noch mehr, vor das Forum des himmlischen Gerichts sollte seine Handlungsweise