Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1865)
- Date
- 1865-08-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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6. Jahrgang. ->F 33. Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenth Herausgegeben von I»r. Lehmann in Mainz. Mainz, den 16. August 5625 (1 865). Die Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens I s/2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thlr. pr. C. oder fl. 3. 80 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Frankozusendung unter Streifband pro Jahrgang 3 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franko einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Die Hungersnoth in Palästina. — Original- Briefe von S. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn: Deutschland: Mainz. Lübeck. Altona.—Oesterr. Kaiserst.: S. a. Ujhely. — Rußland: Wilna. — Palästina: Jerusalem. — Nackschrift: Mainz. — Anhalt der Beilage: Feuilleton: Aus dem handschriftlichen Tagebuch einer Frau. Anhalt der Extra-Beilage: Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. — Spenden für die Armen des heil. Landes. — Für das Unternehmen zu Gunsten der Falascha's. — Spenden für die zwei Waisen aus Mickclau bei Büdingen. — Für das Institut in Höchberg. — Für Moses Sander in Kleinumstadt. — Leitende Artikel. Nie Hungersnoth in Palästina. Mainz, den 9. August. Wir erhalten vom löbl. Centralcomits zu Amsterdam folgenden Aufruf: „Theure Glaubensbrüder! Ein herzzereißender Nothschrei dringt zu uns von unfern unglücklichen Brüdern, die im heiligen Lande unserer Väter wohnen. Eine furchtbare Hungersnoth ist daselbst ausgebrochm. Zweimal, im Anfang und in der Mitte des Sommers, hat ein Heufchreckenschwarm die ganze Oberfläche des heiligen Landes bedeckt und alle Früchte des Feldes verzehrt. Außerdem hat es so sehr an Regen gefehlt, daß sogar empfindlicher Wassermangel eingetreten ist. Was trotz der Dürre gewachsen, hat die Heuschrecke verzehrt, die Weinberge und Olivenpflanzungcn stehen öde und welk, Fruchtbäume und Felder geben nicht den geringsten Ertrag, und der Preis der nothwendigsten Nahrungsmittel steigt von Tag zu Tag in entsetzenerregender Weise. Donnerstag den 28. Sivan wurde ein allgemeiner Fasttag in der heiligen Stadt verkündet; das Volk versammelte sich in den Synagogen und Lehrhäusern und verbrachte den Tag mit Fasten und Gebet. Theure Glaubensbrüder in allen Ländern Europas und Amerikas! Wir kennen Eure großmüthrge Herzen, Eure unbegrenzte Freude am Wohlthun; wir wissen, daß Ihr bereit seid, zu helfen in jeglicher Noth, und daß Niemand Euch jemals vergebens zur Hilfe Nothleidender aufgefordert hat. Wir kennen auch Eure innige Liebe und warme Anhänglichkeit für das Land unserer Väter und die heiligen Stätten, die da die Schauplätze unserer glorreichen Geschichte gewesen sind. Unzählige Male habt Ihr bereits bewiesen, daß Eure Theilnahme groß ist für jene frommen und gottesfürchtigen aber armen Brüder, welche in unserem ursprünglichen Heimathlande ein kummervolles Dasein führen. — Hunger, Krankheit und Elend, sind die täglichen Gäste in den Mauern Jerusalems, Hebron's, Zephat's und Liberias; selbst in den Jahren, in welchen die Früchte des Feldes gedeihen, und die Lebensmittel um den gewöhnlichen Preis gekauft werden können, herrscht die bitterste Noth, der durch die reichlichen Spenden der wohlhabenden und wohlthätigen Glaubensbrüder kaum abgeholfen werden kann. Wie gräßlich muß erst jetzt der Zustand jener Be-