Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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446 Gestern sprachen sich Prälat v. Hauber, Wächter, heute Domcapitular v. Longner, Duvernoy und Bayrhammer für den Commissionsantrag, Holder, Sarwey, Hopf für den Hölder'schen Antrag aus. Cultminister v. Golther sprach sich für den Commissionsantrag aus und wies unter Anderem darauf hin, daß er schon beiBerathung des Gesetzes über die bürgerliche Gleichstellung der Juden mit den Christen auf eine Anfrage! des Abg. Wächter erklärt habe, daß dieses Gesetz auf die Stellung der Juden zu den christlichen Stiftungen > keinen abändernden Einfluß übe, wie denn auch keine Christen zu den jüdischen Stiftungsräthen zugclassen werden; die Juden würden also durch Zulassung zu den christlichen Stiftungsräthen einen Vorzug vor den Christen haben; das wäre doch eine Anomalie. Der Antrag der Commission auf Uebergang zur Tagesordnung wird mit 46 gegen 28 Stimmen angenommen. Der Hölder'sche Antrag aus Zulassung ist also abgelehnt. Dagegen wird ein Antrag der Commission auf rechtliche Organisation der Kirchengemeinden angenommen. Auf eine Bitte um Gestattung der Ehe zwischen Christen und Juden, welche früher von der zweiten Kammer beschlossen, von der ersten aber verworfen und daher fallen gelassen worden war, will die Kammer nicht wieder zurückkommen. Hingegen beschließt sie eine Bitte an die Negierung um Ausdehnung des Gesetzes über die Civilehe auf die Israeliten. (Fr. I) Kassel, im Juli. Die Orgelavg.legenheit hat nun bald alle Stadien durchlaufen; denn sie wird den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, nun bald unserer obersten geistlichen Behörde, dem Landradbinat, zur Begutachtung vorgelegt werden. Soviel wir die Mitglieder desselben kennen, dürfte die endgiltige Entscheidung keine zustimmende sein, und so wäre die Frage für Kassel auf einige Zeit glücklich von der Tagesordnung abgesetzt. Viele Gemeinde- Glieder sehen das Vernünftige eines solchen Beschlußes auch wohl ein, und die Mehrzahl, indifferent, wie sie nun einmal ist, schwärmt keineswegs für den Orgelgottesdienst. Daß indeß einige vollblütige Reformer noch Nlit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem (?) Vermögen daran hängen, beweist folaendes, thatsächlrche Curiosum: Ein Landmann, der unlängst hierher gezogen, aber von der Orgel Nichts wissen will, fand sich aus religiösem Gefühle bewogen, ein ->LO Nim schreiben zu lassen, und wollte dasselbe der Gemeinde-Synagoge verehren. Er knüpfte jedoch die Bedingung daran, daß die Orgel nicht bei uns eingeführt werde. Der Gemeinde Äelteste H. jedoch, über die ihm so gestellte Alternative entrüstet, erwiderte ihm: „Wenn Sie keine Orgel haben wollen, so können Sie auch Ihre Thora behalten!" So stellte der fromme Vorsteher doch noch die Thora der Orgel j gleich! O, heilge Thora! O, göttliche, unvergleichliche Orgel! Wiesbaden. Nach einer statistischen Nebersicht in der „Naffauischen Landeszeitunq" beträgt die Zahl der Israeliten im Herzogthum Nassau 7187, so daß gegen das Jahr 1863 die isr. Bevölkerung um 39 Seelen abgenommen hat. Im Heer dienen 39 Israeliten. Hamburg vMQ "i. Wie ich vor einiger Zeit in diesen Blättern mittheilte, konnte für die seit Jahren erledigte Stelle 2'd "n p'iun dw indpN2 dinn eine Wahl nicht stattfinden, weil wegen des schleswig-holsteinischen Krieges die Zinsen des in dänischen Werthpapieren angelegten Capitals nicht zur Erhebung gelangtn konnten. Inzwischen mehrte sich die Zahl der Bewerber um die gut dotirte Stelle, deren Besetzung daher den gewissenhaften und mit den Erfordernissen eines tüchtigen, dem Willen des Erblassers möglichst entsprechenden Klausradbiners wohl vertrauten Q'N'2lov, d. HH. A. E. Joel, P. M. Mendelson, M. B. Wolfs Nicht wenig erschwert wurde. Endlich gelang es ihnen, für das genannte Amt eine Persönlichkeit zu ermitteln, wie sie eine geeignetere und würdigere kaum hätte ausfinden können: d'^28 1222N 22W2N P'ISN ttds'vn 2iN '"2 in Berlin, einen Mann, dessen ganzes Leben einzig und allein 02221 N2iQ82 drr riiM2 ni2.nd NLLN ist. Dieser würdige Mann, ein x?N2m imdn vo'pp ^82i 2inQ, der seit einer Reihe von Jahren in verschiedenen westpreußischen Gemeinden segensreich gewirkt, kam vor etwa 10 Jahren als ein rn22->n rix 82N7 nach Berlin, um eine Stelle an der o"wli ni2.-> zu übernehmen. Hier hatte Referent während seiner Studienzeit das Glück, seine Vorträge über iiadni N2V2 zu hören und an der Quelle seiner reich und klar strömenden Gelehrsamkeit sich zu laben und für seine ganze Lebenszeit zu stärken, O'jmvv 12N O'MQd du id;r>2 '2 1QP21 ,1'il2 dp nnp -»21 d2 1'2vnd O'IQNO 1^21 inan i'dv ii'd -2V I21L1 2Q'N -0822. Mit Recht läßt sich aus den würdigen Rabbiner L. der talmudische Sotz anwenden mix p2'dna nrrin nixr/ 1112. Wer nämlich Berlin kennt, weiß, wie schwer es auch beim besten Willen ist, daselbst .-,-».->2 nvnd zu sein. Schon bei Lebzeiten des sel. vr. Sachs wurde er oftnnm '2'i pOsd zugezogen und seit dem Hinscheiden dieses Unvergeßlichen um so häufiger von seine n intimen Freunde Herr Rabbiner E. Nosenstein. Wie man sieht, erleidet also durch den bevorstehenden Abgang des Herrn Rabbiner L. die kleine Schaar der Berliner Talmudisten einen schwer zu ersetzenden Verlust, wohingegen die hiesigen Lamdanim einen nicht genug zu schätzenden Zuwachs an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit gewinnen. — nx-rn 2i»22xr-i