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Der Israelit · 1865-07-12 · Heft 28 (12.7.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 28 (12.7.1865)
Date
1865-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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392 ten. Noch weit wunderbarere Übereinstimmungen aber müssen uns durch die aufgefundenen Monumente aus jenen alten Zeiten ins Auge fallen, so daß wir mit dem Propheten ausrufen können: „Der Stein aus der Wand wird es ausrufen, und der Sparren aus dem Gesimie ihm zustimmen." In unseren Tagen hat man die beschwingten Löwen **) Assyriens gefunden, und sie an den Ufern des Tigris ausgegraben, wo sie so lange bei den Ruinen der Reiche, die sie früher zu Ehre und Ruhm führten, in tiefer Finsternis; begraben lagen. Diese merkwürdigen steinernen Monumente mußten gerade in diesen unseren Tagen, in denen der Glaube an Gottes Wort auf so zahlreiche Anfechter stößt, an's Tageslicht kommen, um unseren Glauben zu stärken Ein Gang durch das britische Museum ist in dieser Beziehung äußerst belohnend. In der Konyonjik-Gallerie ist Alles, was auf die Zeit Sancherib's Bezug hat, ausgestellt. Er ist, aus einem Feldthrone sitzend, dargestellt, gerade im Begriffe, die Gefangenen und die Beute eines besiegten Volkes in Empfang zu nehmen. An den Gesichtszügen der Gefangenen erkennen wir sie sogleich als Israeliten; nicht allein an der charakteristischen Physiognomie dieser Nation, sondern auch an der besonderen Gestaltung des Bartes, die dem Gebote, „die Ecken des Bartes nicht zu verderben," zufolge, nicht außer Acht gelassen werden darf. Ebenso fallen uns die dichten, schwarzen Locken der Gefangenen, die jüdische Nace bezeichnend, in's Auge. Barfuß, niedergedrückt unter der Last der wuchtigen Steine, sehen wir den ehrwürdigen Mann und den Mächtigen, den Weisen und den Rathgeber, wie sie Jesaias nennt, mühsam den Wall ersteigen. Man sieht es ihnen an, daß sie von Geburt keine Handarbeiter sind, es sind Patricier, diese Sclaven; auf den jüngeren Theil derselben scheint der Künstler besonders sein Augenmerk gerichtet zu haben; einige tragen Fesseln, andere sind je zwei und zwei zusammengeschmiedet. — Vor diesen Steinplatten erblicken wir in demselben Gebäude die wuchtigen Fesseln, massiv und überzogen mit Grünspan, welche die Glieder der Alten beschwerten. — Das eroberte Land ist vielfach das Land des Weines und der Olive genannt, darum ist auch die ganze Scenerie des Mordes und Blutvergießens mit Guirlanden von Weinreben, an denen die schönsten und größten Trauben hängen, eingefaßt, was uns an den edlen Wein Judäas erinnert. Wir übergehen gern alle Schauerscenen der assyrischen Grausamkeit. Aus dieser Anhöhe erblicken wir Menschen, die Pserdearbeit verrichten muffen; entweder schieben sie den Wagen **) Wahrscheinlich die Standorte dieses Reiches. Persiens Wappen war ein Adler, und zwar waren die Persier das erste Volk, das den König der Vögel seinen Heeren voranziehen ließ. Daher erklärt auck Nascht zu llDSTN : «"p 2"' s'll.-UO des Königs, eine Art beweglichen Thron, oder ziehen sie unten an dem Ufer des Flusses Boote, die schwere Steinsäulen enthalten. In dieser lebendigen Sprache der Kunst erblicken wir ein Gemälde der Leiden, welche die Kinder Israels erdulden mußten, als ihre Städte in die Hand der Affyrer fielen und ihre Bewohner sortgeschleppt wurden, entfernte Provinzen des Reiches zu bevölkern. Auf einer anderen Platte bemerken wir die Belagerung und Einnahme einer Stadt von großem Umfang und außerordentlicher Festigkeit; sie ist mit doppelten Wällen und befestigten Äußenwerken versehen. Die Belagerten haben sich mit der zähesten Ausdauer vertheidigt. Bogenschützen und Schleuderer beschießen den Feind mit Pfeilen, Wurfspießen, Steinen und brennenden Pechkränzen. Ein Theil der Stadt ist schon genommen. Unter den Thoren schon beginnen die Affyrer ihre Torturen. Wiedersehen wir die jüdische Physiognomie an dem geschlagenen Theil, die Frauen sind in Säcke gekleidet. Layard gibt für den Namen dieser Stadt Lachisch an. Diese Begebenheit wird von Jesaias in Cap. 37, 8 erwähnt, wo er sagt, „denn er hatte gehört, daß er von Lachisch weggezogen sei", lieber dem Kopfe Sanchecibs ist eine Inschrift in Keilschrift, welche durch Layard entziffert worden ist. Sie lautet, „Thin-akki-rib, der mächtige König, der König der Könige, König von Assyrien, sitzend auf dem Richterstuhle vor der Stadt Lachisch". Wir besitzen noch mehr Kenntniß über Sancherib, da Layard seinen Palast zu Konyonjik untersucht hat. Dadurch, daß die anderen assyrischen Herrscher dem geistigen Auge nur als unbedeutende und flüchtige Gestalten vorschweben, überragt sie Sancherib bedeutend. Als er an die Negierung kam, war Niniveh noch auf der Höhe seines Glückes und seiner Macht. Plötzlich erscheint er im Territorium Chiskijah's an der Spitze einer zahlreichen Armee, Juda mit dem schrecklichen Schicksale Israels bedrohend. Sobald er jedoch dem Gotte Israels Hohn sprach, wandte sich sein Waffenglück. Die Leichname von l 85,000 Mann von Sancherib's Armee, die in einer Nacht ihren Untergang fanden, die Verzweiflung der Uebrigen, als die Morgensonne sie das Schicksal ihrer Kampfgenoffen sehen ließ; die Flucht ihres Anführers nach seiner eigenen Hauptstadt, dies waren die ersten Veranlassungen zum Sturze der assyrischen Macht, welche das Reich bis auf den Grund erschütterten. Eine irrige Beschreibung dieser Katastrophe macht Herodot, der Sancherib's Namen erwähnt. Er schreibt, daß Sethos, der Regent Aegyptens, sich bei dem Heranzuge des assyrischen Heeres zu dem Altar seines Gottes zurückzog und ihn um Schutz bat. Die Aegypter erhielten von ihrem Gotte die Zusicherung, daß er ihnen kein Leid zufügen lassen werde. — Daraus hin überfiel eine Unzahl Feldmäuse das Lager der Feinde, zernagte die Bogen-

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