Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1865)
- Date
- 1865-06-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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360 Wächter. Warum sehen Sie aber so verzweifelt aus?" ^„General"" erwiderte der arme Mann, „„es ist wohl wahr, ich habe einen Wächter erhallen, und zwar durch Ihre Vermittlung, aber unglücklicherweise ist die Person , der man dieses Amt anvertrant hat, schon vor drei Monaten gestorben."" Pyrenäische Halbinsel. Gibraltar. Die neulich gemeldete Gefangennahme der 12 jüdischen Gemeindeältesten zu Tetuan beschreibt das „Gibraltar Chronicle" vom 26. April folgendermaßen. Zu Tetuan ereignete sich neulich eine Begebenheit, die in Marocko große Sensation erregte. Die Facta, die über diesen Gegenstand uns zu Ohren gekommen sind, sind diese. Es scheint, daß einer alten Sitte gemäß ein alter maurischer Soldat in dem Judenviertel als Constabler angestellt ist, der aus oem jüdischen Gemeindefond besoldet wird. Durch eine eingetretene Krankdeit dieses Constablers blieb die Stelle 4 Monate lang unbesetzt. Vor einigen Wochen sandte nun der Gouverneur einen Boten an den jüdischen Gemeindeausschuß, um das Salair des Constablers entgegenzunehmen. Der Ausschuß ersuchte seinerseits den Gouverneur, ihm diese unnöthige Ausgabe zu erlassen, indem er vorgab, daß ein so alter, gebrechlicher Sicherheitswächter leicht entbehrlich se', wie sich dies ja, während seiner viermonatlichen Dienstunfähigkeit zur Genüge dargethan habe. Ueberdies sei in Folge der letzten Theuerung während des langen und strengen Winters die Gemeindekasse sehr im Rückstand, so daß sie nicht im Stande seien, diese Last zu ertragen. Der Gouverneur sagte kein Wort, bis er am 3. April den Ausschuß, bestehend aus 12 Mitgliedern, zu sich laden ließ. Er sagte ihnen, daß er strenge Ordre vom Sultan habe, anstatt des einen jetzt fünf maurische Soldaten in das Judenviertel zu legen, und daß er diejenigen Mitglieder des jüdischen Gemeindeausschusies, die maurische Unterthanen seien, in Ketten zu legen und nach Mequinez (dem damaligen Aufenthalte Sr Majestät) zu senden habe, während diejenigen, die unter europäischem Schutze ständen, aus dem Lande zu verbannen *eien wegen des Verbrechens der — Empörung gegen oes Sultans Beamte, indem sie sich weigerten, den alten maurischen Soldaten ferner als Beschützer zu besolden. Die Consuln wurden beauftragt, diejenigen, die unter ihrem Schutze standen, zu bezeichnen, und sie suchten acht von ihuen aus. Die klebrigen wurden gefesselt, um vorläufig nach Mequinez gebracht zu werden. Darauf protestiere Mr. Kirby Green, der englische Vice Consul unter der Mitwirkung seiner College» energisch, auch appellirten sic wegen der Gefangennahme der vier übrigen Juden Nach einem Notenwechsel mit dem Gouverneur erhielten sie das Versprechen, daß er den Transport der Gefangenen nach Mequinez um drei Tage verschieben wollte, damit sie nach Tanger schreiben und auch Antwort erhalten könnten. Als die Affaire an dem letzteren Platze bekannt wurde, verlor Mr. John Drummond Hay keinen Augenblick, ließ sogleich seinen College« zu sich bestellen und überschickte Sidi Mahomed Bargasch, dem Minister der Auswärtigen, eine Collectivnote, in welcher Alle gegen dieses despotische und tyrannische Ver ahren Protest einlegten Dieses entschlossene Austreten verfehlte nicht bei dem maurischen Minister seine Wirkung zu thun. Er versprach, an den Gouverneur Befehl ergehen zu lassen, die Juden nicht nach Mequinez zu schicken und sie von ihre» Fesseln zu befreien. Da jedoch 3 Tage verflossen waren, ohne daß diese Versprechen erfüllt wurden, ergriffen Sir John Hay und Sennor Mery Colon, der spanische Gesandte, in Verbindung mit den Vertretern der vereinigten Staaten und Portugals energische Maßregeln gegen den maurischen Minister, worauf dann auch wirklich die Gefangenen von ihren Ketten befreit und aus ihren Kerkern in bessere Quartiere gebracht wurden. Gleichzeitig wurde nun Hoffnung gegeben, daß der Sultan, sobald er von den Vorstellungen der ausländischen Vertreter Kenntniß erlangt habe, Befehl geben werde, den Gefangenen die Freiheit zu schenken. Selbstverständlich wurden diejenigen Mitglieder der „Junta," die unter fremdem Schutze stehen, weder ausgewiesen, noch sonst in irgend einer Weise belästigt, da die Anklage grnndloS war. Aus diesem Vorfall erhellt abermals, wie wohl die Juden von Marocko thun. wenn sie darnach streben, den Schutz europäischer Mächte zu erlangen, und wie dankbar sie gegen diejenigen der auswärtigen Gesandten sein sollten, die so unermüdlich bestrebt waren, sie vor dieser höchst grausamen Behandlung zu schützen. - Das „I. Chronicle" will aus guter Quelle wissen, daß in Folge der Vorstellungen der auswärtigen Gesandten Seine Scheriffianische Majestät der Sultan von Marocko das Verfahren des Pascha von Tetuan mißbilligt und den maurischen Beamten zu Tanger Befehl gegeben hat, daß, wenn die Anklage unbegründet sei, die Gefangenen in Freiheit zu setzen seien. Der spanische Gesandte, der die Sache untersuchte, legte ihre Unschuld an den Tag, so daß wir hoffen können, daß sie jetzt gewiß auf freien Fuß gesetzt sind.