Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1865)
- Date
- 1865-06-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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357 stellen kann. Herr Cahen verließ mittlerweile die Schule, an der er das Andenken gewissenhafter Pflichterfüllung hinterließ. Sein Nachfolger war sein früherer Gehilfe, Herr Trsves. Bei meiner Ankunft zu Paris fand ich beinahe alle Institutionen der Gemeinde in Untvätigkeit. Die Freiheit hatte noch nicht genug Alle durchdrungen, um Vereine entstehen zu lassen, die stets das wahre Leben sowohl für die Religion als auch für Wohlthätigkeit sind, bis die wohlwollende Gerechtigkeit der Regierung die alten Bande, welche bis zu dieser Zeit unter den alten isr. Einwohnern von Paris bestanden, anfloste. Ehe wir die Entwickelung der § Gemeinde weiter verfolgen, die nach dem Jahre 1840! immer mehr an Aufschwung gewann, wollen wir mit! wenigen Worten — den?, viel gibt es doch nicht zu sagen — den Zustand der Gemeinde-Institutionen in dieser Epoche besprechen. Die Synagoge nach deutschem Ritus und die nach portugiesischem befanden sich beide irr der Straße Xotrs-äume-äs-Xkl/mrstb. , Nach dem Tode des verstorbenen Lovy war Nichts mehr vorhanden, das den Namen Gesang verdienter! die Predigt war nicht nennenswertst, und der Zu drang des Publikums mar gelinde gesagt sehr gering. Zwei Zimmer desselben Gebäudes waren zu der Knabenschule verwandt worden, welche von Herrn i Trsves fast allein geleitet wurde; trotz seines großen! Eifers wurden jedoch nur geringe Resultate erzielt,! da es ihm an Beistand sowohl, als auch an Raum fehlte, um 8 O-iW Knaben Zu unterrichten und zn überwachen. Frau Mayermax, unterstützt durch einer Gehilfin, die sie selbst besoldete, leitete irr einem Hofs in der Straße Ooix in einem finstern und feuchten Locale die Mädchenschule mit einer Begabtheit, die mir seit vielen Jahren bewundern Das Urrterterftützungs-Comits des Consistoriums bewilligte den Armen, die um seine Hilfe baten, einige Unterstützung , und überwachte durch seine Agnaten ohne irgend eine religiöse Beihilfe sie Beerdigung auf den beiden Friedhöfen im Westen und im Norden der Stadt (?6I'6-IM(.chkN86 und Alovtniui'tl'6.) Der „Verein der Arbeitssreunde" hatte anfgehört zu bestehen; es bestand keine Anstalt, um die Kranken zu besorgen, die sich in die allgemeinen Spitäler der Stadt begaben. Niemand war da, die Jugend zu überwachen oder ihr den nöthigen Religionsunterricht beizubringen. Ein beklagenswerthes Gehenlassen, von dem man stch keinen Begriff machen kann, herrschte überall in allem Demjenigen, wa: man zu i dem religiösen Leben zählen kann; und der Fremde,! der von einer Gemeinde hieher übersiedelte, welche durch ihren Cultusznstand und die Leitung ihrer Institute einige Bedeutung hatte, wunderte sich über die Unordnung und das Chaos, die immer mehr und überall zum Vorschein kommen. Die Leute waren wohl gut, selbst vortrefflich, aber die Anstalten Laugten gar Nichts. Brennstoff war genug vorhanden, aber das heilige Feuer, das den Funken erzeugen sollte, fehlte gänzlich Ich bemühte mich daher, mein theurer Sohn, mit dem Französischen mich vertraut zu machen, um an der Wiedergeburt des religiösen Lebens in dieser herrlichen Stadt Mitwirken zu können, da ich von der Ueberzeugung durchdrungen war, daß ich berufen sei, dem Judenthum zu dienen, soviel es meine Kräfte erlauben. IX. Auf diese Weise vergingen zwei Jahre bis zum 13. October 1838 — Jahre der Arbeit und des Studirens, deren Erinnerung noch jetzt mein Herz freudig erregt. Diese köstlichen Stunden, die ich das Glück hatte, mit dem ehrwürdigen Greise, Herrn L^lvsstns äs 8rrov, zuzubringen, vermehrten nicht allein mein schwaches Wissen in den orientalischen Sprachen, sondern machten mich auch stufenweise und mit Erfolg mit allen Feinheiten der französischen Sprache bekannt, die der gelehrte Professor in seinen ausgezeichneten Vorlesungen über die allgemeine Sprachlehre so talentvoll entwickelte. Außerdem hatte ich den Vortheil, beinahe ein ganzes Jahr lang sein einziger Schüler rin Persischen zu sein, eine Sprache, die er am Golls^s äs IN-^vss lehrte. Dieser liebenswürdige Greis und der junge I^nAsns Vurnouk, der geistreiche Autor der „Geschichte des Buddhaismus" waren nur die angenehmsten Professoren, deren tiefes Wißen zu jener Zeit die ausgezeichnetesten jungen Orientalisten nach Paris, wie nach einem Mittelpunkt der Wissenschaft, versammelte. Diese Vorlesungen waren wirklich eine kosmopolitische Zusammenkunft; wir Alle bewunderten die Generosität der französischen Regierung, welche auf ihre Kosten die merkwürdigsten Männer versammelte, um ohne den geringsten Egoismus auf die uneigennützigste Weise die Schätze der Wnsenschast und der Erfahrung zu verbreiten. Forts, f.) Großbritannien. London, 8. Juni. Ein großer Theil der eleganten englischen Gesellschaft war gestern bei Baron Lionel Rothschild zu Gaste, in dessen neuem, mit ungeheurem Luxus ausgestattetem Hause die Vermählung seiner Tochter mit deren Cousin, dem Baron Ferdinand Rothschild, gefeiert wurde. Solche Pracht > ist in England lange nicht gesehen worden. Der Oberrabbiner vr. Adler vollzog die Trauung in Ge- , genwart der Familienmitglieder, des österreichischen > und französischen Gesandten, mehrerer unserer Minister.