Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1865)
- Date
- 1865-06-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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S38 uossen beeinflußt worden zu sein, in die Reihen Israels zurück. Seil langer Zeit hatte dieser Mann vom Rabbiner und Professor Artom seine Wiederaufnahme verlangt; allein der letztere wollte ihm Zeit lassen zur Reue; auch wollte er sich erst von der Wahrheit der von dem Greise in Betreff seiner Bekehrung gemachten Angaben überzeugen. Nachdem nun im Läufe von sechs Monaten die sorgfältigsten Erkundigungen eingezogen waren, die sämmtlich zu Gunsten des Converiiten ausfielen, fand beute seine feierliche Wiederaufnahme vor einem zahlreichen Auditorium statt. Der Rabbiner hielt eine Rede, in welcher er darlegte, daß nur di-.jenigeii achtungswerth seien, welche trotz Unduldsamkeit und Vorurtheile ihrem Glauben treu bleiben; daun rief er dm reuigen Sünder vor die heilige Lade, führte ihm sein vergangenes Leben vor Augen und sagte ihm, daß, wenn er auch durch das Verlassen seiner Religion schwer gesündigt habe, die Rene Alles wieder gut mache. Der Herr Rabbiner prüfte ihn dann öffentlich, und aus den Antworten des Greises ersah man die Aufrichtigkeit feiner Gesinnung, die er durch ven feierlichen Eid, von nun an ein wahrer Jude sein und bleiben zu wollen, bekräftigte. Die zitternde Stimme des Greises, sein thränenersülltes Auge und die gewichtigen Worte, die an ihn gerichtet wurden, ergriffen alle Anwesenden aus's Tiefste." — Frei und ungehindert können unsere Glaubensgenossen jetzt fast überall dem Gotte unserer Väter die neu -- möchte der Wille dazu im Berhnltniß zur Freihe-t erstarken! hirT: HeitrittftSnackrichten und Gorrespon denzen. Deutschland. Aus NiederHefferr. Die Besprechung des Adler'ichen Lesebuches in diesen geschätzten Blättern, welche in unserer Provinz, wie begreiflich, mit großem Interesse gelesen wurde, scheint bei maßgebender Stelle nicht beherzigt morden zu sein- Wenigstens hat die Hoffnung des Herrn Referenten, daß Herr Adler die Selbstverleugnung besitzen werde, sein Buch mit Hilfe eines Schulmannes umzuarbeiten und bis dahin kernen „moralischen Zwang" auf die Lehrer zu üben, sich leider nicht erfüllt. Soeben erhält Einsender dieses ein antographirtes Crrkular, worin Herr I)r. Adler die Lehrer „ermächtigt", sein Buch einzuführen, yachdem das kurfürstliche Ministerium (auf seinen Bericht) den Gebrauch desselben „gestattet" habe. Dieser Ausdruck „gestattet" erscheint sehr ausfallend, da in analogen Fällen die betreffenden Schulbücher von den Behörden ein geführt werden. Begründet wird von dem Landrabbiner Adler das Bedürfniß eines jüdischen Lesebuches damit, weil es einerseits, auch in religiöser Hinsicht, sehr bedenklich sei, die Bibel (!) als Lesebuch zu aebrauchen; an dererseitS das in Gebrauch bofindliD wegen seiner confessionellen Färbung für jüdische Schüler durchaus ungeeignet sei. Wenn nun nlcht zu leugnen ist, daß der Mangel an einem guten Lesebuche in der That schon lange fühlbar ist, so muß man sich doch wundern über die Gründe, welche der Herr Landrabbiner anqibt, und welche beweisen, wie sehr Ihr geschätzter Correspondent aus Kassel Recht hat, wenn er ihm das Prädikat eines Schulmannes abspricht. Denn die Bibel anlan gend, so ist und war dieselbe wohl in christliche, aber nirgends in jüdische Schulen als Lesebuch eingeführt, wenigstens nicht in Kurheffen; und wo etwa in der Bibel gelesen wird, werden solche Auszüge benützt, die von Schulmännern eigens für Schulen bearbeitet sind, wie die kleine Bibel von Büdinger. Kein Lehrer wird behaupten, daß die Bibel als Lesebuch genüge. Der.Lehrsatz aber , daß dieselbe als Lesebuch zu ge brauchen, „auch in religiöser Hinsicht auf großes Be deuten stoße", muß aus dem Mundo eines Landrabbinen großes Befremden erregen Die Autorität des Landrabbinen genügt denn doch nicht mehr, solche vage und unwahre Floskeln für baare Münze auszugeben: wenn Hr. Oi. Adle r es verlangt, könnten wir ihm das gerade Gegentheil seiner Behauptung beweisen. Ebenso unwahr ist das andere Motiv des Herrn Verfassers, „daß das im Gebrauche befindliche Lesebuch wegen seiner confessionellen Färbung für eine jüdische Schule durchaus ungeeignet sei". Denn das Lesebuch von Schwabe, welches unter Leitung des seligen Nomann und auf Empfehlung des seligen vr. Büdinger emgesührt wurde, hat gar keine confessioneÜe Färbung; und wenn wirklich Christlich-Confessionelles in einem Schulbuche vorkäme, so kann es nur von Nutzen sein, wenn der Lehrer diesen Stoff mit feinen Schülern bespricht. Denkenden jüdischen Kindern würde die durch Vergleichung mit anderen Religionen gewonnene bessere Erkenntniß der eigenen nur Liebe zu dieser verbringen, abgesehen davon, daß heutigen Tages der Umgang mit Bekennern eines anderen Glaubens nicht vermieden werden soll und nicht ver mieden kann. Was wäre denn da auch zu fürchtend Im Gegentheil, nur die Dummheit, die Unwissenheit ist die gefährliche Feindin alles Guten und Wahren! — Schwabens Lesebuch wird über 25 Jahre in unserer Schule gebraucht, und wir haben noch nirgends gehört, daß es schädlich gewirkt hat. Herr!)>-. Adler sagt weiter in dem Circular: