Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1865)
- Date
- 1865-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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324 Jahrhunderte angebetet worden. Der Baal, Kemosch, Moloch, Milkom, hatten sie nicht große und zahlreiche Nationen zu Anbetern? Einerlei. Wenn der süße Honig der Lüge Labung bringt, wozu nach der Wahrheit streben? Allein, das Schädliche muß der Sorgsame bei Seite schaffen. Es bedarf der vereinten Kraft Vieler, um den Bethörten die Augen zu öffnen. Eine Schädigung des Judenthums durch solche, dem wahren Judenthum Kräfte entführende Vereine, besteht in der That. Verlockungen durch materialistische Opfergaben, als: Versorgung für Mann, Weib und Kind sind die Stricke, nütt'lst welcher das Opferthier zu dem Götzen Moloch hingezogen wird. guiä nimis! Es ist Gefahr für das Judenthum im Verzüge! Ich habe deshalb den hochgestelltesten Herren Rabbinen in unserer Mitte Vorstellungen gemacht, sie haben mir Beifall gezollt, das Gist durch ein wirkendes Gegengift zu paralysiren. Und wie? — So höret! Die Lehrer sind die eminentesten Sangadern, welche dem ewigen Stamme des Judenthums frische Säfte zuführen. Sie sino die Hände Mobs im Kriege gegen Amalek. Sinken jene, erhebt sich dieses. Also nicht um der Persönlichkeit, sondern um der Sache, um des heiligen Zweckes willen suche man die Lehrer im Gelmse des gesetzestreuen Judenthums zu erhalten, die daraus entwichenen diesem wieder zurückzuerobern. Auch hier muß der Grundsatz: xa 1^2 .-illM Geltung finden. Bietet ihnen nicht me 1ir, sondern NM dasselbe, was der Feind als Handgeld im Leben und nach ihrem Tode ompiocheu. Bedenket: „Kummer ist ein böses Naß!" Der Gedanke an die trüben Tage des Alters und der Dienstunfähigkeit, an die Üiiversorgthüit des zurückznlaffenden Weibes und der Kinder wiegt gar schwer in der sichern Wagschale des herben Lehrerlebens. Der Hoffnungsstrahl, und wenn er auch von Westen herüberleuchtet, von diesen betrübenden Gedanken und Sorgen sich durch ein leichtes Mittel zu befreien, ist zu verlockend, als daß der Hilfe-Verlangende der darauf berechneten Propaganda widerstehen sollte. Denn die meisten Lehrer mit wenigen Ausnahmen betraten mit Beginn ihres Amtes eine Brücke, unter welcher das Elend fließt, ein Strauch el — und der Sturz in's Elend ist unvermeidlich. Daher die Stoiker, die Indolenten, die Abtrünnigen in der israel. Lehrerwelt. Ich bin fast 25 Jahre im Amte. Ich spreche aus Erfahrung und offenherzig. Ein großer Geoanke, der mich im Jahre 1857 und 1859 Generalversammlungen der isr. Lehrer des Gr. Hessen nach Offenbach und Darmstadt berufen ließ, das Streben nach einem Lehrerverein, beschäftigt mich noch heute. Er ist ausftihrbar, wenn nur die hochwürdigen Herren Rabbinen ihr Scherflein dazu beitragen mögen. Lastet es mich vollkommen aussprechen: „Es muß ein Lehrerverein für sämmtliche „Lehrer Deutschlands gegründet werden, zur „Versorgung der Invaliden unter ihnen undderWitt- „wen und Waisen derselben." ll. Ist das schwierig? Wohl, aller Anfang ist schwer, aber wenn doch ein solcher heiliger und wichtiger Zweck erreicht werden soll und kann, wer wird feige von vornherein davor zurückschrecken? Oder glaubt Ihr, es gebräche an Mitteln? Wohl, wenn diese aus dem dünnen Säckel der Lehrer allein entnommen werden sollen, daun möchte ich ob des Gelingens selbst Zweifel hegen. Aber sind nicht die unermüdlich das Gute erstrebenden Herren Rabbinen da, welche durch ihr feuriges und anfeuerndes Wort ihre Gemeinden mit fortreißen dahin, wo dem Judenthum ein neues Palladium zu erringen ist, wodurch die Lehrer mit den Gemeinden sich enger verbinden und diesen ein größeres und innigeres Streben nach Hebung des Judenthums in sorgsamer religiöser Erziehung der Jugend auferlegen werden? Wird doch ein solcher Verein das unverwüstliche Band, welches sämmtliche Lehrer Deutschlands mit den Rabbinen des gesetzestreuen Judenthums auf's Engste umschließt, ein Organismus, der von oben herab auf die entferntesten Glieder, und dies durch das Ganze, gleichmäßig wirkt! Aber die Mittel? — Ein Aufruf der Herren Rabbinen um allgemeine Spenden zur Gründung des ersten Fonds; Ausgabe von jüdisch-religiösen Werken, deren Reinertrag der Vereinskasse zufließt; jährliche Beitrüge der Lehrer selbst; Ausstellung eines Opferstocks in den Synagogen für Lehrerwiltwen und -Waisen, — das sind die Mittel, welche geboten werden können und der Existenz wie Consistenz des Vereins eine Dauer versprechen. Obgleich der Jüngste aus meines Vaters Haus, vielleicht der Geringste unter Euch, — doch erhebe ich meine Stimme mit der Bitte: Achtet auf meine Worte! Lastet uns zusammentreten, Ihr Herren Rabbinen und Ihr Collegen aus allen uns befreundeten Gauen Deutschlands. Wo? — wann? — sobald die mir darüber werden Entscheidung ertheilt haben. So lastet mich abziehen in Frieden zum Segen und zum Heil mit Gott und in seinem heiligen Ramm. Amen! Büdingen, 26. Mai 5625 OLLensoser, Lehrer.