Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1865)
- Date
- 1865-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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306 seinem Schwerde nehme jeder seinen jungen Storch in seine Hand! Wir wollen uns aufmachen und die Stadt angreifen auf der Seite, wo die Schlangen und Skorpionen sich befinden." — Das Volk that, wie der König befohlen, und sie zogen hin, ein jeder seinen Storch in der Hand, und als sie der Stadtseite nahe waren, wo die Schlangen sich befanden, da befahl der König: „Lasset jeder seinen Vogel los gegen das Gewürm!" Das Volk that so, und hin stürzten die Störche auf Schlangen und Skorpionen und tödteten sie allesammt, daß auch nicht ein Wurm am Leben blieb. Als aber der König und sein Volk die Schlangen und Skorpionen all getödtet sahen, erhoben sie ein mächtiges Kriegsgeschrei und rückten im Sturme gegen die Stadt und griffen sie an und nahmen die Zugänge ein und drangen in die Stadt, und es fielen an diesem Tage von dem Volke der Stadt Tausend und ein Hundert Mann, indeß von den Belagerern auch nicht Einer geblieben war. Die Aethiopier kamen ein jeder wieder zu seinem Hause, zu seinem Weibe und seinen Kindern und zu Allem, was sein war. Bileam, der Zauberer aber, als er gesehen, daß die Stadt eingenommen werde, war zu dem andern Thore geeilt; er öffnete es und entfloh mit seinen beiden Söhnen und mrt acht Brüdern, und kehrte nach Aegypten zurück, zu Pharao, dem König von Aegypten. — Sie sind die Zauberkünstler, von denen in der Schrift es heißt, daß sie gegen Moses aufgetreten, als der Herr die Plagen über Aegypten schickte. (Fortsetzung folgt.) Die Londoner Juden. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Hirsch Grünebaum. (Schluß.) Sie verleihen ebenfalls Geld ohne Zinsen an arme Frauen, verzichten jedoch gewöhnlich aus die Zurückzahlung; obschon sie stets dafür einen bestimmten Termin festgesetzt haben. Dieses geschieht nur, um die Armen an Sparsamkeit und Selbstbeherrschung zu gewöhnen, ein Ziel, das von jeder Verwaltungsbehörde jüdischer Wohlthätigkeits-Vereine stets im Auge gehalten wird. Sie bezahlen auch die Ausbildung junger Mädchen zu Köchinnen in den betreffenden Anstalten. Häufig zahlen sie sogar das Lehrgeld für arme Knaben, die ein Handwerk lernen wollen. Ein anderer bewunderungswürdiger Verein, der von jüdischen Damen gegründet worden, ist die Levovotent Loav 8oeiet^. Es existtren noch mehrere Wohlthäligkeitsanstalten, die durch Privat-Wohlthätigkeit gestiftet sind und unterhalten werden. Erwähnen? wir das jüdische Waisenhaus in Orouvck, Llrockraari s k'iotä«, und das Hospital in lUils Luck, welches jetzt in das prächtige Gebäude, das vorigen i Sommer in tUwsieröffnet wurde, verlegt wird. Mit Recht wirft man die Frage auf, wenn die jüdische Bevölkerung Londons sich nur auf 41,OM See len beläuft, wozu dieser außerordentliche Geldaufwand für Armenunterstützung? Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, daß die Zahl der Armen, die von ihren wohlhabenden Brüdern Lebensunterhalt, Erziehung und sonstige Unterstützung erhalten, nicht geringer als 8000 ist. Unter der übrigen Londoner Bevölkerung kommt auf je 27 Wohlhabende ein Bedürftiger, während bei den Juden je 5 Reiche einen Armen zu erhalten haben. Dieses sind jedoch nicht einmal ihre eigenen Arme, sondern zum größten Theil vom Continent Eingewanderte. Zur Ehre der L. I. muß ich noch erwähnen, daß sie, obgleich sie ihren Armen un tersagen, unseren Unterstützungskassen zur Last zu sallen, nichtsdestoweniger zu unseren Armrngeldern bedeutende Beiträge spenden. Kaum dürfte wohl in ganz London ein einziger christl. WohlthätigkeitSverein sein, der nicht einige wohlhabende Israeliten zu sei nen freigebigsten Mitgliedern zählt. Nachdem Herr Gilbert auf diese Weise die Zustände der Lond. Juden geschildert, wirft er noch einen vergleichenden Blick auf die christl. Wohlthätigkeitsanftalten und schließt mit folgenden Worten: „Diese großartigen Anstalten Londons werden durch nur 400 jüdische Familien unterhalten, von denen viele zwar sehr reich sind, jedoch keinesfalls in dem Grade, auf den eine so wunderbare Thätigkeit schließen läßt. Wahrhaft beschämend ist es für uns Christen, wenn wir die Subskriptionslisten zur Armen - Unterstützung in die Hand nehmen und die Beiträge unserer Mobilitäten und großen Grundbesitzer mit denen der Juden, die unter uns wohnen, vergleichen. Notiren wir z. B. die Namen Rothschild, Cohen, Goldschmidt und Montefiore und ihre Beiträge, und vergleichen diese mit denjenigen von uns, deren Reichthum im Verhältniß das Vermögen der Israeliten nur als mittelmäßig erscheinen läßt, so können wir keineswegs stolz auf die Ergebnisse sein. Warum uns die Juden im Wohlthun und in guten Werken so sehr übertreffen, weiß ich nicht. Unsere Religion gebietet dieses wenigstens eben so gut, als die jüdische. Die Verschiedenheit in der Ausübung jedoch ist eine Frage, die nicht allein dem Nachdenken eines Philanthropen, sondern dem eines jeden Christen unseres Landes anempsohlen werden dürste." —