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Der Israelit · 1865-05-10 · Heft 19 (10.5.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 19 (10.5.1865)
Date
1865-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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268 hast bei ihrer Bitte und schritten immer fort in ihrem Streben, bis es endlich dem Herrn Oberrabbiner M. Lieb mann und den geehrten Vorstehern, Herrn H. L. Stern und Herrn M. Bader, vor ungefähr einem Monate gelang, daß der Wochenmarkt durch Gewährung der löblichen Statthalterei zu Ofen von Sabbat auf Freitag verlegt wurde und in dieser Regel schon auch abgehaltcn worden ist. Es wurde damit viel zur Erhaltung des Sabbattages gethan, indem jetzt doch keine öffentliche Entweihung geschehen wird. ""d Herzerhebend ist es anzusehcn, wie selbst Individuen, die bis jetzt den Sabbat entweiht haben, sich freuen, von nun an den Sabbat in gehöriger Weise feiern zu können, es bewährt sich auch da der Spruch unserer Weisen: rn.-i dk->L". Besonders ist dje huldreiche Gewährung der Statthalterci hervorzuheben, wenn man in Erwägung zieht, daß vor circa drei Decennren im ganzen Comitate kein Jude wohnen, ja in manchen Orten auch nicht hausiren gehen durste; wahrhaft traurig war es da, wenn ein Jude durch manchen dieser Orte zu gehen hatte, bei'm Sonnenlichte sich aber der größten Gefahr hätte aussetzen müssen, wie er da seine Zuflucht zur einsamen und finstern Nacht nehmen mußte, und da auch baarfuß durch die Gassen zu gehen genöthigt war, um nicht bemerkt und — gesteinigt werden. Der vorige Regent schon gestattete den Juden, in einem Theile dieses Comitates zu wohnen; der huldvolle und humane Wahlspruch unseres jetzigen erhabenen Kaisers, „Gleiches Recht für Alle," brachte die Erlaubmß für das ganze Comitat; und so haben jetzt selbst in den Städten Schemnitz und Kremnitz, wo die berühmtesten Silber- und Goldgruben Ungarns sind, mehrere jüdische Familien ihren Wohnsitz. Möge dieses Factum noch vielen Gemeinden, in welchen ebenfalls auch der Wochenmarkt auf den Sabbat fällt und großen b'.b'N veranlaßt, zum Beispiel dienen, damit sie für die heilige und wichtige Sache sich verwenden, und wenn sie es mit Ernst anstreben werden, so wird ihr Resultat gewiß ein günstiges sein. Den edlen Herren in Lewenz, die sich der Sache so warm annahmen, möge der giitige Vater ihr Bemühen im reichsten Maaße belohnen! Mögen sie aber auch in dem Bewußtsein, zur Erhaltung der heiligen Religion beigetrogen zu haben, reichlichen Lohn sinden! Leopold Klein. Literarischer Gericht. Die Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Kenntniß in London hat vor einigen Wochen ein sehr gediegenes Merkchen des Herrn Rabbiners Or. Hermann Adler in London veröffentlicht, das eine Erwiderung auf die arrogante, kritische Exegese der Bibel des Bischofs De. Colenso enthält. Es dürste von Nutzen ' sein, einige Auszüge der Adler'schen Schrift vorzu-! führen. In der Einleitung sagt er unter Anderm: „Denke dir, du hast einen Freund, den du sehr liebst und achtest, einen Freund, dem du dein ganzes! Leben lang als deinem Rathgeber dich anvertraut hast,! der dich in Zeiten der Sorgen und des Unglücks sanft! getröstet, dich weise in den Zeiten des Glückes und j der Freude ermahnte, einen Freund, den du hieltest für die verkörperte Treue, Tugend und Weisheit. Und denke dir, eines Tages wird dir erzählt, du hättest dich schrecklich geirrt in deinem Freunde. Er wäre in ein fremdes Land gegangen und dort hätte man in ihm einen Betrüger entdeckt, dessen Grundsätze auf Falschheit und Täuschung gestellt, und seine Täuschungen wären unzweifelhaft durch seine eigenen Worte und Thaten erwiesen. Du würdest bei dem bloßen Gedanken eines Vorwurfes gegen den Charakter solch' eines Freundes bestürzt sein. Du würdest unwillig deinem Berichterstatter tagen, es wäre unmöglich; Niemand würde es wagen, in deiner Gegenwart ein Wort der Beschuldigung gegen deinen theuren Freund zu erheben. Du wärest entschlossen, seine Ehre zu retten, und kostete es deinen letzten Blutstropfen. Allmählich jedoch würde die Aufwallung deines Unwillens Nachlassen, und das Gefühl einer ernsten Pflicht bei dir erwachen. Du würdest sagen, ich will hinausziehen und sorgen, daß man mit meinem Freunde nicht unehrlich Spiel treibt, daß kein zweifelhaftes Zeugnis; gegen ihn angenommen wird, daß seine Worte, die in einer bei seinen Anklägern ungebräuchlichen Zunge gesprochen sind, nicht falsch ausgelegt, und seine Handlungen nicht falsch dargestellt werden von denjenigen, welche den Geist seines reine:: Lebens nicht verstehen. Die Bibel ist dieser unser Freund; den Juden ein so großer Freund, wie es kein Anderer als ein Jude ausdrücken kann. Sie mar sein Führer, sein Nathgeber, sein nie trügender Freund, ihm Lheuer geworden als der einzige Ueberrest des alten Ruhmes seines Stammes, von ihm geliebt als der große Trost seiner Verbannung und bewahrt von ihm als die Hauptquelle seiner theuersten Hoffnungen hienieden und im Jenseits. Auch ist diese Liebe nicht eine nur selbstsüchtige Liebe. Denn die Bibel, die der Freund des Juden gewesen ist, ist der Freund der ganzen Welt geworden; und der Jude, indem er sich gläubig für bevollmächtigt als ihren Hüter hält, betrachtet es als seine Pflicht, sie zu beschützen, nicht nur um ffiner selbst willen, sondern auch für die ganze große Menschheit. Dieser Freund eben, diese Bibel — ist in ferne Lande gewandert, ihr Einfluß hat sich weit und breit ausgedehnt und sie bot den besten und weisesten der Menschen eine Richtschnur süb ihre Thaten in allen

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