Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 11-12 (15.3.1865)
- Date
- 1865-03-15
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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167 was sie wollen und sind nicht eingeweiht in die höhere Kenntniß der Gemeindeführung, so begeht Ihr (in leichterem Grade natürlich) ein ähnliches Verbrechen wie die Freidenker, die mit Geringschätzung auf die Masse sehen, die noch in ihren Voruri heilen befangen, wie sie es ausdrücken, einem tausendjährigen Jrrthume nachhängen; denn Euch so gut wie diesen bleibt noch der kleine Zweifel: hat nicht vielleicht die Menge doch Recht? und da dieser Zweifel aus dem Bewußtsein unauslöschlich und die Wichtigkeit und Heiligkeit der gefährdeten Interessen alle anderen Bedenken und Einwände besiegen müßte, Ihr wie diese aber zu schwach seid 1212^2 122212-, Euren Sinn nachgiebig zu zeigen, so liegt eben ein Fehler wie der des 2"lir>v 10222 nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit. Aber was verschwenden wir Zeit und Mühe. Kennen wir doch das Wort des verewigten größten Kanzelredners der Gegenwart, der in der Metropole der Intelligenz, die weniger durch Reinheit der jüdischen Gottesfurcht sich auszeichnet als unser frommes Hamburg, es klagendaussprach, daß die eindringlichsten Reden im günstigsten Falle nur als Ohrenschmaus hingenornmen werden, wo der übermüthige Eigendünkel der vorgefaßten Meinung sich, sperrend in den Weg stellt, und wir sehen nur zu deutlich ein, daß Worte leicht echte Gesinnungsgenossen stärken, ungeheuerschwer aber bei Menschen Eingang finden, die, nachdem sie einmal einen Fehltritt gethan, sich immer tiefer in ihr Princip hineinrudern. Und doch vertrauen wir noch aus den Sinn dieser Biedermänner Seid Ihr jetzt die Männer, deren Gewicht entscheidend niederfallen wird in die Waagschale der Gemeindegeschichte Hamburgs und indirect des Judenthums, so freut Euch nicht dünkelhaft dieser Stellung, sondern thut einen Schritt, der von jeher als die größte That aller geschichtlichen Ereignisse betrachtet wurde, entschließet Euch den Weg zurückzugehen, den Ihr in bester Absicht getban, der aber von den entschieden Gesinnungstüchtigen gemißbilligt wird, --.122 TU'x 122' nx und hebt den schreienden Widerspruch auf, daß Ihr, die Ihr streng?,i222 pnpn? nach altjüdischer Art, sogar dem Thoralernen bestimmt, nicht j mit dem Gemeinwohl leichtfertiger umgeht, als Ihr es für Euer Haus verantworten wollt. Gebt nach, und die ganze Welt wird Eure Seelenstärke und Gesinnungstüchtigkeit bewundern! Machet Hamburgs jüdische Gemeinde so groß, wie sie zu sein verdient, handelt, wie Ihr als gesetzestreue Majorität könnt und müßt, seid rücksichtsvoll nur da, wo es nach aller Ansicht keine Gefahr für die Religion herbeiführt! Wir Alle kennen den Glanz des jüdischen Lebens in Hamburg mit feinen Synagogen, Lernvereinen, Wohlthätigkeitsvereinen als sehr groß. Wo finden wir in Deutschland eine solche Vereinigung von Talmudisten, unter denen einige ersten Ranges? Leider ist unser größter Gelehrter '"2 lis- 22N schon lange leidend; der Herr schenke ihm seine vollen Kräfte wieder zu seinem und unserem Glück! Für die Besetzung der Leb Schoulschen Klaus wird das Curatorium jetzt endlich bald die nöthigen Schritte thun, um für dieses gut dotirte Stift eine talmudische Autorität zu engagiren. Fürwahr, eQTix kann man Hamburg nicht absprechen. Wenn man bedenkt, daß neben allen Klausrabbinern noch der gelehrte Herr Rabbiner Di-. Liepschütz durch seine Vorträge in einem Privatverein seine Existenz begründet, wenn neben der Talmud Thora noch eine treffliche jüdische höhere Bürgerschule unter der Direktion des Herrn l)r. Koreff trotz des hohen Schulgeldes uires. 100 Schüler zählt, wenn man sieht, wie am Sabbat, wo das rege Geschäftsleben die jüdische Bevölkerung etwas zur Ruhe kommen läßt, Hunderte von lernbegierigen Hörern in die Chebroth eilen, so bekommt man einen kleinen Begriff von der Fülle dieses echt jüdischen Fonds, der in Hamburgs jüdiscker Bevölkerung tief wurzelt. Hoffen wir und bete wir zum Allgütigen, daß vor Allem das fleißige Gemarastudium mit seinem wohlthätigeu Einfluß auf Geist und Gesinnung und eine gedeihliche Gemeindeführung draußen und fleißiges Hochhalten unserer heiligen Lehre in unseren Fa^ Milieu sich zur Verherrlichung der Thora immer mehr gegenseitig durchdringen I N'IX'I 71217! d'22' 1P22 ,71 Berantworttiche Redaktion: vr. Lebmann. -- Verlag der Le Roux'schen Hsfbu»bandlung. — Dampf<Scbnellpreffendruck von I. Äotrs leien in Main;.