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Der Israelit · 1865-03-15 · Heft 11-12 (15.3.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 11-12 (15.3.1865)
Date
1865-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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144 aus schon vorhandenen Lesebüchern und durch Hinzufügung einiger selbstverfertigten Lesestücke ein neues Schulbuch zusammenflicken, unbekümmert darum, ob man, wie Lessing sagt, zu bedauern habe, daß das Gute darin nicht neu, und das Neue nicht gut sei,— so gehört zur Abfassung eines Lesebuches unstreitig eine ungemeine Belesenheit des Autors, die diesem eine vernünftige Auswahl erleichtert, ein feiner Geschmack, der ihn glücklich sein läßt in der Wahl des Ausdrucks, ein leichter, fließender Stil, nach welchem die Jugend den ihrigen bilden kann, und Präcision und Correctheit, welche klare Auffassung und richtiges Verständniß ermöglicht. Nur wenige christliche und jüdische Schulmänner vermögen diesen Anforderungen nach allen Seiten hin zu genügen; haben die Einen die nothwendige wissenschaftliche Bildung, so fehlt ihnen die praktische Lebensanschauung der Andern, oder die Bekanntschaft mit dem Volksleben; vermißt man bei Diesen die hinlängliche Vertrautheit mit der einschlägigen Jugendliteratur, so geht Jenen die Leichtigkeit des Stils ab, oder sietreffen nicht den der Jugend und ihrer Auffassungskraft entsprechenden Ton. Die besten Lesebücher, die dem Einsender bekannt sind, sind daher von mehreren Verfassern, beziehungsweise Herausgebern,*) zusammengestellt, und weit entfernt, darin ein Schwachheitszeugniß zu erblicken, verdient eine solche Bescheidenheit vielmehr alle ehrende Anerkennung. Denn sie verträgt gar wohl sich mit dem sittlichen Ernst, welcher jeden wackern Schulmann durchdringt, der bei Edition eines Schulbuches die Schuljugend meint, für die es bestimmt ist, — nicht sich selbst. — Daher hat es nicht allein den Einsender dieser Zeilen befremdet, daß Herr Landrabbiner Or. Adler sich bewogen fühlen konnte, ein solches deutsches Lesebuch für israel. Schulen zu fertigen; es hat auch in weiteren pädagogischen Kreisen Aufsehen erregt. Herr Or-. Adler hat augenfällig eine Arbeit unternommen, der er nicht gewachsen ist. Sein Lesebuch ist in der vorliegenden Form und Jheilweise nach dem gegebenen Inhalt ein verfehltes Unternehmen, abgesehen noch von den vielen Sprach- und logischen Fehlern, die es enthält. Wenn wir diese Behauptung in dem Nachfolgenden zu begründen versuchen, ist es keinesweges unsere Absicht, die Fähigkeiten und das sonstige Verdienst des Herrn ör. Adler schmälern zu wollen, noch den guten Willen zu verkennen, der ihn zur Herausgabe dieses Buches bestimmte, wodurch er vielleicht glaubte, der israel. Schule und ihren Lehrern *) Wir nennen beispielsweise die „Lebensbilder", zu deren Herausgabe sich vier namhafte Pädagogen vereinigt haben: der Direktor der ersten Bürgerschule in Dresden (Berthelt), der Dircctor der evangelischen Freischule das. (Peter mann), der Direktor der ersten Bezirtsschule das. (Täkel) und der ord. Lehrer der Bürgerschule in Leipzig (Thomas). einen wesentlichen Dienst zu erweisen. Der Einsender weiß wohl, wie unbillig es ist, einen allzuscharfen Maaßstab an die Leistungen eines Beamten oder eines Schriftstellers anzulegen, und daß wir Alle im Bewußtsein unserer Schwäche gegenseitig Nachsicht zu üben haben. Allein ein Anderes ist es mit den Anforderungen, die das gebildete Publikum an den Schriftsteller oder Redner stellen darf, ein Anderes mit denjenigen, welchen zu genügen die geistige Unmündigkeit der Jugend gebietet. Mag ein Redner immerhin auf der Kanzel oder auf dem Katheder sich Sprachunrichtigkeiten zu Schulden kommen lassen, es wird Niemandem einfallen, mit ihm darüber zu rechten; man geht zur Predigt, um sich zu erbauen, nicht um deutsche Sprache zu lernen, und übersieht gern über einem gediegenen Inhalt Vernachlässigungen der Form. Doch bei einem Schulbuch hat man die Berechtigung und Verpflichtung, einen strengern Maßstab anzulegen; denn hier steht die große Aufgabe der Jugendbildung in erster Linie und fordert gewissenhafte Beachtung. Nach dieser allgemeinen Vorausschickung gehen wir zur speciellen Besprechung des Buches selbst über. Ein Lesebuch überhaupt ist sowohl für gehobene Bürger- und Töchterschulen, wie für die unteren Volksschulen von gleicher Wichtigkeit. Für Kinder auf dem Lande bildet cs oft den einzigen literarischen Hausschatz, und danach kann man die Bedeutung eines deutschen Buches ermessen. Die Aufgabe eines Lesebuches für die Volksschule ist eine dreifache. Es muß das Material bieten zu einem verstand - und sprachbildenden Unterricht und daher möglichst viel Uebungsstücke von verschiedenen Redegattungen enthalten; die dadurch erzielte Geistesbildung nennt man die Formeln; es muß ferner durch Mustergiltigkeit des Inhaltes und den ästhetischen Stoff auf die ideale Bildung veredelnd einwirken; und endlich durch zweckmäßige Mittheilung aus dem Gebiete der Geschichte und der Naturwissenschaften der realen Bildung der Jugend Rechnung tragen. (Fortsetzung folgt.) Gericht über die Entwickelung der Falascha-Angelegenheit und Beurtheiluug der hierbei gemachten Vorschläge. Von ür. Uiläesbeimer. (Schluß.) Im Decemberhefte des in Triest in italienischer Sprache erscheinenden ,»Oorrisrs lswselitieo " ist der Aufruf über die Falascha's veröffentlicht. Besten Dank dafür der löbl. Redaktion und dem hochverehrten Be-

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