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Der Israelit · 1865-02-01 · Heft 5 (1.2.1865) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 5 (1.2.1865)
Date
1865-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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66 Dänemark. Kopenhagen. Die dänischen Blätter veröffentlichen den Entwurf der neuen Verfassung für das Königreich Dänemark. Der Artikel 79 desselben lautet: „Me Bürger können Gott nach ihrer eigenen Ueberzeugung dienen, vorausgesetzt, daß ihre Religion weder mit dem allgemeinen Sittengesetz, noch mit der Ordnung des Staates in Widerspruch steht. Kein Bürger ist verpflichtet, zu irgend einem Cultus beizusteuern, dem er nicht selber angehört. — Der Z. 62 bestimmt, daß Niemand in Folge seiner Religion der bürgerlichen oder der politischen Rechte beraubt werden kann, daß hingegen auch Niemand durch Vorschützung religiöser Vorschriften sich von seinen bürgerlichen Pflichten befreien kann. (I. Chr.) Afrika. Tu«i-. Die gesammte Bevölkerung der Regentschaft von Tunis beläuft sich auf 200,000 Araber und Kabilen, 40,000 Juden und 24,000 Europäer, unter welchen sich 9000 Engländer und Franzosen, 13,000 Italiener und nur 300 Deutsche befinden. (E. I.) Feuilleton. Mahrüm Mersthenburg. Von (Fortsetzung.) 2. In Worms, der alten Stätte, Die sich so treu bewährt, Wird eine Sepher-Thora Vor allen hochgeehrt. Geschrieben wie die andern Auf reines Pergament, Erhebt sie nur der Name, Nach welchem man sie nennt. — Mahräm Merothenburg saß Gefangen und allein, Da fühlt er, daß sein Ende Ganz nahe dürfte sein. Er will nicht, daß die Thora, Ein Werk der eignen Hand, In Feindes Macht gerathe, Wohl gar zu Schimpf und Schand. Er schließt sie wohl verwahret In ihre Lade ein, Und wirft sie sammt der Rolle Durch's Fenster in den Rhein. Der fließt beim Thurme unten In ungestörter Ruh*, Und führt die heilige Lade Vielleicht den Brüdern zu. Getragen von den Wogen Zieht still die Lade fort, Mahräm blickt durch das Fenster Und spricht das Gotteswort. *) „Mach auf Dich, Herr, zur Wehre! Zerstreu die Feinde Dir! Und bitte, die Dich Haffen, Laß flüchtig sein vor Dir!" Mahräm schaut ihr noch lange Aus seinem Fenster nach, Sie schwimmt in Stromes Mitte Dahin so allgemach. Sie schwimmt so ungehindert Nach Worms, der Stadt am Rhein, Dort steht sie plötzlich stille, Und Niemand hielt sie ein. — Als man die Kist' erblickte, So stehend frank und frei, Da strömt von allen Seiten Die Menschenmenge herbei. Es fahren augenblicklich Der Kähne viel hinan, Der Lade nah zu kommen Gelinget keinem Kahn. So wie ein Fahrzeug nahet, So wendet sie sich ab, Und will man sie umringen, So sinkt sie tief hinab. ES steigen hoch die Wellen, Es schäumet wild die Fluch, Als ob der Sturm sie peitschte Mit fesselloser Wuth. Da spricht ein Jud' zum andern: „Ich weiß nicht, was mich treibt; Ich möcht' es gern versuchen, Ob uns der Sieg verbleibt. Willst Du es mit mir wagen, Besteigen wir den Kahn, Versuchen, trotz den Wogen, Der Stelle uns zu nah'n." Sie stiegen in den Nachen Und rudern kräftig zu, Und Wunder! augenblicklich Wird auf dem Strome Ruh'. Die Lade selber schwimmet Entgegen ihrem Kahn, Und legt sich an denselben, Wie bittend, ruhig an. *) 4. B. M. 10, 35.

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