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Der Israelit · 1865-02-01 · Heft 5 (1.2.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 5 (1.2.1865)
Date
1865-02-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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64 trag an die Kommission mit Prüfung des Antrags des Herrn vr. Malß wegen freier gewerblicher Niederlassung Fremder verwiesen und dieselbe mit zwei Mitgliedern verstärkt. Thundorf (im Königreiche Bayern), im Te bet. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde ist nur eine kleine, ein s. g. und nur wenige Momente sind aus dem sichgehenlassenden Alltagsleben hervorzuheben Umsoeher muß es aber der Oeffentlichkeit übergeben werden, wenn man in diesen Einöden auf Persönlichkeiten stößt, die in ihrem religiösen Eifer den ihnen gesteckten Wirkungskreis zu klein finden, ihn überschreiten und durch ihr thatenreiches energisches Auftreten beweisen, daß ihr reger Sinn auch jedem andern größern Gemeindeleben zur Ehre gereichen würde. Und auch unsere kleine Gemeinde kann darauf stolz sein, solche Individuen in ihrer Mitte zu besitzen, und jeder Gutgesinnte und besonders Jeder, der wie Schreiber dieses, schon Gelegenheit "hatte, die traurigen Folgen des Materialismus, die dieser in neuerer Zeit auf religiösem Gebiete zu« rückgelaffen, zu verfolgen, wird mit besonderer Genugthuung solche Erscheinungen wie eine Oase in der Wüste begrüßen Weit entfernt, selbstische Sonderintereffen durch schmeichelhafte Lobreden Anderer zu verfolgen, halte ich es um so mehr für meine Pflicht, Oirrv I'Z.-I'?, als dadurch das Ziel zu erstreben gesucht wird, Andere in gleichem Maaße zur segensvollen That anzuspornen, als auch durch öffentliche Anerkennung die betreffenden Personen auf dem einmal betretenen Wege zu ermuthigen, und besonders diesen Zweck hat sie wohl noch nie verfehlt. Die sowohl materiell als intellektuell reichlich gesegnete Familie Cramer dahier ist es, die keine Gelegenheit verabsäumt, ihre feste Religiösität überall zu bethätigen, wo es gilt, die Interessen des wahren, unverfälschten Judenthums zu vertreten, und, Gottlob, immer waren ihre Bemühungen mit dem schönsten Erfolge gekrönt. So war es lediglich bei Gelegenheit der vor mehreren Jahren vorgenommenen Wiederbesetzung des leider nunmehr wieder erledigten Nabbinatssitzes zu Kissingen nur der unausgesetzten Rührigkeit der Familie Cramer dahier zu verdanken, daß in die friedliebenden Gemeinden des Rabbinats Kissingen nicht der Alles zerstörende Geist der sog. „Aufklärung" oder Reform gestreut worden. Und wiedederum stehen wir jetzt an der Wiederverleihung des Kissinger Rabbinatsstuhles. Bei der vorangegangenen, obenerwähnten Wahl hat es harte Kämpfe abgesetzt, bis man zu einem der Orthodoxie günstigen Resultate gelangen konnte. Es ist dieß ganz begreiflich, wenn man bedenkt, daß die frühere Concurrenz um die Kissinger Rabbinatsstelle gerade in eine Zeit fiel, in der noch die alleinseligmachende Reform in ihrer Blüthe stand und der Reiz der Neuheit noch so Manchen zu ihrem Bekenner machte. Ja, das Streben nach Neuerung fanatisirte hier zu Lande einige diensteifrige Zeloten dermaßen, daß sie nach dem Bekanntwerden des Wahlresultats, das zu Gunsten des sel. vr. Lippmann ausfiel, mit handgreiflichen Tätlichkeiten gegen die Stimmführer der orthodoxen Partei drohten. Aber, G. s. D., jetzt ist es anders geworden. Wie überall, so auch im Bayernlande, vermochte die Reform nur auf kurze Zeit zu bezaubern, um dann von der verblendeten Menge mit gesteigerter Verachtung gestraft zu werden. Wenn daher so mancher Pseudocorrespondent der „Allgemeinen" so gerne glauben machen wollte, daß hier zu Lande die Reform so glänzend Propaganda mache, kann ich Sie aus eigener Anschauung versichern, daß sie immer mehr Fiasko macht. Und darin kömmt Ihnen, geehrter Herr Redacteur, kein kleines Verdienst zu, denn es ist nicht zu verkennen, daß der geschätzte „Israelit" sehr viel zur Hebung der religiösen Lage in Bayern beigetragen hat. Beinahe in jeder Gemeinde dieser Gegend treffe ich meinen alten Bekannten, und wird derselbe mit vieler Vorliebe gelesen, während man wohl zehn Stunden und noch weiter in der Umgebung gehen könnte, ohnedem Phil.'schen Blatte zu begegnen. Nur ein einziger schwarzer Fleck brandmarkt das schöne Bayernland, das ist das sog. „Gebirg". Dort ist die Wiege und der Sitz der nivellirenden Neologie und von dort aus werden auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, das ganze Land zu reformiren. Voraussichtlich wird auch bei der Wiederwahl eines Rabbiners zu Kissingen die Reform thätig sein, einen ihrer Apostel dort unterzubringen. Doch, „noch lebt der alte Gott," er wird seinen wahrhaften Bekennern Muth und Ausdauer und schließlich den Sieg verleihen. Soviel ich das Terrain sondiren konnte, kann die Orthodoxie sich ein günstiges Prognostikon stellen. — Unsere Nachbargemeinde Oberlauringen beabsichtigt, mit dem nächsten Frühjahre aus eigenen Mitteln eine neue Synagoge zu erbauen. — I. F...k. Bamberg. Bei dem Bezirksgerichte Bamberg kam am 19. eine Anklage wegen Vergehens der Bigamie gegen Benedikt Scherer, Optikus von Lonnerftadt, zur Verhandlung. Scherer hatte sich im Herbste 1861 mit Gela Bernet von Frensdorf verehelicht. Bereits früher hatte er auf seinen Geschäftsreisen nach Rheinpreußen die ledige Rebekka Zimmermann dortselbst kennen gelernt und war zu derselben in einsehr intimes Verhältniß getreten, welches sie jedoch, da Scherer im Frühjahr 1862 wieder in Geschäften dahin kam, nur unter der Bedingung der Ehelichung fortsetzen wollte. Die Civilehe konnte aus Mangel der nothwendigen Nachweise nicht vollzogen werden, man versuchte nun, die kirchliche Trauung zu erwirken, die auch durch den Religionslehrer Moses Steinweg zu Neuwied im Frühjahre 1862 erfolgte. Auf die Kunde

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