Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1865)
- Date
- 1865-01-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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39 derselbe in Neutamgit auf dem Felde dös Hopfenbaues geleistet, besagt beifolgende Broschüre. UmBukow, in der Mark Brandenburg, woselbst derselbe erst seit 4 Jahren auf dem Felde des Hopfenbaues thätigist, ist bereits bei 200 kleinen Landwirthen der Hopfenbau eingeführt. Bemerken muß ich , daß Herr Flatau wohlhabend und seine Thätigkeit nicht nur uneigennützig ausübt, sondern bei armen kleinen Landwirthen sich selbst mit Geldopfer Bahn bricht, um günstige Resultate für Staat und Volk zu erzielen. Ihm gebührt die Ehre, daß Preußen ein Hopfen producirendes Land geworden. Königsberg. Eine sonderbare Entscheidung ist von dem ostpreußischen Tribunal zu Königsberg jüngst in einem Ehescheidungsprozeß erlheilt worden. Im Jahre 1851 heirathete ein jüdischer Kaufmann ein christliches Frauenzimmer nachdem beide Theile ihren Austritt aus ihrer bisherigen betreffenden Religionsgemeinschaft erklärt hatten, und ihre Ehe wurde in das Civilstandsregister eingetragen Darauf klagte der Mann im Jahre 1863 auf Trennung dieser Ehe wegen böslicher Lerlafsung, und trotz des Antrags der Staatsanwaltschaft auf Nichtigkeitserklärung wurde dieselbe vom Prozeßrichter als bestehend angesehen und auf Trennung! erkannt. Die Staatsanwaltschaft appelirte, und nun er-! klärt d^s ostpreußische Trivunal das Verfahren der i ersten Instanz für unrichtig un) das Verlangen der Anklagebehörde für gerechtfertigt. Das Tribunal! führte zur Begründung aus: ein Jude blecke trotz! seiner Austrittserklärung aus seiner Gemeinde immer! noch Jude, sobald er sich nicht einer der christlichen Konfessionen anschließt, während ein Christ, beziehungsweise eine Christin, durch den Ausrritt aus der Landes-! kirchenicht aufhört, Christ oder Christin zu sein; mithin j habe das gesetzliche Verbot der Ehe unter den beiden in Rede stehenden Personen fortbestanden. Die.! Verordnung vom 3o. März 1847 spreche nur vom Austritt aus der Kirche, aber nicht aus der Synagoge. Oesterreichischer Kaiserstaat.! Wien. Der hier unter dem Namen „Theresien-! kreuzer-Verein" schon viele Jahre bestehende israeli-! tische Unterstützungs-Verein, welcher sich zur Aufgabe! macht, der seinem Schutze empfohlenen Jugend unenti geistlichen Schulunterricht angedeihen zulaffen und die-! selbe zu bekleiden, feierte vorgestern wie alljährlich im! Sperlsaale das „Chanukasest" in Verbindung mit einer Vertheilung. Der Sperlsaäl glich einem Bazar en miniature; ringsherum waren Tische mit Spenden überladen und auf beiden Seiten des Saal-Eingangs ' standen etwa fünfihalbhundert Körbchen mit Obst und! Backwerk für die Kleinen bereit. In der Mitte des : Saales lagen auf einer geschmackvollen langen Tafel i feine weibliche Handarbeiten der Schülerinnen. Im! linken Nebensaale hatten sich auf der einen Seite 220 Knaben und auf der anderen 200 Mädchen eingefuNden. Es erhielten die 220 Knaben 97 Winterröcke, 112 Paar Beinkleider, 220 Paar Stiefel, 82 Hemden, 77 Unterbeinkleider, 68 Westen, 92 Paar Strümpfe, 62 Paar Handschuhe, 110 Halsschawls, 92 Halstücher, 12 Kappen, 144 Paar Stutzerl, 24 Kamaschen, 20 Hüte und viele einzelne Kleidungsstücke. Die 200 Mädchen erhielten 190 Kleider, 11 Jacken, 3 Stoffe zu Kleidern, 7 Mäntel, 85 Varchentröcke, 110 Schürzen, 200 Paar Stiefeln und 800 andere Kleidungsstücke als: Hauben, Umhängtücher, Hemden, Strümpfe, Sacktücher, Muffen,' Hüte, Handschuhe re. — Zahlreiche Gäste, welche dem Wolthätigkeitsakte beiwohnten, kauften von den ausgestellten weiblichen Handarbeiten mit reicher Ueberzahlung. (W. Ll.) Frankreich. (Jüdische Briefe von Albert Cohn VII.) Das Jahr 18l6 war für Frankreich ein trauriges Jahr. Die Israeliten duldeten gerade so wie die übrigen französischen Bürger, und sie machten alle Anstrengungen, um ihre Ausgaben allmählich zu vermindern. In der Synagoge wurde am 21. Januar eine Gedächtnißfeier zu Ehren Ludwig XVI. durch die Vorlesung seines Testamentes begangen. Am 23. Februar 1817 fand eine Trauerfeierlichkeit zu Ehren des verstorbenen Abraham Furtado, welcher im Jahre 18 -6 Präsident der Notablenversa'mmlung gewesen war, statt. Derselbe starb als Mairadjunkt von Bordeaux. Im Jahre 1818 wurde der berühmte Lovy, welcher vorher in Fürth, Mainz und Straßburg fungirt hatte, als Chasan engagirt. Da der finanzielle Zustand der Gemeinde ein noch sehr ungewisser war, so wurde das Engagement vorläufig nur auf 3 Jahre getroffen. Im Jahre 182^-, bei Gelegenheit der Ermordung des Herzogs von Berry, ermahnte das Centralconsistorium alle Israeliten, an der allgemeinen Landestrauer Lheil zu nehmen und sich jeder freudigen Zusammenkunft Aufenthalten; am 24. März desselben Jahres fand in der Synagoge eine Trauerfeierlichkeit in Folge jenes traurigen Ereignisses statt. Bei Gelegenheit der Geburt des Herzogs von Bordeaux wurden 14 Bräute von der Stadt Paris ausgestattet, von denen '<2 der katholischen, eine der lutherischen und eine d-r reformirten Religion angehörten. Das isr. Consistorium beschwerte sich hierauf bei dem Seine-Präfekten, dem Grafen Chabrol und beklagte sich darüber, daß nicht auch eine jüdische Jungfrau an dieser Wohlthat Theil haben sollte, da doch die Asraelit'N. wie alle andere Staatsbürger ihre Wichten erfüllten und dieselben überhaupt den übrigen Franzosen gleichgestellt seien. Graf Cha-