Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1865)
- Date
- 1865-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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31 nur da, wo es sich um die Gotteslehre selbst handelt, zu und auch da nur, insofern der Inhalt der Gotteslehre in Betracht gezogen wird, nicht aber, wo von unserer Erkenntniß die Rede ist; diese ist allerdings der Entwickelung fähig, wie wir es bereits oben dargelegt haben. Wie wir nur Einen Gott haben, so haben wir auch nur Einen Lehrer: Mosche; und Alle, die als Lehrer unseres Volkes anerkannt sein wollen, müssen im Geiste dieses einzigen Mannes lehren und wirken, d. h. wie Mosche die Lehre von Gott emfing, wie er nur der Bote Gottes, der Ueberbringer der Lehre war, wie er nur aus der Thora und durch die Thora sein Volk belehrte und auf dasselbe wirkte: so müssen alle seine Nachfolger einzig und allein aus der Thora geschöpft haben und nur dasjenige als Lehre und Gesetz verkünden wollen, was unmittelbar aus der Gotteslehre folgt. Josua, die Nettesten, die Propheten, die Männer der großen Synode, die >L>uggot, die Tanaim, die Amorarm, die Saboraim, die Geonim, die Rischonim und die Acharonim bis auf die Heroen jüdischer Gelehrsamkeit in unseren Tagen — sie alle haben gelehrt und lehren in demselben Geiste, wie Mosche ihn von Gott auf Sinai empfing; sie alle haben zur Gotteslehre nichts hinzugethan und nichts davongenommen; die Tekanot, Geserot und Chumrot derabanan sind nur zum Schutze der Gotteslehre von den Weisen unseres Volkes aufgebaut; sie gleichen der Mauer, die der besorgte Eigentbümer um seinen kostbaren Garten zieht, damit die köstlichen Blumen und Gewächse desselben nicht verletzt oder geraubt werden. Die Lehre selbst aber ist weder der Entwickelung noch der Umwandlung fähig. Daher weisen wir die Bestrebungen jener Männer zurück, die da die Art anlegen an die Fruchtbäume des Gottesgartens oder die da fremde Gewächse in das Gehege des Allheiligen hinnberpftanzen wollen. Wir weisen zurück die Bestrebungen eines Holdheim, der da den Sabbat abschaffte, eines Geiger, welcher den heiligen Urtext zu revidiren und zu verbessern vermeint, eines Philippson, der da noch unlängst eines von den 6t3 Gottesgeboten, die Chaliza, hinwegschaffen zu wollen sich erkühnte, eines Löw, der unsern großen Männern einkn Geist des Abfalls zu imputiren die Frechheit hatte — und wie sie alle heißen mögen, die sich nicht vis Schüler Mosches betragen, sondern dem Beispiele Jerobeams nachahmen. Während zu uns die große Menge Israels steht — wer sind die Männer, die die Partei Jener bilden? Es sind das Leute, die den Sabbat entweihen, die Speisegesetze verletzen, nicht den Ehegesetzen gemäß leben, nicht glauben, daß die Thora von Gott gegeben, ja von denen Viele sogar nicht an das Dasein Gottes glauben. Und dieses Aufgeben der Gottesgebote, dieses Verwüsten des göttlichen Weinberges, das wagen die Führer „Entwickelung" zu nennen. Das rechte Wort dafür ist jedoch Zerstörung. Würden die schreib- und redeseligen Führer jener von Gott und Seiner Lehre Abgefallenen der Wahrheit die Ehre geben, würden sie die gegebenen Verhältnisse so darstellen, wie sie wirklich sind, so wäre der Kampf gegen sie ein überaus leichter; denn ihre Grundsätze sind hohl, ihre Ansichten unhaltbar und widerspruchsvoll, und ihr Wirken ist ein ungemein klägliches. Aber sie kämpfen mit den Waffen der Lüge und der Verläumdung. So suchen sie die große Menge glauben zu machen, daß unser Streben für Erhaltung der Gotteslehre nur crafses Festhalten an veralteten Vorurtheilen sei; so suchen sie die Welt zu betbören, indem sie keck in die Welt hinausschreien, die Kämpfer unserer Tage glichen der Opposition, die einst vor einem halben Jahrtausend gegen Maimonides zu Tage getreten. Welck eine Unwissenheit oder welch eine absichtliche Entstellung der Wahrheit thut sich in einer derartigen Behauptung kund! Maimonides, der große Lehrer Israels, war ein echter Jünger Mosche Rabbenus; sein großes Lehrbuch „Jad Hachasaka" ist, wie er es selbst nannte, nichts Anderes als eine Wiederholung der Gotteslehre n-L. Als er im „More Nebuchim" es versuchte, die Lehren der Thora philosophisch zu begründen, da befürchtete man, daß unreife Geister -dadurch zum Jrrthume verleitet werden könnten, da sie die Tiefe des Maimonidischcn Geistes nicht zu ergründen vermöchten. Ans diesem Grunde trat man gegen das große Werk des großen Meisters, der bis dahin unbegrenzte Verehrung genoß und dessen unverstandenes Wort dadurch nur um io gefährlicher war, aus, und in der Hitze des Kampfes hat fick, wohl Mancher zu weit fortreißen lassen. Aber die Verehrer wie die Gegner des Maimonides waren gottesfürchtige Israeliten, von denen Keiner die schriftliche oder mündliche Lehre auch nur um ein Jota verkürzen wollte, wie das ja auch dem Maimonides selber ungemein ferne lag. Jeder Unbefangene sicht, daß es sich damals um ganz andere Verhältnisse handelte, als in der Gegenwart, und daß es nur hieße, das heilige Andenken Rabbi Mosches ben Maimon zu beschimpfen, wenn man die gegen ihn gerichteten Kämpfe mit denen zusammenstellen wollte, welche die kleinen Reformlichter unseres Jahrhunderts hervorgerufen haben. — Mit großem Geschicke und mit einer Klugheit, die der Schlange im Paradiese würdig wäre, bauen sich unsere modernen Reformatoren eine stattliche Brücke, indem sie gleich auf die Kämpfe gegen Maimonides die gegen Mendelsohn folgen lassen. Das ist ein Kunstgriff, der nur zu sehr geeignet ist, das Urtheil der großen Menge zu verwirren; denn von Mendelsohn soll der Uebergang auf den Hamburger Tempel gemacht werden. — Es ist wahr, die Mendelsshn'sche Bibelübersetzung stieß bei den jüdischen Geistesheroen