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Der Israelit · 1865-01-18 · Heft 3 (18.1.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 3 (18.1.1865)
Date
1865-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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30 wie all die Naturkräste, welche im Laufe der Jahrtausende die Menschen durch Beobachtung auffinden, den Körpern schon seil der Schöpfung innewohnen — r?2ll?7 777 V77 b2 p-r — also ist auch die Gotteslehre nichts Anderes als der auf Sinai geoffenbarte Gottesgeist, und auch zu ihm haben die Jahrtausende nichts hinzuzufügen und nicht von ihm hinwegzunehmen vermocht. — Drei große Sabbate nennen uns die Weisen: der erste ist der Weltensabbat (7'L?tt72 72v), da das Universum in seiner Vollendung dastand, und Gott ruhete von all Seinem Werk, das Er gemacht; der zweite ist der Sabbat der Gesetzgebung, da Gott die geistige Welt Seinem Volke auf Sinai offenbarte; der dritte wird der Sabbat der vollkommenen Erlösung sein. Dem entsprechen die drei Segenssprüche in den Sabbatgebeten: 'V'2^7 2?' 7^ 7^7,7 .77k „Du hast geheiligt den siebten Tag für Deinen Namen" 22 77 bp 172P2 7 72722 7^2 H2L" „Mosche freute sich des ihm geschenkten Antheils, da er vor Dir stand am Berge Sinai" — 77k -227 77k 77k P782 77k '2 '7L?' -,2P2 '21 „Du bist einzig, und Dein Name ist einzig, und wer ist, wie Dein Volk Israel, ein einzig Volk auf Erden!" — Die Gotteslehre ist unveränderlich, sie bedarf der Entwickelung nicht, weil sie in sich vollendet und vollkommen ist; sie ist aus demselben Grunde der Entwickelung nicht fähig, denn nur dasjenige, was den Höhepunkt der Vollendung noch nicht erreicht hat, kann sich zu größerer Vollkommenheit gestalten. Wohl ist es möglich, daß wir durch emsiges Forschen neue Gesichts- und Anhaltepunkte in der Thora finden, daß wir bisher unbeachtete Züge und Spuren entdecken, durch deren Beachtung wir unsere Erkenntniß befestigen, unsere Kenntnisse erweitern und neue Anhaltepunkte für den Bau unseres sittlichen Lebens finden, geradeso, wie in der sichtlichen Welt Eigenschaften der Körper entdeckt und Naturgesetze ausgefunden werden, die bisher unbekannt waren. Schon haben unsere Weisen dieses ausgesprochen, indem sie sagten p'7i 7'2d7 7'7pV 72 72/2 d2p b27 N7777b „Was dereinst ein fähiger Schüler in der Thora zu entdecken vermeint, hat schon Mosche von Gott auf dem Sinai empfangen" (Thorat Kohanim, Raschi im Anfänge zu Parafchat 22 7.-12, Megillah l9 d, Tofaphot Jom tob im Anfänge zu Maffechet Abot). Aus dem Gesagten ergibt sich schon, daß wir, die israelitische Nation, der Entwickelung ebenso fähig, wie bedürftig sind. Wir haben oben die drei großen Sabbate erwähnt; am ersten derselben war das Weltall vollendet; am zweiten hat Gott die geistige Welt geoffcnbart; vom Sabbat der Gesetzgebung bis zum Sabbat der vollkommenen Erlösung — mit diesen zwei Endpunkten ist der Weg gezeichnet, den das israelitische Volk zurücklegen soll. Die jüdische Nation hat die Thora empfangen und mit großer Freude und Bereitwilligkeit ausgenommen; sie war aber noch nicht fähig, dieselbe in allen ihren Consequenzen durchzuführen. Gleich nach der Gesetzgebung irrte Israel, da es das goldene Kalb machte, versuchte Gott viele Male, weigerte sich, das heilige Land in Besitz zu nehmen, lehnte sich auf gegen Mosche und Ahron, ward verstrickt von Baal Peor; Wch der Besitznahme des heiligen Landes verfiel Israel wieder und wieder in Götzendienst; Mord und Blutschande waren oftbegangene Sünden, bis Gott Sein Heiligthum zerstörte und unsere Väter aus unserem Heimathlande vertrieb; nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft war Israel zwar vom Götzendienst geheilt, aber Sünde und Abfall blieben mächtig, bis Gott zum zweiten Male Sein Heiligthum zerstörte und uns über den ganzen Erdboden hin zerstreute. Daß wir noch heute nicht das Endziel der erhabenen Absichten unseres Gottes erreicht haben, dafür ist Beweis genug, daß wir leider von Parteien im Judenthume reden müssen. Aber der Weg der Entwickelung ist vorgezeichnet. Wann wir die Gotteslehre vollständig erfaßt haben und ihren erhabenen Lehren und Geboten gemäß leben werden, dann ist der Zeitpunkt der vollkommenen Erlösung da p '72'k 1P22?7 1^1P2 2K 21'7?K2 717 „Wann kömmt der ersehnte Davidssohn? Heute, wenn ihr Seiner (Gottes) Stimme gehorchen werdet". Die Entwickelung, die wir demnach erstreben müssen, ist die, daß wir durch emsiges Forschen in der Gotteslehre und durch die allgemeinste Verbreitung der Erkenntniß derselben vor Allem die Thora richtig und allseitig aufzufassen im Stande seien; dann aber, daß wir uns bemühen, den Geboten Gottes gemäß zu leben und zu handeln und unsere Kinder und Familienangehörige, unsere Brüder und Schwestern, soweit der Kreis unseres Wirkens reicht — und wer oder was möchte demselben eine Grenze setzen? — dahin zu bringen suchen, daß auch sie dem Willen Gottes gemäß denken, reden und thun. Diese doppelte Aufgabe ist auch durch das Wort der heiligen Schrift festgestellt 2'22122 27277 '77L27 P'P77 7772 1777 O'b'22^271 i"pb „Die Erkenntniß lehren, werden leuchten wie der Glanz des Himmels, und die die Menge zur Tugend führen, wie die Sterne für die Ewigkeit". (Dan. 12,3.) Wir sehen also, daß wir noch eine große Laufbahn vor uns haben, daß wir über erzwungenen Stillstand nicht zu klagen brauchen, daß wir vielmehr für eine stete Entwickelung Sorge tragen müssen, bis das große Ziel der 72-2' 7bik.i, der vollkommenen Erlösung, erreicht ist. Was dann sein wird? O, das ist eine müssige Frage, für deren Beantwortung Gott selbst schon Sorge tragen wird. Es ergibt sich demnach aus dem Gesagten, daß man uns mit Unrecht der unbedingten Stabilität zeiht. Wir geben das nur in gewisser Beziehung und zwar

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