Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-01-11 · Heft 2 (11.1.1865) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 2 (11.1.1865)
Date
1865-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447196--03129-2458509
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

26 Midianiten, dann sollst Du eingethan werden zu Deinem Volke." — Aus doppelten Gründen fuhr der Herr Moses hart an, theils um ihn anzueifern, die Schmach Israels an Midian zu rächen, theils und mehr noch, weil er dem Stamm Simon nicht muthvoll entgegengetreten und gewehrt. — „Als zur Zeit des goldenen Kalbes" — so sprach der Herr zu Moses — //ganz Israel Dir gegenüberstand und nur der Stamm Levi zu Dir hielt, tratest Du wehrend ganz Israel entgegen; jetzt da ganz Israel auf Deiner Seite war und nur der Stamm Simon gegen Dich stand, konntest Du diesem nicht wehren! wahrlich! von Dir gilt das Wort:*) Du zeigst Dich schwach zur Zeit der Noth, Deine Kraft ist zusammengeschrumpft! — Darum auf! räche noch die Kinder Israels an den Midianiten, dann sollst Du eingethan werden zu Deinem Volke! —" „Herr der Welt!" bat Moses, „ziemt es mir zu sterben, der ich Deine Wege und Deine Werke geschaut! Nein nicht sterben nröcht' ich, sondern leben und verkünden die Thaten Gottes! — **) „Moses!" versetzte der Herr, „wäre ein langes, endloses Leben gut für den Menschen, so hätten schon Deine Urväter den Geschmack des Todes nicht geschmeckt! Dir ist indessen ein schöneres Theil als Allen ausbewahrt." — Dennoch' wollte Moses sich nicht darein finden, bis der Herr sprach: „Wohlan, Moses! Du magst noch viele Jahre leben, noch tausend Jahre, aber dann wird Israel seine Lust nicht an seinen Feinden schauen, wird Midian unbesiegt von ihm bleiben." — Sogleich ergab sich Moses und sprach: Heute oder morgen! Das Ende von Allem ist ja der Tod, und süß ist der Schlaf des Arbeiters, er habe wenig oder viel genossen. ***) — Ich will gern sterben, wenn nur Israel seine Lust an seinen Feinden schaut, und Midian von ihm besiegt zu Boden liegt. — Dem Heiligen aber, gelobt sei sein Name! that es leid, daß für Moses Zeit und Stunde gekommen war. — Ein König hatte einen Sohn, der ihm zu jeder Stunde Kummer und Verdruß machte. Oft schon hatte der König das Schwert ergriffen, um den ungehorsamen, ungetreuen Sohn mit dem Tode zu bestrafen; aber die Mutter, die Königin liebte den Sohn zu sehr, und so oft der König gegen denselben in Zorn gerieth, trat ihre mütterliche Liebe schützend vor ihren Sohn und wußte dem König Erbar- *) Spr. Sal. 24, 10. — **) Ps. 118, 17. — ***) Prediger 5, 11. — men gegen ihn einzuflößen. — Da starb die Königin. — Der König setzte sich zur Erde und seufzte und weinte unausgesetzt, Tag und Nacht. „Wie, o König!" sprachen seine Diener, „ist denn die Königin besser als alle anderen Frauen, ja als alle Menschen, daß Du gar keinen Trost annehmen willst!—" „O," antwortete der König, „ich weine nicht sowohl um der Königin willen, als um meines armen Sohnes willen! — So lange seine Mutter lebte, war sie sein Schutz; jetzt, da sie todt ist, kann ihre mütterliche Liebe, wenn ich wieder über ihn zürnen muß, nicht mehr schützend die Hand über ihn ausbreiten, und ich sehe, ach, auch ihn schon bedeckt und begraben! —" So auch that der Tod Moses dem Herrn leid um Israels willen; denn werth gehalten vor dem Herrn ist der Tod seiner Frommen. — Wehe Dem, dessen Vertheidiger zugleich sein Inkläger wird.*) Von M.. Ein alter Wegelagerer trieb sein räuberisches Handwerk schon lange Zeit ungestraft; lange schon lauerte er den Hin- und Herreisenden auf den Wegen auf, überfiel sie von seinem Hinterhalte aus und beraubte sie. Da kam eines Tages ein königlicher Beamter des Weges; er durchreiste die Provinz um die Steuern zu erheben. Der Wegelagerer überfiel ihn, warf ihn zu Boden und nahm ihm Alles ab, was er mit sich führte. Nach einiger Zeit indeß gelang es, den Räuber zu ergreifen und festzunehmen. Als der königliche Beamte das hörte, ging er zu demselben ins Gesängniß und sprach: „Komm, gib mir zurück, was jener Mann — Du weißt es ja — mir auf dem Wege abgenommen, und ich will ein gutes Wort für dich einlegen." „Von all Dem, was man Dir abgenommen hat," antwortete der Räuber, „besitze ich nichts, nur diese Decke ist mir zugekommen, die Dir gehört." „Gib sie mir," sagte der Beamte, und ich werde für Dich vor dem Könige sprechen." Der Räuber gab sie ihm. „Höre," sprach der Beamte, „morgen wirst Du vor Gericht geführt. Der König wird Dich vorfordern und Dich fragen, ob Du einen Menschen hast, der für Dich ein Wort ein- *) Nach Tanchuma Emor S. 49, col. ä. — Wajikra rab. par. 30. Jalkut Cmor S. 187, Nr. 651. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.