Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1865)
- Date
- 1865-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447196--03119-2458499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 glorreichen Verheißungen der Zukunft geknüpft sind. Deßhalb beschwört er seinen mächtigen Sohn, daß er ihn begrabe im Grabe seiner Väter. Glücklich die Kinder, welche sich würdig fühlen, an der Seite ihrer Eltern ruhen zu dürfen, nachdem sie während eines ehrenvollen Lebens gottesfürchtig, tugendhaft und fromm wie ihre Väter gewesen! Wie könnte wohl ein gottloser Sohn es wagen, sich in dem Grabe seiner Väter begraben zu laßen, nachdem er durch sein gottloses Leben ihr Andenken beleidigt und verleugnet hat! Das Recht, an der Seite seines Vaters zu ruhen, muß man verdient haben, muß man oadurch verdient haben, daß man den Traditionen und dem Glauben der Voreltern gemäß gelebt hat. Joseph führt seinem Vater seine beiden Söhne Menasche und Ephraim zu. Der Patriarch setzt sich auf m seinem Bette, um würdig seine Kinder zu empfangen, die er segnen und denen er eine kostbare Gunst erweisen will. Er will die Söhne Josephs als seine eigenen adoptiren. Allein, was kann Jakob, der als Fremdling in fremdem Lande weilt, für diese Prinzen, für die Söhne des Vicekönigs, wohl thun? Er kann ihnen weder Macht noch Reichthümer vererben; aber Jakob besitzt weit kostbarere Schätze, er besitzt die wundervollen Verheißungen des allmächtigen Gottes. Und Joseph, der nicht allein diese Gunst für seine Söhne annimmt, der sich noch eifersüchtig zeigt in Bezug auf den Vorzug, welcher dem jüngeren Ephraim vor dem älteren Menasche zu Theil werden soll, beweist hiedurch das unerschütterliche Vertrauen auf die Verheißungen des allmächtigen Gottes. Jakob, krank und sterbend auf fremder Erde, vertheilt seinen Kindern Länder, Schätze, Kronen, die er besitzt in dem Worte seines Gottes. Er verlangt von Joseph, dem Herrscher des Landes, nicht, daß er seine Brüder unterstütze, ihnen Stellen verschaffe, für ihre Zukunft und die ihrer Kinder sorge — er verlangt nur von ihm, daß er seine sterblichen Ueberreste nach Kanaan führe. Was die Zukunft seiner Kinder betrifft, so hinterläßt er ihnen ein unvergängliches Erbtheil. In dieser feierlichen Stunde weiht der Patriarch ein rührendes Andenken seiner geliebten Gattin Rahel; dann umarmt er die Söhne Josephs und sagt zu ihm: „Ich hatte nicht gehofft, Dein Antlitz zu sehen, und nun hat mir Gott gezeigt Deine Kinder!" Joseph und seine Söhne bücken sich vor ihrem Vater, Jakob breitet seine Hände aus über Menasche und Ephraim, segnet Joseph und spricht: „Möge Gott, vor Dem wandelten meine Väter, Abraham und Jizchak, Gott, Der mich gehütet hat seit meiner Kindheit bis auf diesen Tag, möge der Engel, der mich errettet hat vor jedem Unglück, segnen diese Knaben! Möge mein Name und der meiner Väter genannt werden in ihnen, und mögen sie sich vermehren unaufhörlich auf der Oberfläche der Erde!" Später fügt er hinzu, „Israel möge Dich nennen in seinen Segnungen, indem es sagt: Gott lasse Dich werden wie Ephraim und Menasche!" Und diese Gebete und diese Segnungen Jakobs sind seitdem ein geheiligtes und vielgeliebtes Erbe in der israelitischen Familie geblieben. Wenn unsere Kinder, welche kaum die Worte „Vater" und „Mutter" stammeln können, sich des Abends niederlegen und ihre Seele Gott zurückgeben, so erheben sie ihre kleinen Hände und sprechen: pi ^2O nx ixm -jxbvTi o'ipiri nx 112', „Der Engel, der mich erlöst hat von allem Bösen, segne die Kinder!" Und wenn unsere Eltern uns ihren heißen Segenswunsch aussprechen wollen, an Sabbaten und an Festtagen, im Hause und in der Synagoge, wenn wir das Elternhaus verlaßen, und wenn die Eltern uns verlaßen — ach, noch in den letzten Augenblicken vor ihrem Scheiden aus diesem Leben, da wiederholen sie noch die letzten Worte des Patriarchen: „Gott laste Dich werden wie Ephraim und Menasche, .1^221 2'->sx2 v'ilx 12^'". Und wir empfangen diese einfachen Worte als einen köstlichen Schatz, als einen Neichthum für die Zukunft und als eine Bürgschaft unseres Glückes. Wir fürchten Nichts mehr, da Jakob vom Himmel herab durch den Mund unseres Vaters und unserer Mutter zu uns spricht: „Gott laste Dich werden wie Ephraim und Menasche!" Aber die größte Ehrerbietung, die wir unfern Eltern bezeigen können, besteht darin, daß wir durch unser Betragen und unsere Tugenden den folgenden Wunsch, das folgende Gebet des Patriarchen erfüllen, 112X 'Lw 2712 X1P1 „Möge in ihnen genannt werden mein Name und der Name meiner Väter!" Möge die ganze Welt, indem sie unser Leben sehe, sprechen: „Das sind würdige Söhne Abrahams, Jizchaks und Jakobs!" Wehe den Kindern, welche nicht den reinen und fleckenlosen Namen ihres Vaters zu bekennen wagen, welche den Adel ihrer Geburt, dessen sie sich nicht mehr würdig fühlen, verbergen müssen! . . . Der Patriarch ruft nunmehr alle seine Söhne zu sich und spricht zu ihnen: „Versammelt euch, ich will euch verkünden, was sich euch ereignen wird in den spätesten Tagen. Versammelt euch und höret, Söhne Jakobs, höret auf Israel, euren Vater!" Und zitternd und ehrfurchtsvoll nahen sie diesem erhabenen und heiligen Greise, zitternd hören sie auf den göttlichen Geist, der zu ihnen durch den Mund ihres Vaters reden soll, hören ihr künftiges Geschick, all' die Geheimnisse ihrer Zukunft . . . und Jakob gibt einem Jeden den Segen, deßen er sich würdig gemacht; er beklagt, daß er dem Erstgebornen nicht das Recht der Erstgeburt verleihen kann, verwünscht die Heftigkeit Simeons und Levi's, verheißt Sebulon, Jsaschar, Dan, Gad, Ascher, Napthali und Benjamin alle Arten geistigen und irdischen Glückes für die Folge der Zeiten, versichert einem Jeden die Güter und das