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Der Israelit · 1864-11-16 · Heft 46 (16.11.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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unsere Bewunderung erregen. Herr Sasfoon hat bereits das siebenzigste Jahr überschritten, und wenn Sir Bartle Frere wünscht, daß dem edlen Wohlthäter auch geziemende irdische Ehre erwiesen werde, so wäre es wünschenswerth, daß das bald geschehe. Wir glauben, es gibt gar keine Auszeichnung, die genügend wäre für einen Mann, der sich den Weg gebahnt hat zu Reichthum und hervorragender Stellung, einzig durch sein Genie, seine Geschicklichkeit und seine Rechtlichkeit. Wir gleichen den Soldaten auf dem Schlachtfelde! Die Auszeichnung ermuthigt uns zu hohen Lhaten, und treibt uns an, zu gewinnen und zu tragen die Krone des Lebens! Solch hochbegabte Männer, wie Herr Sassoon, erinnern uns an die Führer Israels, welche ihre Namen berühmt gemacht haben durch die ganze Welt, Männer, welche Hervorrufen konnten die Strafe des Allmächtigen gegen die Uebelthäter oder auf deren Geheiß der Zorn sich verzog, wie das Sonnenlicht die Dunkelheit zerstreut! Mögen wir stets daran gedenken, daß wir den wesentlichen Theil unserer Civilisation dem Patriarchen von Palästina verdanken; die Helden Israels bleibm die Helden der Welt bis an das Ende der Zeiten. Wo lebt ein Volk, daß mehr und Größeres für die Nachwelt gewirkt hätte, als Israel, das noch heute Männer von solchem Geist und von solchem Edelmuth, wie Mr. Sassoon erzeugt?" — Das ist ein wahrhafter Kiddusch Haschern, eine Heiligung des göttlichen Namens, wenn durch die Handlungsweise eines Juden nichtjüdische Zeitschriften zu solchen Betrachtungen veranlaßt werden. Feuilleton. Der GigenthLimer -es Feigenbaumes weiß, mann es Zeit zum Ern-ten ist.*) Von /U. Veirül«». Ein Lehrer des göttlichen Wortes war gewohnt, täglich, in der Frühe des Morgens, sich mit seinen Schülern unter einem Feigenbäume niederzulasfen und *) Nach Der. rab. par. 62 am Ende. — Schirr«-. G. 21 col. e. — Kohcl. rab. S. 72 col. e. — Jalkut Chaje Sara S. 31 d>. — Der Name des Weisen ist zweifelhaft. — Vergl. auch Jeruschalmi Ber. ll. 8. — dort dem Studium des Gesetzes obzuliegen. Da stand der Eigenthümer des Baumes noch früher auf und brach jeden Morgen die reifen Feigen, bevor der Meister mit seinen Jüngern kam. „Wie," sagte dieser zu denselben, als er Das wahrnahm, „sollte der Mann uns in Verdacht haben, wir möchten ihm seine Feigen nehmen!" — Er wählte daher einen andern Ort zu ihren Morgenstudien. — Das that dem Besitzer des Baumes leid, und er kam zu dem Lehrer des göttlichen Wortes und sprach: „Meister, das kleine Verdienst, das ich hatte, daß Du Dich mit Deinen Jüngern in dem Schatten meines Baumes dem Studium des Gesetzes hingegeben, warum entziehest Du mir das?" — „Wir fürchteten," antwortete der Lehrer des göttlichen Wortes, „Du hättest uns im Verdacht rücksicht lich Deiner Feigen." — Der Mann betheuerte, daß ihm dieses nimmermehr iu den Sinn gekommen; er habe die reifen Feigen nur deshalb jeden Tag so frühe gebrochen, weil sie, von der Sonne beschienen, leicht wurmig werden, und er bat inständig, die Vorträge unter seinem Baume doch ja fortzusetzen. — Es geschah so. Der Mann indessen, um jeden Verdacht fern zu halten, wartete von nun an mit dem Brechen seiner Felgen, bis die Vorträge vorüber waren, und die Folge war, daß die reifen Feigen, sobald die Sonne sie beschienen, in Wirklichkeit vom Wurme gestochen wurden und abfielen. — Als der Weise dieses gewahrte, verwies er es dem Manne; zu seinen Schülern aber gewendet, begann er: „Der Herr des Gartens weiß, wann es Zeit ist, die Feigen zu brechen. — Auch der Herr der Welt weiß, wann es Zeit ist, die Frommen hinwegzunehmen; der Freund der Menschen, er weiß, wann es Zeit ist, in seine Welt, die sein Garten ist, zu gehen, in sein Würzgärtlein des gottgläubigen Volkes, in die Gärten der Schulen und der Lehrhäuser, sich da zu weiden und Rosen zu brechen! *) — O, wie schön und gut ist es, wenn die Frucht zur gehörigen Zeit gebrochen wird , wenn das Licht zur Zeit erlischt! — Süß, sagt der Prediger,**) ist der Schlaf des redlichen Arbeiters, er mag den Tag über viel oder wenig genossen haben; — aber die Uebersättigung des Reichen, die bringt ihn um den süßen Schlaf." — *) Hohes!. 6, 2. — **) Predig, s, 1 t.

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