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Der Israelit · 1864-11-16 · Heft 46 (16.11.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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610 baten nicht nur körperliche, sondern auch geistige Nahrung erhalten. Zum Beweise, daß die Soldaten nach diesem Manna, nach dieser Himmelskost Verlangen tragen, haben Sie ein von einem Soldaten an die löbl. Redaction gerichtetes Schreiben abdrucken lasten, in welchem derselbe klagend ausruft: „Wie nothwendig wäre eine solche Erinnerung manchmal dem jüd. Soldaten, wie wohlthätig wäre die Erweckung zum Vertrauen aus den allmächtigen Schützer Israels gerade dem Soldaten bei d-n Wechselfällen seines bewegten Lebens". Auch Herr Rabbiner Hildesheimer hat in den öfter r. Zeitungen einen ähnlichen Aufruf an die Rabbinen Oesterreichs ergehen lasten, und es haben gewiß viele Seelsorger ihre Unterstützung zugesagt. Warum dieser hochwichtige Gegenstand fallen gelaffen wurde? ich weiß es nicht;*) nur so viel ist mir bekannt, daß es beim status quo geblieben. Ich beabsichtige zwar mit Gegenwärtigem nicht wiederum dazu aufzufordern, denn ein solcher Aufruf muß von Capacitäten, von bekannten Persönlichkeiten ausgehsn; doch der Spruch unserer Weisen: nnx p bestimmt mich, auf ein Moment aufmerksam zu machen, welches beide Aufrufe außer Acht gelasten. Ich will eine Thatsache erzählen, die mir von einem Soldaten mitgetheilt wurde, welche die Nothwendigkeit von beim Heers angestellten Rabbinen klarer und deutlicher beweist, als es die bestgeschriebenen Aufrufe im Stande sein dürften. Ein jüd. Gefreiter, der schon 6 Jahre bei einem Infanterieregimente im activen Dienste steht, erzählte mir dieser Tage folgendes Ereigniß: „Durch volle 5 Jahre war ich in meiner Compagnie der einzige jüd. Soldat. Ich habe dieses Alleinsein oft wehmüthig beklagt, denn wenn auch der Religionshaß bei dem Heere nicht so thatsächlich sich kundgeben darf, wie beim Civil, so lasten es unsere christl. Kameraden uns doch oft bitter empfinden, daß ihre Religion die herrschende sei. Ich habe mich einer guten Aufführung befleißigt, bin auch nie mit einer Discplinarftrafe belegt worden, hielt mich aber so viel wie möglich von meinen Kameraden fern; ich nahm an ihren Belustigungen und Vergnügungen rächt Theil. Meinen Kameraden war meine Lebensweise nicht auffallend, vielmehr fanden sie es ganz natürlich, daß ich mich ihnen nicht aufdränge; und so hatten wir Einer über den Andern nicht zu klagen; wir waren Kameraden in Reih' und Glied, aber in der Kaserne war ich der Jüd. Kein Wunder also, wenn ich mich nach einem jüd. Kameraden sehnte. Meine Sehnsucht sollte nach Sjährigem War- *) Einfach, weil der Aufruf nicht die gehoffte Betheiligung hervorrief; eine Petition mit 5 oder 6 Unterschriften hätte den gewünschten Eindruck nicht machen können und wäre voraussichtlich erfolglos geblieben. — Red. ten befriedigt werden. Eines Tages übergab mir mein < Feldwebel das Berzeichm'ß der zur Beziehung der! Wachtposten bestimmten Mannschaft, und schon der ' Name belehrte mich, daß ich einem Glaubensgenossen ' als Führer diene, und daß ich nicht mehr der einzige Jude in der Compagnie fein werde. Sobald es der E Dienst mir erlaubte, eilte ich zu ihm, hieß ihn herz-! lich willkommen, und begrüßte ihn als Bruder. Dieser Tag war für mich ein Festtag. Nicht lange je-! doch sollte meine Freude währen, denn schon nach einigen Tagen überzeugte ich mich, daß wir Antipoden in unfern Ansichten waren. Er schloß sich den übrigen Soldaten an, obwohl sie ihm nichts weniger als freundlich entgegenkamen; mir hingegen wich er aus und mied mich ganz und gar. Ich war also wieder allein. Nach einigen Wochen theilte mir mein Feldwebel mit, daß der jüd. Gemeine sich taufen lassen wolle und daß er diesen Entschluß bereits dem Felpater mitgetheilt. Mir waren die nichtigen Motive, die ihn zu diesem Schritte bewogen, bekannt; ich theilte diese meinem humanen Hauptmanne mit, und mit Hilfe dieses Menschenfreundes gelang es mir, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Sie ersehen hieraus," schloß er, „wie erwünscht es wäre, wenn wir uns in religiösen Angelegenheiten an einen Rabbiner wenden könnten, denn nicht alle Hauptleute denken so, wie der unserige." Gestützt auf den Spruch unserer Weisen bo 2?2^, Übergebe ich diese Thatsache dem Commentar der Oeffentlichkeit, in der Hoffnung, daß sie dazu beitragen dürfte, die für Religion und Glaubensgenoffen begeisterten Männer Israels anzuspornen, für die Wahrung der religiösen Interessen der jüd. Soldaten im öfterr. Heere etwas zu thun. Jos. Schiller. Aus Teplitz schreibt man der „Presse": Ein junges israelitisches Mädchen ging dieser Tage über den Schloßplatz, als sie plötzlich eine Schlinge an ihrem Halse fühlte, die ein erwachsener Bursche mit seltenem Geschicke nach ihr geworfen und zugezogen hatte. Er schleppte das erschrockene Kind in ein Haus, wo eine Menge Jungen es mit Halloh empfingen, und dann mit Nadelstichen so lange quälten, bis es bewußtlos zusammensank. Der Hilferuf des Mädchens wurde von dem fortwährenden Geschrei der hoffnungsvollen Jugend: „Wie Judas unserem Heiland, so wir Dir!" übertäubt. Dem bübischen Streiche konnte erst spät ein Ende gemacht werden. Frankreich. Paris, den I I.Nov. Herr Oberrabbiner Isidor hat am 1. Tage Rosch-Haschanah mit großem Beifalle über die „ Coen - Affaire " gepredigt. — Der

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