Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1864)
- Date
- 1864-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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LS. M. Israelit. Ein Central-Orgaa für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von Lehmann in Mainz Mainz, den 9. November 5625 (1864). Lese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thlr. p. c. fi. 3. 30 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Aste Buchhandlungen und Postämter neh- BesteUungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte rankozusendung unter Streifband pro Jahrgang 3 Thlr. p. c. oder 6 fl. öfterreich, an die Erpedition franko emzufendcn. Inhalt: Leitende Artikel: Das bürgerlich-sociale Leben und die jüdischreligiösen Anforderungen. Zeitungsnachrichten uud Korrespondenzen: Deutschland. Mainz. Mannheim. - Preußen: Berlin. — Oesterr. Kaiserst.: Prag. Prag. Gyon. — Frankreich. — Donaufürstenthümer: Aus Schabaz. Feuilleton: Skizzen aus Danzig. Anhalt der Beilage; ZrttnngSuachrichten und Korrespondenzen: Preußen: Berlin. — Rußland und Polen: Aus Warschau. Warschau. Feuilleton: Gott sieht auf das Herz. Leitender Artikel. Das bürgerlich-sociale Leben und die jüdisch-religiösen Anforderungen. Von UvrilL knlä. Die abweichenden Anschauungen in der Auffassung des jüdisch-religiösen Lebens gegenüber den bürgerlich-socialen Verhältnissen sind nicht bloß das Produkt eines verschiedenen Bildungsgangs, der je nach seinem Inhalte abweichende Anschauungen erzeugen muß, sondern der gegenwärtige Stand der socialen i Verhältnisse selbst bildet einen dabei mächtig mitwirkenden Faktor. Die Erweiterung der Verkehrsverhältnifse hat den Juden heraustreten lassen aus dem eng begrmzten I Wirkungskreise, in welchem er sich noch vor Jahrzehnj ten bewegte. Während die geschäftlichen Verbindungen damals nicht weit über den engen Kreis der Vaterstadt oder des Vaterlandes sich erstreckten, sind sie heute über die ganze bekannte Welt ausgedehnt. Vom Osten bis zum Westen, vom Süden bis zum Norden, auf allen großen und kleinen Verkehrsstraßen, auf allen großen und kleinen Handelsplätzen treffen wir den! Juden in geschäftlicher Thätigkeit, Produkte hinführend, Produkte eintauschend, allenthalben anregend! und belebend, und insofern den alten Vorwurf von I sich abwälzend, daß er nur Consument, nicht aber j Producent sei und dem Staatswohl keinen wesentlichen! Vortheil bringe; denn seit jener, besonders durch ihn > vermittelten großartigen Ausdehnung der Verkehrsveri hältnisse haben sich als unmittelbare Folgen davon die! Landwirtschaft, sowie alle Zweige der Industrie, und I mit ihnen der Wohlstand der Gesammtbevölkerung! bedeutend gehoben. Mit diesem Hinaustreten in die große Handelswelt ist der jüdische Geschäftsmann in! Verhältnisse versetzt worden, die er früher nicht gekannt. Seine Geschäftsreisen in Ländern, die nicht von Juden bewohnt sind, entfernten und entfernen rhn oft längere Zeit vom jüdisch-religiösen Leben und setzen ihn — wenn nicht hingebende und selbstverläugnende Liebe zum Judenthum ihn beseelen — in die für sein israelitisches Leben schwere Versuchung, dem Gesetze seiner Väter in mancher Beziehung untreu zu werden. Die humanen Fortschritte in den staatlichen Constitutionen, welche ihm lang versagte Rechte einräumten, brachten und bringen ihn in nähere Beziehung zu seinen christl. Mitbürgern. Das vaterländische Interesse ist dadurch bei ihm mehr geweckt; er will mit