Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1864)
- Date
- 1864-11-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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etwas müder tönte, seine Meinung dargelegt hatte, und seine Amts-College», zu denen er gewöhnlich Ln j heftigster Opposition stand, sich der Hoffnung Hingaben, er würde sich nun endlich doch „ausgeredet" haben, und ihrerseits Gegenbemerkungen vorbrachten, da ergossen sich sofort von Neuem die Schleusen seines Redequells, und mit ungeschwächter Kraft, trotz Heiserkeit und vorhergegrmgener Anstrengung, arbeiteten Hals und Lunge weiter, gleich als würden sie von einer Dampfmaschine getrieben, deren Kohlen nimmermehr ausgingen. Daß gegen solche Gabe der Natur schwer aufzukommen war, ist natürlich, und, vorausgesetzt, daß der glückliche Inhaber dieselbe immer nur zum Besten Aller und nie zu selbstischen Zwecken benutzen wollte, möchten wir allen jüdischen Kehilla's einen solchen lungenfesten Vertreter wünschen. Die reichste Gemeinde ist die Altschottländische, an welcher bis vor Kurzem (bis zu seiner Berufung nach Prag) der Rabbiner vr. Stein thätig war. Früher und zugleich mit diesem wirkte daselbst auch dis j an seinem Tod der Obberrabbi Lüpschütz, der namentlich unter den älteren jüdischen Theologen sich eines großen Rufes thalmudischer Gelehrsamkeit erfreute. Außerdem ist mir bekannt, daß er sich gern auch mit naturwissenschaftlichen und besonders mit mathemati-! schen Studien beschäftigte; nur durften dieselben nicht! mit irgend einer der alten jüdischen Satzungen in Widerspruch stehen, und er bekämpfte in diesem Falle! manche der gewöhnlichsten neueren Naturansichten nicht selten mit den scharfsinnigsten Ansichten. Ich erinnere ' mich noch eines Gespräches, das ich vor vielen Jahren! als kleiner Quartaner, mit einem Gefühle scheuer Be-! wunderung, mit anzuhören Gelegenheit hatte, worin ' er gegen die Theorie der Axendrehung der Erde disputirte. Er zeigte, wie bei einer wirklichen Drehung! der Erde in Folge der gewaltigen Flieh- oder Schwungs kraft nochgedrungen zuerst die ganze Atmosphäre und endlich alle flüssigen Bestandteile fortgeschleudert werden müßten, und er stützte diesen seinen negativen Beweis von dem Stillstehen der Erde unter Anderem auch auf die positive Thatsache, daß bei den Himmelskörpern, die sich wirKich drehen, z. B. beim Monde, nach allen bisher gemachten Forschungen und Beobachtungen keine Spur einer Atmosphäre oder Flüssigkeit entdeckt, also der vollständige Mangel constatirt worden sei. — Wenn der „Raw", wie er in Danzig allgemein genannt wurde, in der Schottländer (zuweilen auch in der Danziger) Synagoge seine Drascha hielt, dann kamen auch aus anderen Gemeinden zahlreiche Besucher herbei, und seine Reden in ihrer merkwürdigen, halb hebräischen, halb deutschen Form und Ausdrucksweise wurden von Allen gern gehört, trotzdem die „Neuerer" gewöhnlich sehr schlimm darin sortkamen und gewaltig mitgenommen wurden. Danzig besitzt viele Wohlthätigkeitanstalten, unter welchen besonders die jüdische Freischule für Knaben und Mädchen segensreich wirkt. Die größten und schönsten Wohlthätigkeitsanstalten aber, eben weil sie nicht öffentlich und offiziell geschehen, werden auch hier von jüdischen Privatpersonen geübt, und es sind namentlich einige alte, reiche jüdische Familien, deren wahrhaft patriarchalische Mildherzigkeit überall in Danzig von Juden und Christen gerühmt und gepriesen wird. Der Heimgang eines dieser Wohlthätigheitsherzen, des alten Herrn Perlbach, sei auch von uns hier erwähnt. Der Verstorbene hat es sicherlich verdient, wenn wir ihm hier durch einfache nähere Erwähnung seiner edeln Handlungen ein schlichtes Denkmal setzen. (Schluß folgt.) Anzeigen. Lehrer gesucht! Die israelitische Gemeinde zu Bischofsheim a./M. wünscht die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters sobald als möglich, am Liebsten sogleich, zu besetzen. Fixer Gehalt 200 fl. nebst freier Wohnung; Nebenaceidenzien oiroa 150 fl. Frankirte Anmeldungen unverheirateter Bewerber nebst Zeugnissen wolle man senden an den Vorstand. n unserer jüdischen Gemeindeschule beabsichtigen wir zum 1. Januar k. I. zwei geprüfte Lehrer anzustellen, und zwar einen Lehrer mit einem jährlichen Gehalte von 300 — 400 Thlr., welcher neben seinen Fachkenntniffen im Hebräischen auch die Befähigung hat, Schüler bis zur Tertia eines Gymnasiums vorzubereiten; ferner einen zweiten Lehrer mit einem Gehalte von 2 — 300 Thlr., der nicht absolut der jüdischen Confession angehören muß. Lehrer, die auf diese Stellen reflectiren, belieben unter Franko-Einsendung ihre Zeugnisse über Leistungsfähigkeiten und moralischen Lebenswandel sich ehebaldigst an uns zu wenden. Sohrau in Oberschlefien, im October 1864. Der Vorstand der israel. Gemeinde.