Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 41-42 (12.10.1864)
- Date
- 1864-10-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447182--02941-2458309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
356 den Worten zu: „Diese Leute verbreiten den Hagel, schlagt ihn so viel ihr wollt!" Dem Wirth, in dessen Hause die Vorstellung stattfand, verursachten die Eindringlinge empfindlichen Schaden. — Und die Behörde? Feuilleton. Gräber im heiligen Lande.*) Bon verschiedenen judenfeindlichen Seiten wird behauptet, daß unsere Väter keinen Sinn für schöne Kunst und Industrie hatten. Daß diese Behauptung in jeder Beziehung eine falsche sei, dürste wohl jedem Unbefangenen auf den ersten Blick einleuchten. Legten die großen Bauten der Stiftshütte, des Tempels, des Palastes Salomos und vieler anderer Prachtgebäude nicht das beredtste Zeugniß in dieser Beziehung ab? Doch noch jetzt sind uns Ueberreste von Kunstwerken auf dem Gebiete der Architektur erhalten, die von unfern Vorfahren verfertigt wurden. Ich meine die verschiedenen Grüfte in der Umgegend Jerusalems, von denen die wichtigsten in Folgendem einer nähern Betrachtung unterworfen werden sollen. Alle diese Gräber sind mit erstaunenswerther Geschicklichkeit und Ausdauer in Felsen gehauen und so in jeder Beziehung kunstgerecht verfertigt, daß man sie nicht für gearbeitet mit dem Meisel halten würde, wenn es eine andere Art gäbe, von der man vermachen könnte, daß durch sie dieselben entstanden seien. Im Baba batra 100k. finden wir folgende Bestimmung: „Wer einen Platz verkauft an seinen Nächsten, um ihm ein Grab zu machen, oder wer es übernimmt, seinem Nachbar ein Grab zu machen, macht ihm das Innere der Grotte nipv 24 Quadratellen groß und bringt in derselben 8 Nischen zum Aufbewahren der Särge pzo an, deren jede 4 Ellen lang, 7 Ellen hoch und 7 Ellen breit sein soll und außen macht er eine» Vorhof für die Grotte." Von solchen Gräbern ist die größte der uns erhaltenen die Grabhöhle des großen Sanhedrins, welche sich ungefähr ^4 Stunden nordwestlich von Jerusalem nahe an der Heerstraße nach Jaffa befindet. Am westlichen Ende dieser Grotte befindet sich der Eingang, der in einem länglichen Viereck, das sich von Norden nach Süden hinstreckt, besteht. Ueber diesem Eingang sind als Verzierung Gewinde in dm Stein gehauen. Am südlichen Ende fuhrt dieser Eingang in die eigentliche Grotte, welche ein geräumiges, viereckiges Zimmer ist. Ganz untm an der nördlichen Wand sind 7 Grabnischen und oberhalb dieser abermals 7 in den Felsen gehauen, und ganz oben find 3 Bänke ausge- *- Herr W. Sachs aus Jerusalem war so gütig, uns diese Angaben zu machen. hauen, deren Bestimmung unbekannt ist. In diese Grotte mündet gegen Süden und Osten je eine Trab- Höhle, in welchen sich an den drei Seiten (an der 4. ist der Eingang) je 3 Grabnischen und eine Bank daüber befinden. Der Eingang zu der Höhle, welche sich südwestlich von der Hauptgrotte befindet, ist mit großen Steinblöcken verrammelt. Oestlich befindet sich noch eine Höhle, in der an allen Seiten je 3 und darüber 4 Grabnischen sind. Von dieser kommt man gegen Nordost in eine andere, die nur an der nördlichen und südlichen Seite je ein Grab enthält. Von dieser Höhle steigt man durch eine Treppe in eine andere hinab, in der sich an der nördlichen, östlichen und südlichen Sette je 4 Gräber befinden. JmNord- und Süd-Osten ist je ein Grab schräg ausgehauen. Ungefähr 20 Minuten von dieser Gruft entfernt befindet sich in östlicher Richtung die des kleinen Sanhedrins. Südlich von der Grotte gelangt man durch einen Eingang, der sich von Osten nach Westen erstreckt und ein viereckiges Vorzimmer bildet, in eine Höhle, an deren westlicher und nördlicher Wand eine Grabnische und eine Bank darunter, an der östlichen aber eine Nische und eine Bank darunter angebracht find. Von dem Vorzimmer gelangt man durch einen andern Eingang südlich in eine andere Höhle, in welcher 2 Grabnischen mit je einer Bank darüber sind. Endlich gelangt man in eine dritte Höhle durch einen Eingang, der sich an der nördlichen Wand des Vorzimmers befindet, in welcher nur 2 Bänke sind. In dieser Höhle führen 2 Eingänge westlich und östlich in 2 andere Höhlen, in deren einer sich 3 Nischen mit je einer Bank darüber, befinden. Die andere ist ein Vorhos zu 3 andern Höhlen, von denen man in zweien nichts und in der dritten nur 3 Bänke bemerkt. Unweit dieser Grabhöhle befindet sich die der Familie Simeons des Gerechten. Im Vorhose derselben befindet sich ein Wafferbehältniß, welches man für eine hält. In einer der Grotten, deren Beschreibung wir unterlaßen können, da sie der obigen ganz ähnlich ist, soll der große Todte selbst liegen. Hart neben diesen Gräbern befindet sich die Gruft des Schwiegervaters des Rabbi Akiba, KalbaSebua. Ueber dein Eingang find als Verzierung allerlei Früchte und Backwerke ausgehauen, was an die große Wohlthätigkeit jenes edlen Mannes erinnern soll, den Jeder gesättigt verließ, mochte er auch so hungrig gewesen sein, wie ein Hund.*) Die Höhle besteht auS einem Vorzimmer und 4 Grabhöhlen. Diese Gruft ist die schönste unter allen, indem die Arbeit ein wahres Meisterwerk ist. Die Grabnischen sind mit großer Kunst gearbeitet, und sind auch zu jeder derselben Treppen ausgehauen. Eine Masse Bruchstücke *) Daß er von dieser Tugend seinen Namen erhalten hatte» ist allbekannt.