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Der Israelit · 1864-09-21 · Heft 38 (21.9.1864) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 38 (21.9.1864)
Date
1864-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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38. S. Jahrgang. DM Israelit. Ein Ceutral-Orgau für das orthodoxe Judeuthu Herausgegeben von LV». Lehmann in Mainz. Mainz, den 21. September 5624 (1864). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs, in mindestens 14 Bogen. Preis des Jahrgang«: 2 Thlr. p. c. oder ü. 3. 3Ö kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petrizelle oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Frankozuscndung unter Streifband pro Jahrgang 3 Thlr. p. c. oder 6 fl. öfterreich, an die Erpedition franko einzusenden. Da mit dem 1. Oktober ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten daraus aufmerksam zumacheu, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frühzeitig erneuert werden mnß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Anhalt: Leitende Artikel: Das jüdische Sittengesetz. — Literarisches.— Orth.-isr. Bibelanstalt. — Bau jüdischer Armen» und Pilzerwohnungen in Jerusalem. LritangSaachrichtkll und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt Altona. Mainz. — Preußen: Königsberg. Anhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten »nd Corrrspondenzrn: Deutschland Mainz. — Schweiz: Genf. — Palästina: Jerusalem. — Amerika: New-Dork. Rew-Dork. Feuilleton: Ein Beitrag zur Geschichte der Behandlung der Juden im 17. Jahrhundert. (Schluß.) Leitende Artikel. Das jüdise Sittengeseh.*) Im Judenthum gelten reine Sitten und gutes Betragen, rechtschaffenes und tugendhaftes Leben nicht für etwas besonders Verdienstvolles und Lobenswerthes; es ist das vielmehr die strenge und nothwendige Erfüllung eines positiven Gesetzes, welches jede Verletzung der Reinheit und Heiligkeit der Sitten für ein Verbrechen erklärt. Jeder Israelit, der sich schlecht beträgt, verletzt das göttliche Gesetz. Er schadet dadurch nicht allein fich, sondern auch dem Volke, *) Aus t'oi ä'IsiLkl von dem verdienstvollen Hauptredacteur des »ttnivers isrsölitL^. S. Bloch. dessen Ehre ihm am Herzen liegen sollte; er beleidigt Gott, der ihn Seinen Sohn genannt, und der zu uns Allen gesagt hat: „Ihr seid Meine Zeugen, daß kein andrer Gott ist als Ich" (Jesaias Cap. 43, V. 16). Wie könnte wohl ein verlorener, durch Laster gebrochener Mensch für Gott Zeugniß ablegen? Der Israelit j muß ein sittenreines Leben führen, um seiner selbst, , um seiner Nation und um seines Gottes Willen. Es bedarf sicherlich einer großen sittlichen Kraft, nicht nur zur Bekämpfung und Besiegung der schlechten Neigungen und Begierden, sondern auch zur Mäßigung und Regelung derselben. Bei jedem Schritte begegnet der Mensch jenem verhänanißvollen Baume j mit den verführerischen und gefährlichen Früchten, und! er hört die Stimme des Versuchers, welche ihn be-! zaubert, berauscht und irreführt: ein täuschendes Luft-! gebilde verspricht ihm das Glück, nach welchem seine j Seele lechzt, entfernt ihn vom wahrhaften Leben, von > Gott und führt ihn zum Abgrunde und zum Tode. Um so viel mächtigen Verführungen widerstehen i zu können, müßte der Mensch seine Augen, seine Oh- ' ren, sein Herz verschließen, er müßte lebendig in das! Grab steigen oder fich ganz vergeistigt zum Himmel emporheben. Nicht umsonst sagen unsere Weisen: „Wer ist ein Held? der seine Leidenschaft bezwingt" (Aboth Cap. 4, ß. 1). Bei den civilisirtesten Nationen finden fich täglich neue Krankheiten, neue Störun-! gen in den Grnndzügen der gesellschaftlichen Ordnung, l und ein berühmter Schriftsteller sagte unlängst mit tiefer Traurigkeit: „Eine Thatsache ist unbestreitbar: j inmitten so vielen materiellen und geistigen Fortschrittes nimmt die Sittlichkeit ab; Alles schreitet voran und i entwickelt sich, nur eines verringert sich, und das ist > die Seele."

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