Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447177--02864-2458227- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
486 bist, sie mir zu erfüllen. — „Was ist es mein Vater?" sagte mein Sohn, „ich werde nimmer Deinem Worte ungehorsam sein." — Mein Sohn, sagte ich, Deine Braut ist bereits seit ihrer Kindheit mit einem Andern verlobt, ich habe den Verlöbniß-Pakt gesehen, und Du mußt als rechtschaffener und frommer Mann Verzicht auf sie leisten. Der junge Mann, mit welchem sie verlobt ist, ist hier, aber in dürftigen Umständen. Ich wünschte nun, daß Du demselben nicht nur seine Braut zurückgibst, sondern auch alle Kleidung und alle Kostbarkeiten, die ich für Deine Ausstattung bestimmt hatte, überläffest. Thue so, mein Sohn! bat ich, und Gott wird Dir's sicher vergelten, und auch ich will das Meine thun, Dir deinen Verlust möglichst zu ersetzen. — „Thue," sagte mein guter Sohn, „thue, mein Vater, was Du für gut hältst, ich werde Dir stets in Allem folgen." — Ich ging nun und holte den armen jungen Mann herein und führte ihn zu dem Mädchen, das sich auch bald seiner wieder erinnerte. Ich theilte den Gästen die Sache mit und ließ die Trauung zwischen beiden auf der Stelle vollziehen. Die Hochzeitsfeier, nur auf kurze Zeit unterbrochen, ging fröhlich von Statten, und nachdem die Neuvermählten noch einige Monate vergnügt bei mir verbracht hatten, zogen sie, reich von mir beschenkt, wieder nach ihrer Heimath und ihrer Vaterstadt. — Von Zeit zu Zeit erhalte ich Nachricht von ihrem Wohlergehen. — Das ist, „schloß der fromme Metzger seine Erzählung", die besondere That meines Lebens, deren ich mich heute auf Deine Anfrage, mein Herr und Meister, wieder so lebhaft erinnere." — Da reichte der gelehrte und fromme Mann dem rechtschaffenen Metzger die Hand und sagte: „Wahrlich, Du bist ein Mann Gottes! und wohl mir," setzte er leise hinzu, „daß ich einen solchen Genoffen im Paradiese haben soll." — A « ze Nachruf. Wenn das bereits hier besprochene am 21.v. M. stattgehabte große Leichengefolge des in seinem 83. Lebensjahre hier am 19. v. M. verstorbenen Kaufmanns Herrn Jtzig Goldstern schon im Allgemeinen davon Zeugniß gegeben hat, daß ein Ehrenmann zur Ruhe begleitet worden ist, so fühlt sich dennoch der Unterzeichnete Vorstand veranlaßt, dem Dahingeschiedenen diesen Nachruf zu widmen, umsomehr, weil derselbe in jeder Beziehung ein ehrendes Andenken in der Mettenbudener Gemeinde — deren Mitglied er von jeher war — sich in vollster Wirklichkeit erworben hat. Seit seiner frühesten Jugend war der Dahingeschiedene stets bemüht, das Wohl und Interesse der genannten Gemeinde zu fördern. Vor länger als 50 Jahren ist durch seine Bemühung die .-iidsi und später die und der Verein zur Unterstützung der Armen in ins Leben gerufen. Demnächst hat die Gemeinde nur seiner aufopfernden Thätigkeit und seinen rastlosen Bemühungen den Besitz einer schönen Synagoge, eines desgleichen L g e n. Badehauses und noch anderer Baulichkeiten zu verdanken, wobei hervorgehoben wird, daß der Verstorbene den Grund und Boden, worauf die Synagoge erbaut worden, mehrere Jahre vorher aus eignen Dritteln zu diesem Behufe angekauft und demnächst der Gemeinde unentgeltlich zum Eigenthum überwiesen hat. Mehr wie 30 Jahre war der Verstorbene Vorsteher dieser Gemeinde, sowie sämmtlicher Vereine in derselben und erst dann, als seine Thätigkeit durch Alterschwäche und Körperleiden gehemmt worden war, hat er seine Ehrenämter zum Bedauern der Gemeinde niedergelegt. Einen Unterschied der Confessionen kannte er bei der großen Wohlthätigkeit, welche er bis an sein Lebensende ausgeübt hat, nicht und wird daher sein Andenken nicht nur bei uns, sondern auch bei denen, die nicht seine Glaubensgenossen waren, unvergeßlich bleiben. Sanft ruhe seine Asche. Danzig, im August 1864. Der Vorstand der MettenbuderJsraeliten- Gemeinde zu Danzig.