Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1864)
- Date
- 1864-08-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Frankreich. Paris. Der „Courrier du Dimanche" bringt interessante Nachrichten über die Schritte, welche die Angelegenheiten des Judenknaben Kohen seitens der französischen Regierung hervorgerufen hat, weil sich der Vater des geraikbten Kindes, obgleich nicht Franzose, an den französischen Gesandten in Rom gewandt hatte. Obgleich dieser Diplomat nicht offiziell einschreiten konnte, suchte er doch in offiziöser Weise darum nach, daß das Kind seinen Eltern wieder ausgeliefert werde, jedoch ohne jeglichen Erfolg. Man machte ihm den Einwurf, daß der junge Kohen, als man ihn befragt und angehört, den unerschütterlichen Entschluß kundgethan habe, Christ zu werden, und daß, so lebhaft auch der Wunsch der päpstlichen Regierung sei, dem Wunsche Frankreichs nachzukommen, es nicht vom hl. Stuhle abhänge, einem so fest ausgesprochenen Willen entgegen zu handeln. Graf v. Sartiges berichtete nach Paris und sandte einen ausführlichen Bericht an Drouyn de Lhuys ab. Sofort gingen dem französ. Gesandten eingehende Instruktionen zu in einer Depesche des Ministers des Auswärtigen, „in welcher die dem hl. Vater gebührende Ehrfurcht mit einer großen Festigkeit, wo nicht mit einer gewissen Strenge verbunden ist". Die französ. Regierung ging davon aus, daß die betreffs des jungen Kohen ergriffenen Maßregeln nicht allein aus der geistlichen Herrschaft hervorgehe, deren Controls Niemand zustehe, sondern daß sie die Beihilfe der weltlichen Macht in sich einschließe. Nun aber sei zu den Zeiten, in denen wir leben, die weltliche Regierung des Papstes genöthigt, der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen. Welchen Erfolg diese Schritte haben w.erden, steht noch dahin. Aus Paris wird der „Köln. Ztg." geschrieben: „Wie der deutsche Unterricht, gelangt auch deutsche Wissenschaft immer mehr und mehr hier in Anerkennung. So höre ich, daß der würdige Orientalist Professor Munk in der That Aussicht hat, die Lehrkanzel Renan's für das Hebräische einzunehmen, eine Stelle, für welche die immen'e Gelehrsamkeit des genannten Mitgliedes des Instituts daffelbelbe ganz geeignet macht." Portugal. Lissabon. Die hiesige israel. Gemeinde hat ein Comitö ernannt, das es sich zur Aufgabe stellt, hie nöthigen Gelder zum Bau einer Synagoge und zur Erwerbung eines neuen Friedhofes zu beschaffen. Außer den neuen Sammlungen, welche man zu diesem Zwecke in Portugal veranstaltet, werden auch die Glaubensgenossen in andern europäischen Ländern in Anspruch genommen werden. Ein ehrwürdiger und religiöser Mann, Herr M. Marcos Auday, hat auf eigne Kosten eine Reise zu diesem Zwecke unternommen. — Es sind auch Anzeichen vorhanden, daß sich mit göttlicher Hilfe in einem Lande, an das sich so schmerzliche Erinnerungen knüpfen, das Judenthum stark und geachtet von Neuem entwickeln werde. Amerika. New-Nork. Siegmund Friedberger aus München, Oberst und Generaladjutant des conföderalistischen Generals Harton, erlag in einem Alter von 28 Jahren den Wunden, die er in einer der jüngsten Schlachten bei Gelegenheit der Erstürmung von Petersburg erhalten hatte. Feuilleton. Nicht immer ist es gut, an seiner Gewohnheit fest M hatten.*) Von Ein Mann war gewöhnt, täglich zwölf Nößel Wein zu trinken. Eines Tages ereignete es sich, daß er nur eilf trank. Er ging Abends zu Bette, aber kein Schlaf wollte ihm kommen. Da stieg er mitten in der finstern Nacht auf, kleidete sich an und ging zu einem Weinschank, klopfte an dessen Thüre und rief: „Ich möchte noch ein Nößel Wein haben!" — Der Wirth kam und sprach: „Ich kann Dir nicht öffnen, es ist dunkle Nacht, auch darf ich es schon um der Wächter willen nicht thun." — Da sah der Mann eine Oeffnung in der Höhe der Thüre. „Ach," rief er, „reich' mir den Wein doch durch die Oeffnung hier! Du steckst von innen den Hals der Flasche durch die Oeffnung und ich trinke außenstehend." Der Wirth that so. Der Mann trank auf diese Weise, freilich mit einiger Anstrengung, da er sich auf die Spitze des Fußes stellen mußte, die Flasche aus, setzte sich dann ein wenig vor der Thüre nieder um auszurnhen, mW schlief bald darauf ein. Nicht lange, so kamen die Wächter und fanden ihn vor der Thüre sitzend. In der Meinung, es sei ein Dieb, fielen sie über ihn her, um ihn festzunehmen, und da er wein- und schlaftrunken sich zur Wehr fetzte, schlugen und verwundeten *) Nach Wajikra rab. par. 12. —