Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1864)
- Date
- 1864-07-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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legen. — „Wißt Ihr denn nicht," — sprach Bar- Kappara, „daß diese Regierung nichts umsonst thüt?" — „Hier sind." versetzte man ihm. „fünfhundert Golddenare, nimm sie und gehe damit an den kaiserlichen Hof." — Bar-Kappara nahm die fünfhundert Denare und reiste damit ab. — Als er an den kaiserlichen Hof kam, ward er freudig überxascht, denn der Erste, der ihm begegnete, war der junge Schiffbrüchige, den er gerettet. Derselbe war jetzt Proconsul und stand in hohem Ansehen bei dem Kaiser. „Wie kommst Du hierher, Meister?" rief freudig der junge Mann- „Ach, ich stehe noch in großer Schuld bei Dir, und hatte noch nicht einmal Gelegenheit, Dir das Geld, welches Du mir geliehen, wieder zurückzuerstatten. - — „Ich bin von meinen Brüdern gesendet," antwortete Bar-Kappara, „um für arme Juden, die man unschuldiger Weise gefangen genommen, ein bittendes Wort bei dem Kaiser vorzubringen, o, wenn Du Dich mir noch verpflichtet fühlest, thue es selbst um meinetwillen!" — „Weißt Du denn nicht," sagte der Proconsul, „daß man am Hofe nichts umsonst erreicht?" — „Ich habe deßhalb fünfhundert Golddenare mitgebracht," erwiderte Bar-Kappara, „hier nimm sie und verwende sie zum Heile der Gefangenen " — „Mein Lebensretter und Wohlthäter," sprach der junge Mann und reichte Bar-Kappara herzlich die Hand, „die fünfhundert Golddenare behalte Du selbst fiir die fünf Denare, die Du mir geliehen; die Männer Deines Glaubens aber sollen frei werden, ich verspreche es Dir, für die Pflege, die ich in Deinem Hause gefunden; Du selbst aber sollst in Ehren und in Frieden heimkehren, Du, mein Lebensretter und Wohlthäter!" — Und so geschah es. — Bar-Kappara kehrte hochgeehrt mit der frohen Botschaft nach Hause, und da wandten die Weifen auf ihn den Spruch des Predigers an: „Theile Dein Brod aus, selbst bis über das Wasser hin, mit der Zeit findest Du es wieder." — Wenn auch ähnlich, dennoch merkwürdiger und lehrreicher ist folgende Erzählung, denn sie zeigt zugleich das Gegentheil, wie leicht Unbarmherzigkeit und Härte ihre schwere Strafe finden kann. — R. Elieser den Scham ua liebte es ebenfalls, am Ufer des mittelländischen Meeres zu lustwandeln. Da erblickte.er eines Tages ein Schiff auf dem stürmischen Meere von den Wellen rath- und machtlos hin und hergeschleudert und fast in demselben Augenblicke auch scheitern und untersinken. Bald darauf zeigte sich in einiger Ferne ein Mann an ein Brett angeklammert, von Welle zur Welle geschleudert und end¬ 406 lich an's Ufer geworfen. Der Mann war fast nackt und verbarg sich deßhalb eilig hinter einer Erhöhung an der Meeresküste. Es war aber gerade zur Zeit, wo Israel zum Feste nach Jerusalem wallte. „O", rief der Mann bittend hinter seinem Versteck hervor; „ich bin von den Söhnen Esau's, Euerer Brüder einer, habt Erbarmen mit mir und gebt mir nur ein Kleid, meine Blöße zu bedecken! Das Meer hat mich geplündert und nicht das Mindeste von dem, was mein war, habe ich gerettet!" — „Möge Dein ganzes Volk io entblößt werden!" gab man ihm herzlos zur Antwort. — Da erblickte der Hülflose den Elieser ben Schamua bei einigen Wallfahrern verweilen und rief auch ihm aus seinem Verstecke zu: „Du scheinst ein angesehener Mann- und wirst wohl die Würde des Menschen zu achten wissen, habe daher Erbarmen mit mir und reich' mir ein Gewand, meine Blöße zu bedecken. Das Meer hat mich geplündert und mir all das Meine genommen!" — Elieser hatte siebenerlei Prachtgewänder an, er zog eines aus und reichte es ihm. Dann nahm er den Mann mit sich nach Hause, kleidete ihn vollständig, gab ihm zu essen und zu trinken, reichte ihm zweihundert Denare und ließ ihn vierzehn Meilen weit von seinem eigenen Diener und auf seinem eigenen Saumthiere achtungsvoll geleiten, daß der Mann wieder wohlbehalten zu den Seinen kam. Nach einiger Zeit starb der Kaiser, und eben jener Schiffbrüchige, der von hoher Familie stammte, ward an dessen Stelle zum Kaiser ernannt. — Da ließ er, eingedenk der Herzlosigkeit, mit welcher die Wallfahrer ihm in seiner Noth begegnet waren, den Befehl ergehen: „Alle Männer jener Provinz sollen getödtet, alle Frauen aber zur Beute preiegcgeben werden!"— Jetzt eilte Alles zu Elieser ben Schamua und bat: „Gehe und bitte um Gnade für uns!" — „Und was soll ich als Sühne mitbringen?" frug Elieser „Ohne ein bedeutendes Lösegcld vermag ich nichts!" — Man übergab ihm vier Tausend Golddenare. — Elüser nahm diese und reiste damit ab' — Als er in die Residenz des Kaisers und vor den kaiserlichen Palast kam, bat er die Wache am Thore, dem Kaffer zu melden, es sei ein Mann aus Juoäa da, der den Kaiser ehrfurchtsvoll zu begrüßen wünschte. — „Man lasse ihn vor!" sprach der Kaffer. — Als Elieser nun vor den Kaiser trat, erkannte ihn dieser sogleich, erhob sich rasch von seinem Throne und eilte Elteser entgegen und sprach mit gütiger und freudiger Mene: „Was bringt Dich hierher, mein edler Freund?" — Elieser sagte, weßhalb er gekommen und bat um Gnade für die Leute jener Provinz. — Da verdüsterte sich die Miene des Kaisers und er sprach