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Der Israelit · 1864-06-08 · Heft 23 (8.6.1864) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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314 In der Nacht auf Donnerstag in der dem Sabbate ParaschatKedoschim vorhergehenden Woche, langte der Herr Rabbiner in Szeged in an, wo ihn Hunde rt e dkk angesehenste n Gemeindeglieder besuchten und ihn dringend baten, den Samstag in Szegedin zuzubringen; da der Herr Rabbiner diese Bitte nicht gewährte, so folgten ihm ungemein viele Szegediner hierher. Solch einen Eindruck brachte die wahrhafte Frömmigkeit des Mannes selbst in der Gemeinde LHrv's hervor! — Donnerstag Nachmittag kam der Herr Rabbiner hier an; er hatte erst wenige Besuche empfangen, als drei Polizisten erschienen, um ihn im Namen des Oberstuhlrichters auszusordern, den hiesigen Ort zu verlassen; man ließ die Polizisten nicht zu ihm,, sondern Me zum Oberstuhlrichter, um sich nach der Ursache dieses auffallenden Befehles zu erkundigen. Unterdeß sah man den Vorsteher Graner auf der Gaffe mit dem Sicherheitscommiffär verhandeln; darauf kehrte dieser mit den drei Polizisten in die Wohnung des Herrn Rabbiners zurück, stieß Flüche und Schimpfworte aus, die augenscheinlich von einem jüdischen (!) Denunciavten und Verleumder eingegeben waren, und führte den Herrn Rabbiner in seine (des Sicherheitscommiffärs) Wohnung ab. Während bei dieser empörenden Scene alle Anwesenden auf das Schmerzlichste betroffen waren , rief der Vorsteher Graner in Gegenwart vieler Menschen schadenfroh aus: „Dieser Vorgang ist mir lieber als 1000 Gulden!" Die ganze Gemeinde versammelte sich nun vor dem Hause des Sicherheitscommiffärs. — Der Oberstuhlrichter , der im Amte nicht wehr anwesend war, wurde endlich in einem Privathause gefunden und von vielen Gemeindegliedern zur sofortigen Untersuchung dieser Angelegenheit berufen. Er verlangte dem Herrn Rabbiner den Paß ab, entließ ihn für jetzt der Hast und versprach ihm auf morgen (Freitag) Bescheid, worauf der unschuldig Verhaftete von der garten Gemeinde aufs freudigste begrüßt und in seine Wohnung begleitet wurde. Am andern Morgen brachten der Sicherheitscommiffär nebst drei Polizisten den schriftlichen Bescheid des Stuhlrichters; er lautete dahin, daß der Rabbiner „wegen abgehaltener aufrührerischer Prädicationen" sofort unter Begleitung den Ort zu verlassen habe. So wurde denn dieser ehrwürdige, hochangesehene und weitberühmte Greis zum unaussprechlichen Schmerze der ganzen Gemeinde und auch vieler Christen, die der Scene anwohnten, von vier Gensdarmen zum Orte hinaustransportirt. Wie war es gelungen, die Behörde zu solch' einem Schrite zu veranlassen? Man hatte derselben die Schmutzblätter Löw's (Ben Chananja) uno Szanto's (Neuzeit) und den Aufruf des Miskolczer Vorstandes, in denen dieser Rabbiner aufs Beispielloseste beschimpft und verleumdet wird, producirt. Da wird dieser Mann ein unwissender, marktschreierischer Rebbe, ein Finsterling, ein Wühler genannt, der die Fackel der Zwietracht anzuzünden bestrebt sei, 8a wird Beleidigung und Verleumdung auf Beleidigung und Verleumdung gehäukt. Solche Blätter, Schandflecke des modernen Judmthums, Blätter, die von Haß und Zorn gegen die Vertreter des echten Judenthums übersprudeln, mußten dazu dienen, das Urtheil der hohen Behörde zu trüben! Jene ekelhafte Neuzeck, die Beschneidungsmorde erdichtet, durch ausgedachte Geschichten die Bar-Mizwah-Feier lächerlich zu machen sucht, jener freche Ben Chananja, dem nichtheilig ist, als der eitle Oberrabbiner von Szegedm selber, die müssen als Beweise dienen, um einen ehrwürdigen, gelehrten, gottesfürchtigen Rabbiner wie einen Verbrecher behandeln zu laffen! So werden die Behöckren getäuscht!! Herr Rabbiner Letsch verblieb in Zo'mbor, einem Dorfe unweit Mako, wohin ihm der größte Theil der Gemeinde folgte, um dort mit ihm den Sabbat zu verleben. Im Begriffe, in die Heimath zurückzukehreu, wurde der Herr Nadbiner von einer Deputation der Gemeinde Zenta ausgesucht, die ihn dringend bat, dort eine Deraschah am nächsten Sabbat abzuhalten. Dorthin kamen dann zum Sabbat Paraschat iwn viele Rabbinnen und zahlreiche andere Israeliten aus der ganzen Umgegend. Alles bemühte sich , den ehrwürdigen Greis nach Verdienst zn ehren und die erfahrene Unbill vergessen zu machen. Die Absichten dieses Nabbinen sind die reinsten; er will weiter Nichts, als seine Glaubensgenossen ermahnen und zu Gott und Seinen heiligen Geboten hinsühren. Weder für seine Mühen noch für seine Borträge nimmt er das geringste Honorar. Als ihn in Zenta die Söhne des verstorbenen Herrn Oblatt, da er bei der Gelegenheit der Grabsteinsetzung .eine Trauerrede hielt, in reichlichster Weise honorrren wollten , so lehnte er jede Belohnung mit dem Bemerken ab, daß sein einziger Lohn der sein möge, daß man seine Ermahnungen beachte. Solch einen edlen Mann, solch einen uneigennützigen, nur Gott und Seinen heiligen Geboten lebenden edlen Rabbi hat unser Vorstand so furchtbar zu beleidigen sich nicht entblödet! Doch, was soll man von einem Manne erwarten, den folgende Thatsache characterisiren mag: Als derselbe im Jahre 59 abgesetzt wurde, da suchte er sich dadurch zu rächen, daß er — am Sabbat sein Geschäft öffnete. Er halte schon vorher damit gedroht und führte seine Drohung auch aus! — Möchte uns doch die Stunde der Befreiung bald schlagen, möchte unsere hohe Behörde endlich erkennen, wie schmählich unsere Gewissen belastet werden! Wenn diesem Vorstande die Macht entzogen würde, uns zu tyrannisiren, so würden alsobald Ruhe und Eintracht in unsere einst so friedliche Gemeinde wieder einkehren! — Ein Mitglied der isr. Gemeinde zu Mako im Namen der Orthodoxen.

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