Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1864)
- Date
- 1864-06-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Extra Beilage z« Nr. 23 des Israelit. Oesterreichischer Kaiserstaat. Mako, im Mai. Line Schandthat ist geschehen in Israel; Jedem, der es hören wird, werden beide Ohren gellen (Samuel 1, 3, 11). Der hiesige Cultusvorstand hat ohne den geringsten Anlaß gegen einen der ehrwürdigsten und gelehrtesten Rabbinen ein schmachvolles Attentat vollführt, einen unerhörten Act der Gewalt ausgeübt, der geeignet ist, ihn nicht allein in den Augen aller gesetzestreuen Israeliten, sondern auch bei allen gebildeten Menschen zu brandmarken und mit dem unauslöschlichen Brandmale der Schande zu behasten. Doch das genügt diesen Menschen, die stets Cultur, Bildung und Fortschritt im Munde führen, noch nicht; sie machen sich zur Posaune ihrer eigenen Schmach, und jene feilen Organe der sogenannten südlichen Reform : Neuzeit, Ben Chananja, allgemeine Zeitung des Judenth., beschönigen den elendesten Act rohester Gewalt, der vielleicht jemals vorgekommen. Daher ist es wohl an der Zeit, in diesen geschätzten, die Interessen des wahrhaften Judenthums vertretenden Blättern den Sachverhalt so darzuftellen, wie die Thatsachen wirklich vor sich gegangen, und jene Menschen an den Pranger der Oeffentlichkeit zu stellen, die es gewagt haben, einen edlen, für Gott und seine Thora begeisterten Talmid Chacham, ohne den geringsten Anlaß wie einen Verbrecher zu behandeln und durch Gensdarmen gewaltsam abführen zu lasten. Zum besseren Verftändniß möge es mir vergönnt sein, einen Rückblick auf das hiesige Gemeindeleben, während der verflossenen acht Jahre zu werfen. Bis zum Jahre 96 herrschte hier weder Zwiespalt noch Zwistigkeit. Da wurde der Gemeinde von der Behörde ein Vorstand gegeben, den jene weder gewählt hatte, noch gewählt haben würde — und mit der Ruhe und Eintracht war es bald zu Ende Gegen den Willen des verewigten, weitberühmten Oberrabbiners Ullmann d"piLi beschloß der Vorstand, Reformen im Gottesdienste einzuführen, denen der erwähnte Herr Oberrabbiner und mit ihm die ganze Gemeinde bis auf wenige Mitglieder den heftigsten Widerstand entgegensetzten. Nichtsdestoweniger setzte der Vorstand gewaltsam seinen Willen durch, bis es dem Herrn Oberrabbiner gelang, durch einen Erlaß des hohen Cultusministeriums die Reformen sistiren zu lasten. Jetzt begann der Vorstand in wahrhaft grauenerregender Weise gegen den von aller Welt hochgeachteten Rabbiner zu agitiren; man fügte ihm die entsetzlichsten Kränkungen zu; man ließ ihn zum Stuhlrichter bescheiden, damit ihn dort zwei Aerzte untersuchen sollten, ob er noch fähig sei, sein Amt zu bekleiden, man verleumdete ihn solange bei der hohen Behörde, bis mkn seine Pensionirung erwirkte. Dieses Verfahren des, Vorstandes rief jedoch ber der ganzen es dahin brachte, daß von der hohen Statthalterei- Abthetlung zu Groß-Wardein dieser Vorstand abgesetzt, und dre Gememde zur Wahl eines Vorstandes ermächtigt wurde. (Erlaß des h. Statthalterei - Abtheilung-Präsidiums, datirt Großwardein, den 8. März 1vö9 Z. 2098). Bei der dann stattgehadten Neuwahl wurde auch über die beabsichtigten Reformen abgestimmt, wobei es sich ergab, daß trotz aller Anstrengungen und trotz des großen Einflusses des gestürzten Vorftanoes nur achtzehn Gemeindemitglieder für die Reformen stimmten, während die Gegner derselben nach Hunderten zählten. (Gemeindesitzungs-Protokoll, datirt vom 8. Februar 1660 Z. 4.) So war denn die Ruhe und Ordnung wieder hergestellt. Allein wir hatten ein schweres Opfer jener Zwistigkeiten zu beklagen: unser hochgeehrter und vielgeliebter Herr Oberrabbiner sank ins Grab!! Im Anfänge dieses Jahres nun wurde derselbe Vorstand, welcher die Gemeinde so beunruhigt hatte, von Seiten der Behörde, ohne daß er von der Gemeinde gewählt worden, wieder eingesetzt. An der Sp.tze dieses Vorstandes stand und steht ein Herr Ignatz Grane r. Alfobald ging das alte Treiben wieder an; die Reformen wurden wieder eingeführt. und die Orthodoxen waren gezwungen, sich eine Privatiynagoge emzurichten, m der sie solange den Gottesdienst in althergebrachter Weise abhalten werden, bis die Abstellung des willkürlichen Verfahrens jenes despotischen Vorstandes erwirkt sein wird. Wir haben bereits oben erwähnt, daß die orthodoxen Gemen,deglieder die überwiegend große Majorität bildvn; deßhalb wagt es auch der Vorstand nicht, eine Abstimmung vornehmen zu lasten; es sind jedoch bereits die nö.higen Schritte bei der hohen Behörde geschehen, damit die Gemeinde vor der Gewaltthätigkeit und Willkür neuerungssüchtiger, irreligiöser Vorsteher geschützt und in ihrem Gewissen Nicht beeinträchtigt werde. Von allem Dem glaubte Einsender die geehrten Leser in Kenntniß setzen zu müssen, che er zur Schilderung der schon angedeuteten schmachvollen Handlung, gegen einen ehrwürdigen und frommen Talmid Cyacham verübt, übergeht. Die Orthodoxen in hiesiger Gemeinde entbehren schon lange« der Wohlthat zu hören; sie luden daher den ebenso gelehrten wie gottesfürchtigen Rabbiner zu Scikio, Rabbi Hillel Letsch ein, auf einen Sabbat hieherzukommen, um euren Vortrag zu halten. Zu unserer großen Freude willigte der geehrte Herr Rabbiner ern, wie er vor einigen Monaten auch dem Rufe der Orthodoxen zu Pesth Folge geleistet und an zwei Sabbaten nacheinander dort Vorträge gehalten hatte; um jedoch der Sache durchaus nicht den Anschein einer Demonstration zu geben, wurde angeordnet, daN der .sserr